Längeres Leben für Krebsleidende? Daraxonrasib zeigt beeindruckende Ergebnisse bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Haken: Das Medikament ist noch nicht zugelassen. Was der Wirkstoff kann – und wer jetzt Druck macht.
Beim metastasierten Pankreaskarzinom, das nach einer ersten Chemotherapie erneut fortschreitet, sieht die Versorgungslage seit Jahren ähnlich aus: keine etablierte Standardtherapie, mediane Überlebenszeiten von rund sechs Monaten. Während sich die Prognose bei früh diagnostizierten Tumoren zuletzt leicht verbessert hat, blieb die Behandlung fortgeschrittener Verläufe eine der größten offenen Baustellen der Onkologie.
Zu den zentralen Treibern des Adenokarzinoms des Pankreas gehören Mutationen in den RAS-Genen, die bei mehr als 90 Prozent der Patienten nachweisbar sind – am häufigsten betrifft es Kodon 12 des KRAS-Gens. Genau hier setzt ein oraler Wirkstoff an, dessen Mechanismus als neue Therapieform diskutiert wird: Daraxonrasib. Der Wirkstoff hemmt aktiviertes RAS unabhängig davon, ob eine Mutation vorliegt oder der Wildtyp vorherrscht.
Grundlage der aktuellen Diskussion ist die internationale, randomisierte Phase-III-Studie RASolute 302, deren Ergebnisse beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Eingeschlossen wurden 500 Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas, die zuvor mindestens eine Fluoropyrimidin- oder Gemcitabin-haltige Chemotherapie erhalten hatten. Das mediane Alter lag bei 65 Jahren, 52 Prozent der Patienten hatten einen ECOG-Status von 0, 48 Prozent einen Status von 1. Im Verhältnis 1:1 wurden die Teilnehmer entweder auf Daraxonrasib oder auf eine Chemotherapie nach Wahl des Studienarztes randomisiert – am häufigsten kamen Gemcitabin/nab-Paclitaxel oder liposomales Irinotecan in Kombination mit 5-FU und Folinsäure zum Einsatz.
Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Die Ansprechrate lag unter Daraxonrasib bei 31,6 Prozent gegenüber 11,2 Prozent unter Chemotherapie (p < 0,0001). Auch die beiden primären Endpunkte fielen klar zugunsten des neuen Wirkstoffs aus: Das progressionsfreie Überleben verlängerte sich von 3,6 auf 7,2 Monate (Hazard Ratio 0,49; p < 0,0001), das Gesamtüberleben von 6,7 auf 13,2 Monate (Hazard Ratio 0,40; p < 0,0001) – nahezu eine Verdopplung.
Schwere unerwünschte Ereignisse ab Grad 3 traten unter Daraxonrasib bei 61,8 Prozent der Patienten auf, unter Chemotherapie bei 69,9 Prozent. Die häufigsten Nebenwirkungen aller Schweregrade unter Daraxonrasib waren Exanthem, Diarrhö, Stomatitis, Übelkeit, Erbrechen, Fatigue, Anämie, Appetitlosigkeit und Paronychie – Beschwerden, die zwar häufig, aber überwiegend gut beherrschbar sind.
Trotz dieser Datenlage ist Daraxonrasib bislang in keinem Land der Welt zugelassen. Der Hersteller plant nach eigenen Angaben eine rasche Einreichung der Zulassungsunterlagen bei der US-amerikanischen FDA und der europäischen EMA. In den USA existiert bereits ein Early-Access-Programm, das nicht auf US-Bürger beschränkt ist – die Aufnahme ist jedoch nur über ausgewählte US-Zentren möglich. Ein Compassionate-Use-Programm für Deutschland ist derzeit nicht vorgesehen.
Vor diesem Hintergrund fordern die DGHO, die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) und die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass Daraxonrasib Patienten in Deutschland rasch zugänglich gemacht wird. Nach Einschätzung der Fachgesellschaften könnte der Wirkstoff künftig einen neuen Standard für Patienten darstellen, bei denen eine erste Chemotherapie nicht mehr wirkt.
Bildquelle: Paula Cárdenas, Unsplash