Vampir-Look für schönere Haut? In den sozialen Medien schmieren sich einige Frauen ihr Periodenblut ins Gesicht – und schwören auf die Effekte. Dermatologen sind jedoch alles andere als überzeugt.
Für Eilige gibt's am Ende eine kurze Zusammenfassung.
Die einen verziehen angewidert das Gesicht, die anderen schwören darauf: Junge Frauen pinseln sich ihr Periodenblut ins Gesicht, um so eine schönere Haut zu bekommen – und posten stolz Fotos auf Social Media. Beiträge mit den Hashtags #menstrualmasking, #moonmasking, #periodfacemask oder #periodbloodfacemask auf Instagram oder TikTok gingen viral, manche Videos oder Reels verzeichnen mehrere Millionen Views. Allerdings ist die Zahl der Beiträge zum Thema nicht gerade riesig – auf Instagram finden sich jeweils weniger als 100 Beiträge zu den Hashtags.
Einige Userinnen empfehlen, das Blut am besten in einer Menstruationstasse zu sammeln und mit einem Pinsel auf Gesicht und Dekolleté aufzutragen. Wie viel Blut man dabei verwenden soll und wie lange es einwirken soll, ist unklar. Einige Frauen empfehlen, die blutige Gesichtsmaske 15 bis 20 Minuten einwirken zu lassen und dann mit kaltem Wasser abzuwaschen.
Die Idee hinter der Perioden-Gesichtsmaske ist offenbar, mit natürlichen Substanzen aus dem eigenen Körper eine schöne Haut zu erzielen. Dahinter steckt vermutlich Neugier – oder der Wunsch, zu provozieren oder zu schockieren. Einige Userinnen geben an, dass sie so Scham oder Ekel vor dem Periodenblut überwinden und ihre Monatsblutung als etwas Natürliches und Positives akzeptieren möchten. Manche berichten, sich dadurch weiblicher und stärker mit ihrem Körper verbunden zu fühlen.
Laut der Userinnen lassen sich mit der blutigen Gesichtsmaske eine ganze Reihe von Effekten erzielen:
So schwärmen Nutzerinnen: „Das lässt meine Haut lang anhaltend glänzen“, „Ich habe die reinste Haut aller Zeiten bekommen“ oder „Mein Körper gibt mir jeden Monat eine kostenlose Gesichtsmaske“. (Die Reaktion der wenigen Männer, die sich überreden lassen, die Gesichtsmaske zu testen und dann erfahren, dass sie Periodenblut im Gesicht haben, ist dagegen eindeutig: „Oh mein Gott!“ oder „Was? Periodenblut? Nein! Stopp!!!“)
Anhängerinnen des Menstrual Masking führen an, dass das Periodenblut Bestandteile enthält, die gut für die Haut seien. So enthält Menstruationsflüssigkeit neben Blut, Gebärmutterschleimhaut und Scheidensekreten auch Cytokine, Proteine, bioaktive Moleküle und aus Menstruationsblut abgeleitete Stammzellen (menstrual blood-derived stem cells, MenSCs). Diese könnten, so die Behauptung auf Social Media, die Haut verjüngen und zu einem besonderen Glanz oder Leuchten („Glow“) der Haut beitragen. Auch im Blut enthaltene Mineralstoffe wie Zink, Kupfer oder Magnesium könnten laut der Userinnen positive Effekte auf die Haut haben.
Dabei beziehen sie sich auf einige Laborstudien, in denen MenSCs ein Potential für die Reparatur von Gewebe und die Wundheilung gezeigt haben. So haben MenSCs-Stammzellen eine hohe Proliferationsrate (Zellteilungs- und Wachstumsrate) und die Fähigkeit, sich in verschiedene Zelllinien zu differenzieren – unter anderem in Keratinozyten (Zellen der Oberhaut) und Fibroblasten (Zellen des Bindegewebes) (hier, hier und hier). Weitere Studien deuten darauf hin, dass MenSCs die Wundheilung fördern könnten (hier, hier und hier). Aus Sicht der Autoren haben Stammzellen aus Menstruationsblut daher ein Potenzial, die Heilung von Hautverletzungen und Hauterkrankungen zu fördern. Günstige Effekte des Menstruationsbluts könnten weiterhin mit regenerativen Proteinen, Stammzellen und bioaktiven Molekülen zusammenhängen, die dazu beitragen, dass sich die Gebärmutter nach der Periode selbst regeneriert.
Weiterhin scheint das Menstrual Masking ein Versuch zu sein, das sogenannte Vampirlifting (englisch „Vampire Facial“) als Do-it-yourself-Methode zu imitieren. Gemeint ist die PRP-Therapie (platelet-rich plasma therapy, deutsch: plättchenreiche Plasmatherapie). Dabei werden Blutplättchen aus dem eigenen Blut extrahiert und mit feinen Nadeln in vielen kleinen Einstichen in die Gesichtshaut injiziert. Dies soll dafür sorgen, dass die Haut straffer, praller und frischer wird und einen „Glow“ erhält. Zudem soll so die Hautstruktur verbessert und feine Falten oder Aknenarben geglättet werden. Nach den Injektionen sieht das Gesicht stark gerötet und blutig aus. Dramatische Fotos auf Social Media, etwa von Prominenten wie Kim Kardashian, sorgten auch hier für einen viralen Trend. Im Unterschied zum Menstrual Masking wird die PRP-Therapie jedoch von Fachleuten unter sterilen Bedingungen und mit hohen fachlichen und hygienischen Standards durchgeführt.
Die Idee hinter dem Vampirlifting ist, dass Blutplättchen Wachstumsfaktoren freisetzen, die bei Reparaturprozessen im Gewebe eine Rolle spielen und Bindegewebszellen zur Neubildung von Kollagen anregen. Dies könnte dazu beitragen, Falten zu reduzieren und Hautschäden durch UV-Strahlen oder Wunden zu reparieren. Von Periodenblut erhoffen sich die Anwenderinnen vermutlich ähnliche Effekte. Studien geben Hinweise darauf, dass die PRP-Therapie feine Falten und die Hautstruktur verbessern kann – die Effekte sind jedoch eher klein. Um einen dauerhaften Effekt zu erzielen, muss die Behandlung in Abständen wiederholt werden. Wie häufig, ist unklar und nicht genau festgelegt.
Wie ist das Ganze aus medizinischer Sicht zu bewerten? Wie sind mögliche günstige Effekte und Risiken einer Gesichtsmaske aus Periodenblut einzuschätzen? Die Antwort der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) fällt kurz und ernüchternd aus: Es gibt zu wenig Evidenz, um Aussagen dazu zu treffen.
Wie bei so vielen Trends und Hypes auf Instagram, TikTok und Co. gilt wohl: Allein die Bekanntheit einer Methode und positive Erfahrungsberichte auf Social Media sagen nichts über ihre tatsächliche Wirksamkeit aus. Ein Hype um wissenschaftlich nicht belegte Behandlungsmethoden kann zudem falsche Erwartungen wecken, betonen Experten – und dazu führen, dass wirksame, evidenzbasierte Behandlungsmethoden nicht genutzt werden. So fehlen bisher Studien, die günstige Effekte einer Periodenblut-Gesichtsmaske auf die Haut belegen. „Es gibt keine klinischen Studien, die zeigen, dass Menstruationsblut im Gesicht das Hautbild verbessert oder Falten, Hautunreinheiten oder Akne verringert“, betont die Dermatologin Jennifer Gordon, eine vom American Board of Dermatology zertifizierte Ärztin in Austin, Texas (USA), in einem Beitrag. Ebenso wurde Periodenblut nicht auf seine dermatologische Verträglichkeit getestet.
Einige Forscher und Mediziner hoffen, dass medizinisch günstige Bestandteile aus Periodenblut irgendwann für neuartige, sichere dermatologische oder kosmetische Produkte genutzt werden könnten – etwa, um die Hautalterung durch UV-Strahlung zu verlangsamen oder die Wundheilung zu fördern. Bisher fehlen jedoch auch hier klinische Studien, die die Wirksamkeit solcher Bestandteile auf die Wundheilung, die Hautalterung oder Ähnliches belegen.
Einige Mediziner warnen ausdrücklich vor dem Menstrual Masking. So ist Menstruationsblut keine sterile Flüssigkeit und kann möglicherweise schädliche Bestandteile enthalten. Dazu gehören:
Aus Sicht von Expertinnen wie Jennifer Gordon oder der an der Columbia University in New York (USA) ausgebildeten Dermatologin Dr. Kiran Kaur Sethi besteht ein Risiko von Infektionen im Gesicht, wenn Menstruationsblut auf die Haut aufgetragen wird – vor allem bei Hauterkrankungen, Hautwunden oder irritierter Haut. „Medizinische Risiken von Menstrual Masking umfassen das Risiko bakterieller Infektionen oder Pilzinfektionen, das Risiko, dass sich Akne, Ekzeme oder Rosacea verschlechtern sowie das Risiko von Hautirritationen und Dermatitis“, erläutert Gordon. „Weiterhin besteht ein Risiko, dass das Mikrobiom und Krankheitserreger aus dem Genitalbereich, etwa sexuell übertragbare Krankheiten, auf die Gesichtshaut übertragen werden.“ Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Hauterkrankungen wie Akne oder Ekzemen, einer empfindlichen oder vorgeschädigten Haut, Hautirritationen oder einem geschwächten Immunsystem sein.
Auf die Frage, für wen eine Perioden-Gesichtsmaske denn nun günstige Effekte haben könnte, lautet die Antwort von Jennifer Gordon ganz klar: „Für niemanden.“ Stattdessen sollten Menschen mit Hauterkrankungen oder Hautproblemen und alle, die sich ein besseres Hautbild wünschen, auf wissenschaftlich geprüfte, sterile und dermatologisch getestete Produkte und Behandlungsmethoden zurückgreifen – und davon gebe es viele.
Das Wichtigste auf einen Blick
Bildquelle: Teslariu Mihai, Unsplash