Synonyme: MAGIC-Falldefinition, MAGIC-Kriterien der Gefäßprotheseninfektion Englisch: MAGIC criteria
Die MAGIC-Kriterien sind eine konsensbasierte Falldefinition zur Diagnose der Aortenprotheseninfektion (aortic graft infection, AGI). Sie wurden 2016 von der Management of Aortic Graft Infection Collaboration (MAGIC) publiziert und werden in der Praxis auch auf Gefäßprothesen- und Endograftinfektionen (VGEI) anderer Lokalisation angewendet. Die europäische Gefäßchirurgie-Leitlinie (ESVS 2020) empfiehlt sie als Referenzstandard.
Vor MAGIC existierte keine allgemein akzeptierte Definition der AGI. Diagnostik und Therapie variierten zwischen Zentren erheblich, und Studien waren mangels einheitlicher Falldefinition kaum vergleichbar. Ein interdisziplinäres Expertengremium aus Gefäßchirurgie, Infektiologie/Mikrobiologie und Radiologie entwickelte daher im Konsensverfahren einen Kriterienkatalog aus drei Kategorien, dessen Einzelkriterien jeweils als Major oder Minoreingestuft sind.
Major
Minor
Entscheidend ist damit nicht nur die Zahl, sondern die Verteilung der Kriterien über die Kategorien: Mehrere Befunde aus derselben Kategorie erfüllen die Diagnosebedingung nicht. Ein häufiger Fehler ist, die Verdachtsschwelle („1 Major oder 2 Minor") bereits als Diagnose zu werten.
Beispiele
Die AGI ist eine seltene, aber mit hoher Letalität behaftete Komplikation nach offener oder endovaskulärer Aortenrekonstruktion. Da weder ein Einzelbefund noch ein einzelnes Bildgebungsverfahren ausreichend sensitiv und spezifisch ist, liefern die MAGIC-Kriterien eine strukturierte, interdisziplinär anschlussfähige Entscheidungsgrundlage – etwa für die Indikation zur Explantation, zur In-situ-Rekonstruktion oder zur Dauer der antiinfektiven Therapie. Sie dienen zudem als Referenzstandard in Studien, u.a. zur Wertigkeit des FDG-PET/CT.
Die Abkürzung MAGIC steht in der Medizin auch für das Mount Sinai Acute GVHD International Consortium(Stadien- und Schweregradeinteilung der akuten Graft-versus-Host-Disease) sowie für das MAGIC-Syndrom (Mouth And Genital ulcers with Inflamed Cartilage). Die hier beschriebenen Kriterien haben damit inhaltlich nichts zu tun.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Anwendung der Kriterien erfolgt im Kontext der jeweiligen zentrumsinternen Standards.