Wechseljahresbeschwerden gelten als Gynäkologie-Thema – dabei sollten Ärzte das Herz nicht übersehen. Denn kommt die Hormontherapie zur richtigen Zeit, könnte sie beim Herz-Kreislauf-Risiko den Unterschied machen.
Nachts schweißgebadet aufwachen, tagsüber mitten im Gespräch von einer Hitzewallung überrascht werden: Für viele Frauen in der Perimenopause oder frühen Postmenopause ist das die Realität. Bis zu 80 % der Frauen sind während der Menopause-Transition von solchen vasomotorischen Symptomen betroffen, im Schnitt halten sie 7 bis 10 Jahre an. Eine Hormontherapie kann die Beschwerden lindern – doch welche Rolle sie für das Herz-Kreislauf-System der betroffenen Frauen spielt, war bislang nicht abschließend geklärt. Eine neue Auswertung der Study of Women's Health Across the Nation (SWAN) liefert dazu jetzt differenzierte Daten.
Für die Kohortenstudie, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Internal Medicine, werteten Forscher der Virginia Commonwealth University und der University of Pittsburgh Daten von 2.737 Frauen mit vasomotorischen Symptomen aus, die zu Studienbeginn keine kardiovaskulären Vorerkrankungen hatten. Die zugrunde liegende SWAN-Studie ist die größte und am längsten laufende Beobachtungsstudie ihrer Art in den USA; die Datenerhebung erstreckte sich über 20 Jahre, von 1997 bis 2017. 755 der Teilnehmerinnen begannen im Studienverlauf eine Hormontherapie, insgesamt registrierten die Forscher 224 kardiovaskuläre Ereignisse. Methodisch orientierten sie sich an der Logik einer Zielstudien-Emulation, um trotz des Beobachtungsdesigns möglichst belastbare Rückschlüsse ziehen zu können.
Frauen, die eine Hormontherapie begannen, hatten im Vergleich zu Frauen ohne Hormontherapie ein um 22 % niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (adjustierte Hazard Ratio 0,78; 95-%-Konfidenzintervall 0,62–0,98). Entscheidend war dabei der Zeitpunkt des Therapiebeginns: Startete die Hormontherapie innerhalb von 10 Jahren nach Beginn der Menopause, sank das Risiko um 27 % (aHR 0,73; 95-%-KI 0,58–0,93). Wurde sie dagegen erst später begonnen, zeigte sich kein protektiver Effekt mehr – tendenziell war das Risiko in dieser Gruppe sogar erhöht (aHR 1,53; 95-%-KI 0,66–3,52). Der Unterschied zwischen beiden Zeitfenstern war statistisch signifikant (p-Wert für Interaktion: 0,02). „Die Menopause-Transition stellt ein kritisches Fenster dar, um zu verstehen, wie Hormontherapie mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt“, erklärt Samar El Khoudary, Professorin und Vorsitzende des Department of Epidemiology an der VCU School of Public Health.
Auch die Herkunft der Teilnehmerinnen beeinflusste den Zusammenhang zwischen Hormontherapie und kardiovaskulärem Risiko. Bei Schwarzen Frauen war der protektive Effekt besonders ausgeprägt: Ihr Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sank um 49 % (aHR 0,51; 95-%-KI 0,33–0,81). Bei Frauen anderer Ethnien ließ sich dagegen kein eindeutiger Effekt nachweisen (p-Wert für Interaktion: 0,007). „Die Ergebnisse zeigen auf, dass Frauen mit vasomotorischen Symptomen von einer Hormontherapie während der Perimenopause profitieren könnten“, ordnet Rebecca Thurston die Befunde ein, Associate Dean for Women's Health Research an der University of Pittsburgh School of Medicine.
Die Forscher weisen selbst auf die Grenzen ihrer Arbeit hin: Die Studie war keine randomisierte kontrollierte Studie und mögliche Unterschiede zwischen Frauen, die eine Hormontherapie nutzten, und jenen, die darauf verzichteten, wurden nicht vollständig berücksichtigt. Die Ergebnisse sollten deshalb nicht unmittelbar in die klinische Praxis übernommen werden, betonen die Autoren.
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