Mit einer Letalität von fast 50 Prozent ist der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo inzwischen der größte je dokumentierte. Gegen die Virus-Variante gibt es keinen zugelassenen Impfstoff – also greift die WHO zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.
Als wir im Mai (hier) über den neuen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo berichteten, waren acht Fälle bestätigt. Knapp 4 Monate später hat sich die Situation dramatisch verändert: Bis zum 7. September wurden allein in der Demokratischen Republik Kongo 6.757 bestätigte Infektionen mit dem Bundibugyo-Ebolavirus registriert. 3.267 Erkrankte starben – die Case Fatality Rate liegt damit bei 48,3 Prozent. Insgesamt wurden einschließlich der Fälle in Uganda, Frankreich und Deutschland 6.778 Erkrankungen und 3.269 Todesfälle erfasst. Der Ausbruch ist damit inzwischen der größte jemals in der Demokratischen Republik Kongo dokumentierte Ebola-Ausbruch – unabhängig von der verursachenden Virusspezies.
Besonders betroffen ist weiterhin die Provinz Ituri. Dort wurden bislang 5.406 bestätigte Fälle registriert. 28 der 36 Gesundheitszonen der Provinz sind betroffen. Doch das Virus bleibt längst nicht auf Ituri begrenzt: Insgesamt wurden Fälle aus 61 Gesundheitszonen in sechs Provinzen gemeldet. Nach Ituri folgt Nord-Kivu mit inzwischen 1.066 bestätigten Infektionen. Dort liegt die Letalität mit 65,4 Prozent sogar deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Zuletzt erreichte der Ausbruch mit Kayna eine weitere Gesundheitszone in Nord-Kivu.
Die Zahlen zeigen zugleich, dass der Ausbruch mit den klassischen Maßnahmen allein nur schwer einzudämmen ist. Rund eine Million Binnenvertriebene leben allein in Ituri. Bewaffnete Konflikte und Unsicherheit erschweren den Zugang für medizinische Teams, während Bevölkerungsbewegungen neue Übertragungsketten begünstigen. In Minenregionen, informellen Siedlungen und Flüchtlingslagern kommen Überbelegung sowie eingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung hinzu. Gleichzeitig müssen inzwischen fast 25.000 Kontaktpersonen überwacht werden; zuletzt konnten davon innerhalb eines Tages rund 85 Prozent erreicht werden.
Bei früheren Ausbrüchen durch das Zaire-Ebolavirus war die Ringimpfung ein entscheidendes Instrument. Gegen Bundibugyo existiert jedoch kein zugelassener Impfstoff. Angesichts der anhaltenden Ausbreitung geht die WHO nun einen ungewöhnlichen Schritt: Ervebo®, der zugelassene Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus, wird auch beim aktuellen Bundibugyo-Ausbruch eingesetzt – ob er hier tatsächlich schützt, ist allerdings unbekannt.
Tierexperimentelle und immunologische Daten sprechen für eine mögliche Kreuzprotektion, für einen klinisch relevanten Schutz beim Menschen fehlen bislang ausreichende Daten. Die WHO empfiehlt Ervebo® deshalb ausdrücklich nur im Rahmen von Forschungsprotokollen – vorzugsweise einer randomisierten Ringimpfstudie oder einer strukturierten Beobachtungsstudie. Dennoch läuft die Impfung bereits: Von Beginn bis zum 6. September erhielten 2.007 Menschen in sechs Gesundheitszonen den Impfstoff.
Parallel versucht die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), eine internationale öffentlich-private Partnerschaft zur beschleunigten Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftretende Infektionskrankheiten, einen spezifischen Bundibugyo-Impfstoff möglichst schnell in die klinische Entwicklung zu bringen. Drei Kandidaten werden derzeit beschleunigt entwickelt: ein rVSV-basierter Impfstoff von IAVI, ein mRNA-Impfstoff von Moderna sowie ein ChAdOx1-Vektorimpfstoff der Universität Oxford.
Ob diese Impfstoffe noch rechtzeitig Einfluss auf den aktuellen Ausbruch nehmen können, bleibt offen. Die Entwicklung zeigt jedoch, wie schwierig es ist, eine großflächige Ebola-Epidemie unter den Bedingungen im Osten des Kongo allein mit Isolation, Kontaktverfolgung und Infektionskontrolle zu stoppen. Ein wirksamer Impfstoff könnte hier den entscheidenden Unterschied machen.
Bildquelle: National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Unsplash