Viele scheuen die Darmspiegelung – aus Angst, Scham oder Bequemlichkeit. Ein neuer Bluttest aus den USA soll jetzt den Zugang zum Darmkrebs-Screening erleichtern. Müssen Patienten bald keinen Schiss mehr haben?
Vorbereitung, Unbehagen, Scham oder schlicht die Angst vor dem Ergebnis: Viele Menschen schieben die Darmkrebsvorsorge vor sich her, obwohl Darmkrebs zu den am besten vermeidbaren und behandelbaren Krebserkrankungen zählt, wenn er frühzeitig durch regelmäßiges Screening erkannt wird. Weltweit ist Darmkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache, bei Menschen unter 50 Jahren gilt das früh auftretende Kolorektalkarzinom sogar als häufigste krebsbedingte Todesursache. Dennoch nehmen laut Schätzungen rund 60 Millionen Menschen in den USA, die eigentlich für ein Screening infrage kämen, dieses Angebot nicht wahr.
Die Koloskopie gilt seit Langem als Goldstandard der Darmkrebsvorsorge, auch stuhlbasierte Tests haben sich zunehmend etabliert, da sie sich bequem zuhause durchführen lassen. Aktuelle Leitlinien empfehlen Menschen mit durchschnittlichem Risiko ab 45 Jahren ein regelmäßiges Screening. Dennoch bleiben viele berechtigte Personen der Vorsorge fern. Um auch Menschen zu erreichen, für die kein bestehendes Verfahren infrage kommt, wurden blutbasierte Screening-Tests entwickelt. Nachdem die FDA 2024 bereits den Shield-Bluttest zugelassen hatte, erteilte die Behörde im Juli 2026 auch dem SimpleScreen-Test von Freenome die Zulassung.
Grundlage der Zulassung ist die PREEMPT-CRC-Studie, veröffentlicht im Fachjournal JAMA, an der mehr als 48.000 Teilnehmende mitwirkten. Der SimpleScreen-Bluttest identifizierte darin korrekt rund 8 von 10 Kolorektalkarzinomen und lieferte bei etwa 9 von 10 Menschen ohne Kolorektalkarzinom oder fortgeschrittene präkanzeröse Läsionen ein negatives Ergebnis.
Paul Limburg, Chief Screening Medical Officer bei Abbott Cancer Diagnostics, erläuterte gegenüber Medical News Today die Funktionsweise des Tests: „SimpleScreen CRC ist ein blutbasierter Screening-Test, der Signale erkennt, die mit Kolorektalkarzinomen assoziiert sind.“ Nach einer einfachen Blutentnahme wird die Probe im Labor auf spezifische DNA-Veränderungen untersucht, die auf Krebs oder Krebsvorstufen hinweisen können. Konkret erfasst der Test Muster der Cytosin-Phosphat-Guanin-Methylierung (CpG-Methylierung), die häufig bereits früh in der Krebsentwicklung auftreten und sich daher als Biomarker eignen.
Laut Limburg liegen die Ergebnisse in der Regel nach etwa 2 Wochen vor und werden mit dem verordnenden Arzt geteilt, der die Befunde bespricht und über das weitere Vorgehen entscheidet. „Um den Screening-Prozess abzuschließen, ist bei einem positiven Ergebnis eine Nachsorge-Koloskopie erforderlich“, erklärte Limburg.
Fachgesellschaften wie die American Gastroenterological Association (AGA) und die American Society for Gastrointestinal Endoscopy (ASGE) sehen im Bluttest eine Möglichkeit, die Teilnahme am Screening zu erhöhen, insbesondere bei Menschen, die andere Verfahren ablehnen. Beide Fachgesellschaften halten jedoch fest, dass Bluttests zwar besser sind als kein Screening, aber weniger wirksam als etablierte Verfahren und daher in erster Linie für Personen vorgesehen sein sollten, die eine empfohlene Vorsorge mittels Koloskopie oder Stuhltest ansonsten nicht wahrnehmen würden. Auch die aktuelle Leitlinie der American Cancer Society benennt stuhlbasierte Tests und die Koloskopie als bevorzugte Screening-Optionen, während blutbasierte Tests für Personen empfohlen werden, die ein bevorzugtes Verfahren ablehnen oder nicht abschließen.
„Keine einzelne Screening-Option wird jeden Patienten erreichen, weshalb es wichtig ist, mehrere evidenzbasierte Screening-Optionen anzubieten“, betonte Limburg. „Letztlich sollten Screening-Entscheidungen gemeinsam von Patienten und ihren behandelnden Ärzten getroffen werden, basierend auf den individuellen Umständen und Präferenzen jedes Einzelnen.“ Mit der Ergänzung durch den SimpleScreen-CRC-Test hätten Ärzte laut Limburg eine weitere Option für Patienten, die einen leitliniengemäß bevorzugten Screening-Test ablehnen oder nicht abschließen – das schaffe mehr Gelegenheiten, Menschen zu erreichen, die sonst möglicherweise nicht gescreent würden.
Studien deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Teilnehmer bereit ist, einen blutbasierten Screening-Test durchzuführen, insbesondere wenn dieser kostenlos ist oder von der Krankenversicherung übernommen wird. Eine Real-World-Studie legt zudem nahe, dass die Adhärenz bei blutbasierten Screening-Verfahren bis zu 95 % erreichen könnte.
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