Was noch vor Kurzem als ungeeignet galt, gehört jetzt zum Standardrepertoire: Die aktualisierte Aknetherapie hat einen neuen Wirkstoff im Gepäck – und wirft einige alte Gewissheiten über Bord.
Akne zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Für die Behandlung dieses Krankheitsbildes gibt die S2k-Leitlinie „Therapie der Akne“ den behandelnden Fachgruppen aus Dermatologie, Pädiatrie, Gynäkologie und Allgemeinmedizin seit Jahren Orientierung. Seit Anfang August liegt eine grundlegend überarbeitete Version 3.0 vor, die bis 2031 gültig ist. Federführend ist erneut die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), diesmal unter breiterer Beteiligung von DGGG, DGKJ, DGHM und BVDD. Koordiniert wurde die Aktualisierung von Prof. Alexander Nast und Dr. Antonia Pennitz. Mit der neuen Leitlinie kommen auch neue Therapiemöglichkeiten.
Neu ist zunächst die methodische Basis: Die deutsche Leitlinie wurde als Teil-Adaptation der europäischen EuroGuiDerm-Leitlinie erarbeitet, mit ausdrücklicher Genehmigung des Erstautors der Quellleitlinie. Inhaltlich bringt die Aktualisierung mehrere Kurswechsel und Ergänzungen mit sich.
Besonders bemerkenswert: Spironolacton wird nun erstmals als ergänzende Off-Label-Option für Frauen mit hormonell bedingter Akne empfohlen, etwa im Rahmen eines polyzystischen Ovarialsyndroms – die Vorgängerversion hatte den antiandrogen wirkenden Aldosteronantagonisten noch explizit nicht empfohlen. Die Therapie startet mit 50 Milligramm täglich und kann bei guter Verträglichkeit nach vier Wochen auf 100 Milligramm gesteigert werden, wirkt allerdings erst verzögert über mehrere Monate.
Auch bei den topischen Retinoiden gibt es Zuwachs: Trifaroten steht künftig als weitere Alternative zu Adapalen, Tretinoin und topischem Isotretinoin zur Verfügung, auch wenn direkte Vergleichsstudien mit den etablierten Wirkstoffen bislang fehlen. Bei der systemischen Antibiotikatherapie bleibt Doxycyclin Mittel der ersten Wahl. Die empfohlene Anwendungsdauer wurde außerdem konkretisiert: Sie soll in der Regel etwa drei Monate betragen und nur bei strenger Indikationsstellung darüber hinaus fortgeführt werden, um Resistenzentwicklungen einzudämmen.
Die Leitlinie wurde zudem um mehrere komplett neue Kapitel ergänzt. Bei der Acne tarda, die nach dem 25. Lebensjahr neu auftritt oder fortbesteht und vor allem Frauen betrifft, sollen bei hormonellen Hinweisen gezielt orale Kontrazeptiva mit antiandrogener Wirkung oder Spironolacton angeboten werden. Für die sehr seltene, schwer verlaufende Acne fulminans mit teils systemischen Symptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen gibt es erstmals ein eigenes Therapieschema.
Beim Thema Akne im Kindesalter – die Erkrankung kann bereits ab dem 8. bis 9. Lebensjahr beginnen – empfiehlt die Leitlinie, Kinder ab 8 Jahren grundsätzlich nach denselben Prinzipien wie Jugendliche und Erwachsene zu behandeln. Mit Ausnahme von Minocyclin, Tetracyclin sowie hormonellen Wirkstoffen wie Spironolacton: Kinder unter 8 Jahren sollen bei Bedarf einer Systemtherapie mit Erythromycin behandelt werden.
Neu ist außerdem ein Kapitel zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln: Die Einnahme von Zink wird nun empfohlen, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D können ergänzend erwogen werden. Dazu rät die Leitlinie zu einer mediterranen, niedrig-glykämischen Ernährung mit weniger Zucker und Weißmehlprodukten. Abgerundet wird die Aktualisierung durch neue Empfehlungen zu Anamnese und Patientenedukation, etwa zu konsequentem Lichtschutz, geeigneter Hautpflege und dem dringenden Rat, von eigenen Ausreinigungsversuchen wegen der Narbengefahr abzusehen.
Auch die Therapieziele wurden konkretisiert und messbar gemacht: Nach zwölf Wochen Induktionstherapie sollen die Läsionen um mindestens die Hälfte reduziert, der IGA-Wert um eine Stufe verbessert oder die Lebensqualität spürbar gesteigert sein. Als absolutes Ziel gilt Erscheinungsfreiheit oder zumindest eine fast vollständige Erscheinungsfreiheit, begleitet von einem DLQI beziehungsweise cDLQI von 0 bis 1, maximal 2 bis 5. Über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg bleibt zudem die Vermeidung von Narbenbildung ein zentrales Therapieziel.
Mit der überarbeiteten Leitlinie erhalten Behandler damit ein deutlich differenzierteres Instrumentarium, um Akne-Patienten je nach Schweregrad, Morphologie und individueller Situation gezielter zu therapieren.
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