Venöse Beinulzera (VLU) und diabetische Fußulzera (DFU) sind Paradebeispiele für das, was passiert, wenn Wundheilung in eine Art Betriebsstörung gerät. Proteasereiches Exsudat sabotiert die Extrazellulärmatrix, proinflammatorische Mediatoren halten das Milieu im Dauerstress, Wachstumsfaktoren sind praktisch abwesend, kurzum: biologisches Chaos im Wundbett.
Die lokale Wundversorgung muss in diesem Kontext mehr leisten als bloß abdecken: Sie soll das proteasebeladene Exsudat binden, ein kontrolliert feuchtes Milieu aufrechterhalten und dabei die Wundumgebung vor Mazeration schützen. Wie gut diese hohen Anforderungen an eine Wundauflage erfüllt werden können, hat Dr. Agnieska Lipinska mit ihren Kolleginnen und Kollegen in einer prospektiven Studie untersucht, deren Ergebnisse kürzlich im Journal of Wound Care erschienen.
Zetuvit® Plus Silicone Border und Zetuvit® Plus Silicone (international: RespoSorb Silicone Border/RespoSorb Silicone) sind mehrschichtige Silikon-Superabsorber-Polymer-Wundauflagen (SAP) von HARTMANN. Der Aufbau ist durchdacht:
Perforierte Silikon-Kontaktschicht: für atraumatisches Ablösen, auch bei empfindlicher Wundumgebung
Hydrophile Verteilungsschicht: gleichmäßige Flüssigkeitsverteilung Richtung Kern
SAP-Absorberkern aus Zellulose: hochabsorbierend, um große Mengen Exsudat zu binden
Die Border-Variante ist zusätzlich selbstklebendend, duschdicht und braucht kein Sekundärmaterial.
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Das Studiendesign war nah an der Versorgungsrealität: prospektiv, einarmig, multizentrisch, durchgeführt an acht polnischen Wundzentren. Eingeschlossen wurden 80 Patientinnen und Patienten mit exsudierenden VLU (65 %) oder DFU (35 %). Das mittlere Alter betrug 67 Jahre, die mittlere Wunddauer bei Einschluss lag bei 181 Tagen.
Alle VLU-Patienten erhielten standardisierte Kompressionstherapie, alle DFU-Patienten geeignete Druckentlastung. Die Wundfläche wurde mittels zentralisierter, verblindeter digitaler Planimetrie (PictZar®) gemessen.
Primärer Endpunkt war eine relative Wundflächenreduktion (WAR) ≥ 20 % bis Woche 6. Diesen klinisch relevanten Indikator erreichten nach Reinigung/Débridement 83,5 % der Teilnehmenden. Vor Reinigung waren es immerhin 74,7 %. Die mediane Wundflächenreduktion betrug über sechs Wochen 69,6 %.
Bei 26,9 % der Teilnehmenden trat innerhalb des sechswöchigen Beobachtungszeitraums eine vollständige Epithelisierung ein.
Wundbettqualität: Die Belagsgewebsbedeckung sank bis zur Abschlussvisite um median 98,6 % nach Reinigung/Débridement. Auch die Granulationsgewebsbedeckung nahm progressiv ab, was den Übergang von der Proliferations- in die Epithelisierungsphase anzeigt.
Exsudatmenge: Das tägliche retinierte Exsudatvolumen reduzierte sich bis Woche 6 signifikant (p = 0,004), das Gesamtvolumen ebenfalls (p < 0,001). Besonders eindrücklich: Bei 22,5 % der Wunden war bei der Abschlussvisite kein Exsudat mehr nachweisbar.
Tragedauer: Die Tragedauer lag stabil bei median vier Tagen über alle Visiten hinweg. Damit war die Absorptionskapazität unter ambulanten Routinebedingungen also ausreichend, ohne dass häufige Wechsel nötig wurden. Die Verbandwechselfrequenz zwischen den Visiten blieb konsistent niedrig.
Anwenderzufriedenheit: 82 % zeigten sich vollkommen oder sehr zufrieden mit der Produktleistung, 88 % mit der Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus.
Lebensqualität: Patientenseitig wurden laut Patient Benefit Score Index (PBI-W) signifikante Vorteile hinsichtlich der Schmerzen während des Verbandwechsels, der Exsudatmenge, des Zustandes der Wundumgebung sowie Alltag (Schlaf, Stimmung, Bewegung) berichtet. Die Wundbezogene Lebensqualität (Wound-QoL) zeigte eine signifikante Reduktion der durch die Wunde verursachte Beeinträchtigung.
Sicherheit: Potenziell produktbezogene unerwünschte Ereignisse traten bei 8,2 % der Teilnehmenden auf. Die unerwünschten Ereignisse waren ausschließlich mild bis moderat und beschränkten sich hauptsächlich auf lokale Hautreaktionen.
Auch wenn die Studie keine RCT ist, liefert sie doch belastbare Real-World-Evidenz unter kontrollierten Beobachtungsbedingungen. Zetuvit® Plus Silicone Border und Zetuvit® Plus Silicone haben in dieser Studie gezeigt, was ein gutes Wundprodukt im Management chronischer Ulzera leisten kann: signifikante Reduktion der Wundfläche, substanzielle Verbesserung der Wundbettqualität, effektive Exsudatkontrolle. Mehr als ein Viertel der Wunden heilte innerhalb von sechs Wochen komplett ab. Bei einem mittleren Wundalter von 181 Tagen zu Studienbeginn ist das ein für die klinische Praxis hochrelevantes Ergebnis.
Die Ergebnisse der Studie wurden auch im Rahmen des HARTMANN-Symposiums auf dem DEWU 2026 vorgestellt. Den Vortrag können Sie sich hier noch einmal in ganzer Länge anschauen. Auch der zweite Vortrag zum Thema smarte Kompressionstherapie steht Ihnen in der HARTMANN Academy zum Nachschauen zur Verfügung.
Referenzen:
Lipinska A et al. Effectiveness of silicone superabsorbent polymer dressings for chronic wound management: a prospective single-arm clinical study. J Wound Care. 2026; 35(5): 377–391.