Tumor entfernt und Chemotherapie beendet, jetzt beginnt die Nachsorge. Warum ihr Darmkrebspatienten zu Bewegung raten solltet – und so ihr Rückfallrisiko beeinflusst.
Die letzte Chemotherapie-Infusion ist gelaufen, der Tumor entfernt, die Befunde unauffällig. Für viele Patienten nach einer Darmkrebs-Chemotherapie beginnt jetzt eine Phase des Abwartens: Kontrolltermine, die Sorge vor einem Rückfall – und die Frage, was sie selbst noch tun können. Eine Antwort darauf gewinnt zunehmend an Gewicht: Bewegung.
Die aktualisierte S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ empfiehlt Patienten nach Primärtherapie und adjuvanter Chemotherapie künftig angeleitete körperliche Aktivität – basierend auf neuen Studiendaten, die einen Effekt auf krankheitsfreies Überleben und Gesamtüberleben zeigen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wertet das als weiteren Baustein einer modernen, evidenzbasierten Nachsorge. „Angeleitete körperliche Aktivität kann das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessern“, sagt Dr. Christian Pox, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen und Mitautor der Leitlinie.
Dass Bewegung nach einem kolorektalen Karzinom mit besseren Verläufen einhergeht, legten Beobachtungsstudien schon länger nahe. „Neu ist die Qualität der Evidenz: Eine große randomisierte Studie hat nun den Nutzen eines strukturierten Bewegungsprogramms nach abgeschlossener Chemotherapie deutlich besser belegt als bisherige Beobachtungsdaten“, so Pox.
Grundlage der neuen Empfehlung ist die CHALLENGE-Studie, veröffentlicht im New England Journal of Medicine. Untersucht wurde eine klar umrissene Gruppe: Menschen, bei denen der Tumor bereits operativ entfernt und die Chemotherapie abgeschlossen war, die aber dennoch ein erhöhtes Rückfallrisiko trugen. Ein Teil erhielt lediglich schriftliches Informationsmaterial zu Lebensstil und Bewegung, der andere zusätzlich ein persönlich begleitetes Trainingsprogramm über drei Jahre. Im Fokus stand dabei kein sportlicher Ehrgeiz, sondern eine machbare Alltagsbewegung – zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Joggen im Wechsel.
Der Unterschied zeigte sich über Jahre hinweg: Fünf Jahre nach Studienbeginn lebten 80 Prozent der trainierenden Teilnehmer ohne erneuten Krebsnachweis, in der Vergleichsgruppe waren es 74 Prozent. Auch mit Blick auf das reine Überleben lag die Bewegungsgruppe acht Jahre später vorn.
Wie viel Bewegung im Einzelfall sinnvoll ist, sollten Betroffene mit ihrem Behandlungsteam besprechen. „Wichtig ist, Ausgangsfitness, Begleiterkrankungen und Therapiefolge mitzudenken“, sagt Prof. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Universitätsmedizin Mannheim und Mitautor der Leitlinie.
Die Ziele sollten realistisch und langfristig umsetzbar sein. Fachliche Begleitung, etwa durch Physiotherapie, Rehabilitationssport oder qualifizierte Bewegungsangebote für Menschen mit Krebs, kann dabei helfen. Eine qualifizierte Beratung sei vor allem deshalb ratsam, so Ebert, weil in der CHALLENGE-Studie in der Bewegungsgruppe etwas häufiger Beschwerden oder Verletzungen an Muskeln, Gelenken und Knochen auftraten.
„Nach einer Darmkrebstherapie muss niemand sportliche Höchstleistungen erbringen“, sagt Prof. Birgit Terjung, DGVS-Mediensprecherin und Chefärztin der Abteilung Innere Medizin/Gastroenterologie an den GFO Kliniken Bonn. Ärzte sollten Patienten nach Abschluss der Akuttherapie aber gezielt auf die positiven Effekte körperlicher Aktivität hinweisen: „Versorgung nach Darmkrebs bedeutet nicht nur, Rückfälle zu erkennen. Wir müssen Darmkrebs-Betroffene auch dabei unterstützen, wieder aktiv zu werden und selbstwirksame Schritte für ihre Gesundheit zu machen.“
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