Schizophren, bipolar oder schwer depressiv – und wahrscheinlich Schnarcher. Psychisch Erkrankte leiden überdurchschnittlich häufig an OSA, die unerkannt bleibt. Ab ins Bett mit dem Patienten!
Für Eilige gibt's am Ende eine kurze Zusammenfassung.
Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (severe mental illness, SMI) wie Schizophrenie, bipolarer Störung oder schwerer Depression sind nicht nur durch ihre psychischen Symptome stark beeinträchtigt. Sie haben auch ein erhöhtes Risiko für körperliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen und eine geringere Lebenserwartung als die Bevölkerung insgesamt. Das kann auch daran liegen, dass körperliche Erkrankungen bei den Betroffenen seltener diagnostiziert und daher nicht angemessen behandelt werden.
So leiden Patienten mit SMI nicht selten an einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Sie kann weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen und Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Allerdings wird eine OSA bei den betroffenen Patienten häufig nicht erkannt und nicht diagnostisch erfasst. Das liegt zum Teil daran, dass Betroffene häufig nicht in der Lage sind, sich angemessen um ihre Gesundheit zu kümmern. Beispielsweise fällt es schwer, bei gesundheitlichen Problemen zum Arzt zu gehen, sodass Probleme wie eine obstruktive Schlafapnoe spät oder nicht erkannt werden.
Eine obstruktive Schlafapnoe betrifft viele Menschen: Studien zufolge 9–38 % der Bevölkerung. Bei der Erkrankung sind die oberen Atemwege im Schlaf immer wieder verengt oder vollständig blockiert, sodass es zu einer flachen Atmung (Hypopnoe) oder zu kurzen Atemaussetzern (Apnoen) kommt. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut und die Betroffenen wachen immer wieder kurzzeitig auf. Die Folgen sind Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag sowie kognitive Beeinträchtigungen wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme. Allerdings wird eine OSA häufig nicht diagnostiziert. Das liegt zum Teil daran, dass für eine zuverlässige Diagnostik eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig ist. Diese ist relativ aufwändig, teuer und nicht überall verfügbar.
Bisherige Metaanalysen haben gezeigt, dass die Häufigkeit einer OSA bei Patienten mit Schizophrenie, bipolarer Störung und schwerer Depression im Vergleich zur Gesamtbevölkerung erhöht ist. So wurde in einer Metaanalyse bei schweren psychischen Erkrankungen insgesamt eine OSA-Häufigkeit von 25,7 % und bei Patienten mit schwerer Depression eine Häufigkeit von 36,3 % gefunden. Dabei war ein erhöhter Body Mass Index (BMI) ein zusätzlicher Risikofaktor für eine OSA. Allerdings waren die einbezogenen Studien heterogen, hatten zum Teil keine Kontrollgruppe und kamen zu uneinheitlichen Ergebnissen.
Jetzt hat eine aktuelle systematische Review und Metaanalyse in einer umfassenden Auswertung der Literatur untersucht, wie häufig eine obstruktive Schlafapnoe bei Patienten mit Schizophrenie, bipolarer Störung und schwerer Depression ist. Die Forschenden aus Spanien und Italien bezogen in ihre Analyse Studien aus Literatur-Datenbanken bis zum Zeitpunkt Januar 2026 ein, die bei diesen Patienten entweder die Diagnose OSA oder ein hohes Risiko für eine OSA untersucht hatten. Insgesamt gingen 47 Artikel mit 10.494 Patienten in die Metaanalyse ein. Die Studie ist jetzt in der Fachzeitschrift Acta Psychiatrica Scandinavica erschienen.
Die Auswertung der Wissenschaftler um Letztautorin Giovanna Fico von der Bipolar and Depressive Disorders Unit der spanischen Hospital Clinic de Barcelona ergab Folgendes: Die Häufigkeit einer OSA in der Gesamtgruppe der Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen lag bei 41,2 %. Bei Patienten mit Schizophrenie betrug sie 38,3 %, bei schwerer Depression 38,2 % und bei bipolarer Störung 35,6 %. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen ohne psychiatrische Diagnose hatten Patienten mit SMI ein signifikant höheres Risiko für eine OSA-Diagnose. Weiterhin hatten 46,7 % der Patienten mit SMI ein hohes Risiko für eine obstruktive Schlafapnoe. Bei Patienten mit bipolarer Störung wurde im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen außerdem eine signifikant erhöhte Tagesschläfrigkeit beobachtet.
„Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen häufiger von einer OSA betroffen sind und ein höheres Risiko für eine OSA haben als die Gesamtbevölkerung“, schreiben die Autoren. Mögliche Gründe dafür könnten sein, dass die Patienten wegen ihrer Symptome häufig ein weniger gesundes Leben führen, sich etwa ungesund ernähren und wenig bewegen, rauchen, Alkohol trinken und häufig Übergewicht haben. All das sind Risikofaktoren für eine obstruktive Schlafapnoe. Außerdem können Nebenwirkungen der von den Patienten eingenommenen Psychopharmaka, wie Gewichtszunahme, Sedierung oder ein metabolisches Syndrom, das Risiko für eine OSA erhöhen.
Das bedeutet, dass sie – zusätzlich zu ihrer psychischen Erkrankung – ein erhöhtes Risiko für kognitive, psychische und körperliche Beeinträchtigungen und Erkrankungen durch eine obstruktive Schlafapnoe haben.
Dazu gehören:
Was körperliche Aspekte betrifft, besteht durch eine OSA ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle sowie für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Auch das Risiko für Unfälle ist erhöht. Darüber hinaus kann eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe zu einer Verschlechterung der psychischen Symptome beitragen. So erhöht sie etwa das Risiko für depressive Symptome und Suizidalität.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es wichtig ist, eine obstruktive Schlafapnoe bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolarer Störung und schwerer Depression systematisch diagnostisch zu erfassen, um zeitnah eine geeignete Behandlung einleiten zu können“, betont Constanza Sommerhoff, Erstautorin der Studie. „Ärzte sollten Symptome wie Müdigkeit oder Schläfrigkeit am Tag, Konzentrationsprobleme, Stimmungsveränderungen oder Reizbarkeit nicht vorschnell auf die psychische Erkrankung oder die Medikation zurückführen, sondern auch die Möglichkeit, dass eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt, in Betracht ziehen und mit Screeninginstrumenten überprüfen.“ So kann die Wahrscheinlichkeit einer OSA zum Beispiel mit der Epworth Sleepiness Scale (ESS) eingeschätzt werden.
Allerdings habe die aktuelle Studie einige Einschränkungen, die die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigt haben könnten, so die Forscher. Unter anderem wurden in den Studien sehr unterschiedliche Gruppen untersucht. Teilweise lagen auch unzureichende Daten zu Störvariablen wie komorbiden Erkrankungen oder verschriebenen Medikamenten vor, die die Ergebnisse beeinflusst haben können. Zudem wurden einige der Studien im Kontext klinischer Untersuchungen zum Schlaf durchgeführt. Das könnte zu einer Überschätzung der Häufigkeit einer obstruktiven Schlafapnoe geführt haben.
Dennoch sollten Ärzte bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen im Rahmen der Behandlung an die Diagnostik und Therapie einer OSA denken. „Denn eine angemessene Therapie einer obstruktiven Schlafapnoe kann die Schlafqualität verbessern, die Tagesmüdigkeit reduzieren, die Konzentrationsfähigkeit und Stimmung verbessern und die Lebensqualität insgesamt erhöhen“, sagt Sommerhoff. „Zudem deuten Studien darauf hin, dass eine adäquate OSA-Behandlung auch psychotische Symptome und Negativsymptome bei einer Schizophrenie verbessern kann.“
Das Wichtigste auf einen Blick
Bildquelle: KI Bild erstellt mit Nano Banana 2