In Berlin häufen sich die Mpox-Fälle. Spannend daran: Das bisherige Verbreitungsmuster scheint nicht mehr zu passen. Können wir noch Schritt halten beim viralen Wettrüsten?
Mpox galten in Deutschland seit dem großen internationalen Ausbruch 2022 vor allem als Erkrankung bestimmter sexueller Netzwerke von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Frauen waren bislang nur sehr selten betroffen. Aktuelle Berliner Meldedaten zeigen ein verändertes Bild: 2026 wurden mehrere Mpox-Infektionen bei Frauen registriert – sämtlich verursacht durch Viren der Klade Ib. Dies könnte auf eine beginnende Ausweitung des bisherigen Transmissionsmusters hinweisen.
Mpox wurden beim Menschen erstmals 1970 bei einem Kind in der Demokratischen Republik Kongo beschrieben und waren über Jahrzehnte in Zentral- und Westafrika endemisch. Mit dem internationalen Ausbruch 2022 änderte sich die Epidemiologie. Verantwortlich war überwiegend die Klade IIb, die sich vor allem durch enge und insbesondere sexuelle Kontakte verbreitete. In Deutschland wurden seitdem mehrere Tausend Fälle gemeldet; der überwiegende Anteil betraf MSM mit häufig wechselnden Sexualpartnern. Frauen machten nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankten aus.
Seit 2023 gewinnt die Klade Ib epidemiologisch an Bedeutung. Sie wurde zunächst insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo beschrieben und breitete sich anschließend in weitere zentral- und ostafrikanische Länder aus. Im Unterschied zu früheren Ausbrüchen der Klade I spielen bei Klade Ib sexuelle Übertragungswege eine wesentliche Rolle. Betroffen sind sowohl Männer als auch Frauen. Inzwischen wurden Infektionen auch außerhalb Afrikas nachgewiesen. Auch in Deutschland ist ein Transmissionsgeschehen beschrieben, insbesondere in Berlin.
Vor diesem Hintergrund sind die Berliner Daten aus der 34. Meldewoche 2026 interessant. In der 33. und 34. Meldewoche wurde jeweils eine Mpox-Infektion bei einer Frau gemeldet. Zusätzlich berichtete ein männlicher Erkrankter über sexuelle Kontakte zu Frauen als mögliche Exposition. Als wahrscheinliche Infektionssituationen wurden unter anderem anonyme Sexualkontakte auf sexpositiven Partys oder in Clubs angegeben. Direkte epidemiologische Verbindungen zwischen den Fällen bestanden nicht. Bis zur 34. Meldewoche waren 2026 in Berlin insgesamt vier Mpox-Infektionen bei Frauen registriert worden – bei allen wurde Klade Ib nachgewiesen.
Entscheidend ist dabei weniger die absolute Zahl der betroffenen Frauen als das epidemiologische Signal: Die Transmission scheint sich nicht mehr ausschließlich auf die bislang dominierenden MSM-Netzwerke zu beschränken. Für die klinische Praxis bedeutet dies, Mpox bei typischen Haut- oder Schleimhautläsionen und passender Expositionsanamnese unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung differentialdiagnostisch zu berücksichtigen.
Auch für die Prävention ist diese Entwicklung relevant. Die STIKO empfiehlt die Impfung mit MVA-BN bei erhöhtem Expositionsrisiko. Im Fokus stehen unter anderem Männer sowie trans- und nicht-binäre Personen mit häufig wechselnden männlichen Sexualpartnern und Personen in der Sexarbeit. Grundsätzlich sollte jedoch das konkrete Expositionsrisiko entscheidend sein.
Die aktuellen Fälle zeigen, dass sich Personen außerhalb der bislang besonders adressierten Gruppen möglicherweise selbst nicht als gefährdet wahrnehmen. Präventionsbotschaften und Impfberatung sollten daher künftig noch stärker am tatsächlichen Sexual- und Expositionsverhalten ausgerichtet werden – und weniger an Geschlecht oder sexueller Identität.
Bildquelle: Jared Rice, Unsplash