Ein Arzt, viele Hasskommentare, eine Klinik in Erklärungsnot: Ein Rostocker Oberarzt bekommt zu spüren, wie schnell Social Media eine Karriere zerstört – und wie zäh eine Aufarbeitung sein kann.
Wie sollten Kliniken reagieren, wenn Angestellte mit menschenverachtenden Aussagen auffallen? Ein aktueller Fall aus Rostock liefert dazu ein besonders deutliches Beispiel: Ein Oberarzt habe rassistische Kommentare im Internet verfasst. Wie die Universitätsmedizin Rostock (UMR) auf Anfrage mitteilte, sei der Vorstand am Abend des 25. August 2026 von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt worden. Der betreffende Mitarbeiter, Dr. med. Ronald Siems, Oberarzt und Transplantationsbeauftragter der UMR, sei daraufhin unverzüglich mit den Aussagen konfrontiert worden. Der Verdacht habe sich bestätigt.
In den Kommentarspalten sozialer Netzwerke soll Siems zuvor wiederholt rassistische und menschenverachtende Äußerungen getätigt haben. Das ging aus einem Beitrag des auf die Aufdeckung rechter Hetze im Netz spezialisierten Accounts „Hooligans gegen Satzbau” hervor. Die Kommentare sollen sich nach Angaben des Accounts über mehrere Wochen erstreckt haben. Die Konsequenzen folgten nach UMR-Angaben umgehend: Siems sei im Anschluss an das Gespräch unverzüglich freigestellt worden. Weitere arbeitsrechtliche Maßnahmen würden derzeit ergriffen, zudem sei bereits Strafanzeige gestellt worden. Über die getroffenen Maßnahmen habe die UMR unter anderem Teile der Landesregierung, die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, die Universität Rostock und die Deutsche Stiftung Organtransplantation informiert.
Die bereits am 25. August veröffentlichte Stellungnahme der UMR gelte nach Angaben der Klinik „grundsätzlich und unabhängig vom konkret vorliegenden Sachverhalt“. Aussagen, die Gewalt gegen Menschen billigten, nahelegten oder androhten, seien nicht akzeptabel und widersprächen fundamental den Werten des Hauses: Menschlichkeit, Respekt, Verantwortung und der Schutz des Lebens.
Zur Frage, ob und wie sich Siems selbst zu den Vorwürfen positioniert, äußerte sich die UMR nicht näher. Eine abschließende Aufarbeitung des Falls stehe noch aus – dies sei, so die Klinik, „ein umfangreicher Prozess, der noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird“. Auch der Ausgang der eingeleiteten arbeits- und strafrechtlichen Schritte sowie eine mögliche Positionierung der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern stehen noch aus.
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