Unzufriedenheit, Frust, Schikane: Ist der Praxisfrieden erst dahin, drohen sinkende Motivation – und im Extremfall sogar eine Druckkündigung. Ein Teamausflug allein rettet da wenig.
In vielen Praxen kommt es regelmäßig zu Konflikten. In einigen mehr, als man zugeben mag. Der Virchowbund nennt Stress, Frust, Überforderung und Missverständnisse als Hauptgründe für Auseinandersetzungen im Praxisalltag, und der Nährboden dafür ist groß. Eine Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und eine Auswertung zeigten, dass rund drei von vier Medizinischen Fachangestellten (MFA) unter Stress stehen, vor allem ausgelöst durch viele Patienten in der Praxis und Zeitdruck.
Und damit nicht genug. Eine Umfrage beweist das, was du dir vielleicht schon gedacht hast: Zwei von drei Mitarbeitern sind im Job ab und an auf der Suche nach Streit, um aufgestauten Frust abzulassen. Das erklärt auch, warum aus kleinen Reibereien im Praxisteam schnell handfeste Konflikte werden.
Es ist Montagmorgen: Das Wartezimmer ist voll, und zwei MFA reden nur noch das Nötigste miteinander. Die Situation hat sich zugespitzt, nachdem eine der beiden am Freitag einen Fehler bei der Terminvergabe der anderen zugeschrieben hatte – vor dem gesamten Team. Werden solche und andere Unstimmigkeiten nicht angesprochen, eskaliert es oft.
Die Gefahren für die Praxis: Die Arbeitsqualität, die Motivation und der Teamgeist sinken spürbar – irgendwann gilt das auch für die Patientenzufriedenheit. Schließlich lässt sich dicke Luft im Team nie ganz verstecken. Im schlimmsten Fall wird daraus ein handfestes Problem: Fordern mehrere Mitarbeiter die Kündigung eines Teammitglieds und drohen etwa mit Konsequenzen, kann eine sogenannte Druckkündigung zum Thema werden. Allerdings gelten dafür strenge Voraussetzungen: Der Arbeitgeber muss zunächst versuchen, den Konflikt auf andere Weise zu lösen und den Druck abzuwehren.
Der Reflex vieler Praxisinhaber auf einen Konflikt ist ein Teamausflug, um mal richtig Dampf abzulassen. Nett gemeint, bringt aber oft wenig. Wirksam sind vor allem Formate mit reflektierendem Charakter, etwa Workshops zur Erwartungsklärung oder feste Kommunikationsrituale. Reine Spaß-Events ohne diesen Transfer in den Arbeitsalltag können dagegen ihr Ziel verfehlen. Außerdem kommt der Stress ohnehin nicht nur von einer Seite. MFA können sich untereinander streiten, mit dir als Vorgesetzten gibt es vielleicht auch Konfliktmaterial. Zudem kann am Empfang zusätzlich der Frust von Patienten landen. Wer nur das Team im Blick hat, übersieht oft, wo der eigentliche Druck herkommt.
Was stattdessen wirkt:
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