Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zählt zu den häufigsten neurobiologischen Entwicklungsstörungen, beginnend im Kindes- und Jugendalter und teilweise persistierend bis ins Erwachsenenalter. Neben der starken genetischen Komponente rücken modifizierbare frühkindliche Umweltfaktoren zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Eine prospektive Kohortenstudie aus Norwegen liefert nun robuste Evidenz dafür, dass die Dauer des ausschließlichen Stillens invers mit der Ausprägung von ADHS-Symptomen in der Kindheit assoziiert ist.
In der groß angelegten Untersuchung von Solberg et al. (Biological Psychiatry, 2026) wurden Daten von 37.643 Kindern (49,1 % Mädchen) und 18.349 Mutter-Vater-Kind-Trios aus der prospektiven norwegischen Geburtskohorte (Norwegian Mother, Father and Child Cohort Study, MoBa) analysiert.
Die Studienautorinnen und -autoren untersuchten den Einfluss der monatlichen Dauer des vollen Stillens (erfasst im Alter von 6 Monaten) auf elternberichtete ADHS-Symptomscores im Alter von 3, 5 und 8 Jahren:
Die Autoren der MoBa-Studie betonen, dass Muttermilch neben Nährstoffen eine Vielzahl bioaktiver Faktoren liefert, die für die neuronale Reifung essenziell sind [1]. Ein wesentlicher Vermittler dieser neuroprotektiven Effekte ist die Reifung des frühkindlichen Darmmikrobioms entlang der Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse [2-5]:
Obwohl die Studie durch ihr prospektives Design, die große Fallzahl und die Berücksichtigung polygener Risikoscores methodisch hervorsticht, sind bei der klinischen Interpretation folgende Aspekte zu beachten:
Für Allgemeinmediziner, Pädiater und Gynäkologen unterstreichen diese Erkenntnisse den Stellenwert der frühkindlichen Ernährungsberatung: