Ein Hauttumor kann klein aussehen und trotzdem tief wachsen. Hier lohnt es sich, den Schallkopf aufzusetzen. Wie die Informationen über Tumordicke und Gewebestrukturen die OP-Planung beeinflussen.
Das Gesicht ist der Körperteil, der der Sonne meist am häufigsten und am wenigsten geschützt ausgesetzt ist. Diese jahrelange Belastung kann Hautkrebs begünstigen. Besonders an Nase und Ohr liegen Haut, Unterhaut, Knorpel und Knochen eng beieinander – wächst ein Tumor hier infiltrativ, erschwert das sowohl die Operation als auch die anschließende Rekonstruktion. In solchen Fällen kann hochfrequenter Ultraschall wertvolle Zusatzinformationen liefern: Die Methode bildet Haut und oberflächennahe Gewebeschichten ab und ergänzt so die klinische Untersuchung. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) sieht darin bei bestimmten Hauttumoren eine Möglichkeit, die präoperative Beurteilung der Tumorausdehnung zu verbessern.
Der herkömmliche Ultraschall ist vor allem aus der Untersuchung innerer Organe bekannt. Für dermatologische Fragestellungen kommen dagegen hochfrequente Schallköpfe zum Einsatz. Die höhere Frequenz ermöglicht eine bessere räumliche Auflösung, reduziert aber gleichzeitig die Eindringtiefe. Vorteilhaft ist, dass sich die verschiedenen Hautschichten differenziert darstellen lassen. Bei Hauttumoren kann der Untersucher die Tumordicke abschätzen und die Beziehung zu tiefer gelegenen Strukturen beurteilen.
Eine wesentliche Frage bei Hautkrebs ist die Frage nach der Tiefe des Tumors. Bei bestimmten oberflächlichen Basalzellkarzinomen (BZK) stehen neben der Operation auch lokale Verfahren zur Verfügung. Die S2k-Leitlinie zum BZK aus 2024 unterscheidet unter anderem zwischen Tumoren mit niedrigem und hohem Rezidivrisiko. Die chirurgische Entfernung bleibt in den meisten Fällen die Therapie der ersten Wahl. Für ausgewählte Konstellationen können abhängig von Lokalisation, Histologie und individuellen Faktoren auch andere Verfahren infrage kommen.
Ein Ultraschall kann bei dieser Entscheidung zusätzliche anatomische Informationen liefern. Zeigt die Untersuchung beispielsweise eine größere Tiefenausdehnung als erwartet, kann das schon vor dem Eingriff in die Operationsplanung einfließen.
Eine 2024 publizierte Studie untersuchte den präoperativen hochfrequenten Ultraschall bei nichtmelanozytärem Hautkrebs an Nase und Ohr. Die Autoren bewerteten die Methode als hilfreiches Instrument für das Management dieser Tumoren. Gerade an anatomisch anspruchsvollen Lokalisationen kann es für die Planung relevant sein zu wissen, wie tief sich der Tumor ausdehnt. Für die Behandlung ist auch die Frage relevant, ob ein Tumor bereits angrenzende Strukturen erreicht. An der Ohrmuschel kann das beispielsweise den Knorpel betreffen. Für die Beurteilung einer möglichen Knorpelinfiltration gibt es ebenfalls erste klinische Daten. Eine 2024 publizierte Arbeit beschreibt beispielsweise hochfrequenten Ultraschall bei aurikulären Hauttumoren als Möglichkeit, eine potenzielle Beteiligung des Knorpels zu erkennen und die Therapieplanung zu unterstützen. Abhängig von Tumorart, Ausdehnung und Allgemeinsituation kommen dann neben der Operation auch Strahlentherapie oder systemische Behandlungen infrage. Der Ultraschall liefert hierbei jedoch keine alleinige Therapieentscheidung. Die Befunde müssen mit der klinischen Untersuchung, der Histopathologie und gegebenenfalls weiteren bildgebenden Verfahren zusammengeführt werden.
Hochfrequenter Ultraschall lässt sich auch während einer Operation bei nichtmelanozytärem Hautkrebs im Kopf- und Gesichtsbereich einsetzen. In eine retrospektive Untersuchung hierzu aus 2025 gingen 136 Tumoren von 111 Patienten ein. Ziel war es, sonografisch Tumorränder während des Eingriffs beurteilen zu können. Bei 10 von 60 Tumoren (16,6 %) zeigte der Ultraschall eine Beteiligung tiefer Strukturen beziehungsweise eine lokoregionäre Erkrankung. Die Befunde wurden anschließend mit CT oder MRT bestätigt. In diesen Fällen änderte sich die Therapieplanung. Statt einer potenziell ausgedehnten Operation kamen je nach Befund Strahlen- oder systemische Therapien zum Einsatz. Bei fünf Basalzellkarzinomen mit vermuteter ausgedehnter Knorpelinfiltration konnte dadurch eine möglicherweise mutilierende Operation vermieden werden. Bei zwei Plattenepithelkarzinomen erkannte der Ultraschall eine lokale Knorpelinfiltration und die betroffenen Knorpelbereiche konnten gezielt in die Operation einbezogen werden.
Ultraschall soll dabei keineswegs die Histologie ersetzen. Er soll in erster Linie helfen, die Operation präziser zu planen und bei sehr tief reichenden Tumoren frühzeitig eine geeignete Behandlung einzuleiten. Gerade an Nase und Ohr ist das relevant, weil dort nur wenig subkutanes Gewebe vorhanden ist und ausgedehnte Resektionen funktionelle und kosmetische Folgen haben können. Die vorliegenden Ergebnisse sind wegen des Studiendesigns und der kleinen Fallzahl allerdings noch nicht ohne Weiteres auf alle Patienten übertragbar. Zudem ist zu beachten, dass die Aussagekraft von hochfrequentem Ultraschall stark von der technischen Ausstattung und der Erfahrung des Untersuchers abhängt. Weitere prospektive Studien müssen zeigen, welchen zusätzlichen Nutzen die Sonografie für Therapieentscheidungen, Resektionsränder und letztlich die Versorgung von Patienten mit Hautkrebs tatsächlich bringt. Vorteilhaft ist in jedem Fall, dass die Methode schmerzfrei ist und ohne ionisierende Strahlung auskommt.
Bildquelle: Erstellt mit Nano Banana 2