Eine Impfung gegen Zeckenstiche? Klingt verlockend. Der Impfstoff LB6V soll erstmals vor Lyme-Borreliose schützen – doch wo genau er die Übertragung verhindert, ist ungewöhnlich.
Die Lyme-Borreliose ist in Europa die mit Abstand häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Jetzt könnte erstmals ein Impfstoff gegen die Infektion verfügbar werden: Pfizer und Valneva haben für ihren Borreliose-Impfstoff PF-07307405 (LB6V, ehemals VLA15) einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA eingereicht. Im August 2026 wurde der Antrag von der EMA formal angenommen und befindet sich nun im Prüfverfahren.
Das könnte sich mit LB6V ändern. Der Proteinimpfstoff richtet sich gegen das Outer Surface Protein A (OspA) der Borrelien und deckt sechs OspA-Serotypen ab. Das Prinzip ist folgendes: Nach der Impfung zirkulieren OspA-Antikörper im Blut des Menschen. Beim Blutsaugen nimmt die Zecke diese Antikörper auf. Sie binden bereits in der Zecke an Borrelien und sollen so deren Übertragung auf den Menschen verhindern.
Grundlage des Zulassungsantrags ist unter anderem die randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie VALOR mit Teilnehmern ab fünf Jahren in Nordamerika und Europa. Verabreicht wurden drei Impfungen zur Grundimmunisierung und eine weitere Dosis etwa ein Jahr später. Laut Pfizer und Valneva reduzierte der Impfstoff nach der vierten Dosis bestätigte Borreliose-Erkrankungen um 73,2 Prozent gegenüber Placebo.
Allerdings ist Zurückhaltung bei der Interpretation angebracht: Bislang handelt es sich um Ergebnisse aus Pressemitteilungen der Hersteller; eine vollständige Publikation der Phase-III-Daten steht noch aus. Zudem traten in der Studie weniger Borreliose-Fälle auf als erwartet. Dadurch war das Konfidenzintervall breit (95%-KI 15,8–93,5 %) und das zuvor festgelegte statistische Erfolgskriterium des primären Endpunkts wurde formal nicht erreicht. Pfizer bewertet die beobachtete Wirksamkeit dennoch als klinisch relevant.
Bis zu einer möglichen Zulassung bleibt daher die wichtigste Prävention unverändert: Zeckenstiche vermeiden, den Körper nach Aufenthalten im Freien absuchen und Zecken möglichst früh entfernen. Künftig könnte eine Impfung die Möglichkeiten der Prävention erweitern.
Bildquelle: Karolina Grabowska, Unsplash
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