Ein einfacher Anstrich auf Wassertanks lässt gefräßige Mücken alt aussehen – und hält die Dengue-Überträger in Schach. Wie die Beschichtung vor dem Stich schützt und wie Deutschland profitiert.
In Cúcuta, im Nordosten Kolumbiens, gehören Wassertanks vor den Häusern zum Alltag – und sie sind ein idealer Ort für Aedes aegypti, um ihre Eier abzulegen. Genau diese Mücke überträgt das Dengue-Fieber, das in der Region regelmäßig für Ausbrüche sorgt.
Forscher der Medizinischen Fakultät Freiburg untersuchten deshalb, ob sich die Wassertanks selbst zur Waffe gegen die Mücke umfunktionieren lassen. Ihre Idee: ein insektizider Anstrich direkt an den Brutstätten der Mücke.
Für ihre cluster-randomisierte Studie verglichen die Forscher 20 Stadtgebiete in Cúcuta mit jeweils etwa 1.600 bis 2.000 Haushalten. In der Hälfte der Gebiete wurden die Wassertanks mit der Beschichtung versehen, in der anderen Hälfte blieb alles beim Alten. Ein Jahr später zogen die Autoren Bilanz.
Das Ergebnis: In den beschichteten Gebieten traten 337 Dengue-Fälle pro 100.000 Einwohner auf, in den Kontrollgebieten waren es 529 – ein Rückgang um 45 Prozent. Auch der Anteil der Häuser mit Larvenbefall sank in den behandelten Gebieten deutlich. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im The Lancet Infectious Diseases.
Der Trick der Beschichtung liegt in der Kombination zweier Wirkstoffe, wie Dr. Rocio Cardenas von der Abteilung Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II erläuterte: Ein Stoff tötet erwachsene Mücken direkt ab, ein zweiter verhindert über Mikrokapseln mit Langzeitwirkung die Entwicklung von Larven und Puppen im Wasser.
Diese Langzeitwirkung ist es auch, die die Beschichtung im Alltag praktikabel macht: Laut Cardenas bleibt sie über 12 Monate aktiv. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf etwa zwei US-Dollar pro Tank. Damit würde man „… mit einer vergleichsweise einfachen Maßnahme viele Menschen vor einer Dengue-Infektion schützen können“, fasst Prof. Dr. Axel Kroeger vom Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene der Uniklinik Freiburg den Nutzen der Beschichtung zusammen.
Hierzulande spielt Dengue-Fieber bislang vor allem als Reisekrankheit eine Rolle: Betroffen sind in erster Linie Rückkehrer aus Risikogebieten, eine Ansteckung innerhalb Deutschlands (autochthone Übertragung) ist bislang nicht bekannt.
Relevant werden könnte das Thema hierzulande dennoch: Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), ein weiterer möglicher Überträger des Dengue-Virus, breitet sich in Teilen Deutschlands zunehmend aus. Die in Kolumbien getestete Beschichtung richtet sich zwar gegen Aedes aegypti und damit gegen eine andere Mückenart – zeigt aber, wie lokale Vektorkontrolle grundsätzlich zur Eindämmung von Dengue beitragen könnte, sollte sich das Virus über die Tigermücke auch hierzulande stärker ausbreiten.
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