UMFRAGE | Medizinstudium ohne Einser-Abi für zehn Jahre Knechtschaft auf dem Land. Der Deal der Landarztquote führt jetzt sogar manche vor Gericht. Wie schlimm ist der Pakt wirklich? Macht mit bei unserer Umfrage!
Die Allgemeinmedizin auf dem Land hat ein Nachwuchsproblem. Viele Praxen finden keine Nachfolge, und ein großer Teil der Hausärztinnen und Hausärzte steuert auf den Ruhestand zu. Die Politik hat darauf mit der Landarztquote reagiert.
Das Prinzip: Ein Teil der Medizinstudienplätze geht an Bewerber, die sich verpflichten, nach Studium und Weiterbildung rund zehn Jahre in einer unterversorgten Region hausärztlich zu arbeiten. Statt allein die Abiturnote zählen auch Auswahlgespräche, Tests und einschlägige Berufserfahrung.
Nordrhein-Westfalen machte 2019 den Anfang, inzwischen haben bundesweit rund 3.500 Studierende über die Landarztquote einen Studienplatz erhalten. Doch wer es sich später anders überlegt und doch lieber in die Großstadt zieht, muss tief in die Tasche greifen: Je nach Bundesland drohen Vertragsstrafen von bis zu 250.000 Euro. Das gilt etwa, wenn die ärztliche Tätigkeit nicht am zugewiesenen Ort aufgenommen oder die vorgeschriebene Fachrichtung verlassen wird. Wer das Studium abbricht, bleibt dagegen straffrei – zahlen muss nur, wer nach dem Examen aussteigt.
Mehr als 350 Studierende haben ihren Quotenplatz seit 2019 vorzeitig aufgegeben oder gar nicht erst angetreten. Bisher musste noch niemand die Summe zahlen. Doch inzwischen landet die Quote auch vor Gericht. Rheinland-Pfalz verklagt zwei Quoten-Studierende wegen eines geplanten Fachrichtungswechsels. In NRW droht einer Absolventin erstmals eine Strafe, weil sie eine Weiterbildung zur Kinderärztin begonnen hat, obwohl ihr diese Fachrichtung bei Vertragsschluss angeboten worden war. Umgekehrt ziehen auch Studierende vor Gericht: Ab Oktober befassen sich Gerichte mit 28 Klagen gegen die Wirksamkeit der Verträge.
Ob die Quote am Ende wirklich mehr Hausärzte aufs Land bringt, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Aber wie geht es denen, die den Deal unterschrieben haben? Wie gut wusstet ihr vorher, worauf ihr euch einlasst? Wie läuft das Studium mit dieser Perspektive im Gepäck? Und überwiegen beim Gedanken an die Landpraxis eher die Vorfreude oder die Zweifel?
Genau das wollen wir von euch wissen.
Bildquelle: Levi Meir Clancy, Unsplash