Vom Knirschen zur Arthrose-Diagnose – das funktioniert. Eine deutsche Studie zur Audiodiagnostik hatte eine hervorragende Trefferquote. Wo die aktuelle Forschung steht und welche Therapieoptionen zur Schmerzlinderung bei Kniegelenksarthrose laut Leitlinie empfohlen werden, lesen Sie hier.
Ein kaputtes Gelenk macht Geräusche – so das Ergebnis einer Pilotstudie. Forscherinnen und Forscher aus Fulda, Gießen, Ulm und der Charité Berlin entwickelten ein Verfahren, mit dem künftig Knorpelschäden bei Arthrose detektiert werden sollen.1–3
Während 29 Probandinnen und Probanden mit Arthrose Kniebeugen machten, zeichneten sie die für Arthrose „typischen“ Schallmuster auf. Durch die Schalldiagnostik konnte bei 95 % der Patientinnen und Patienten Knorpelschäden nachgewiesen werden, die auch im MRT sichtbar waren.1–3 In einigen Fällen konnten Schäden per Audiodiagnostik festgestellt werden, noch bevor Gelenkauffälligkeiten radiologisch zu sehen waren.2 Ob sich die Methode zur Früherkennung bewährt, werden weitere Studien zeigen müssen.
Eine groß angelegte Metaanalyse über fast zwei Millionen Patientinnen und Patienten analysierte die translationale Genomik von Arthrose und führte damit die Analyse britischer Forscher aus dem Jahr 2019 fort, welche 52 Gene fanden, die an der Entstehung von Arthrose beteiligt sind.4,5
Die Metaanalyse, welche 2025 in Nature veröffentlicht wurde, fand 700 Gene, die in die Entstehung von Arthrose involviert sind.4 Die Gene konzentrieren sich auf acht zentrale biologische Prozesse, darunter die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus), gliazellbezogene Prozesse sowie bekannte Signalwege, die bei Arthrose eine Rolle spielen (u. a. TGFβ-, FGF- und WNT-Signalwege) und die Organisation der extrazellulären Matrix.4 Die Studie kommt zu dem Schluss, dass 10 % der Gene Proteine kodieren, die bereits durch zugelassene Medikamente adressiert werden, und unterstreicht damit das Potenzial von bestehenden Medikamenten für die Behandlung von Arthrose.4
Die S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ priorisiert einen konservativen Therapieansatz: Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Verhaltensanpassungen und Gewichtsmanagement stehen vor einem operativen Eingriff im Vordergrund und können zur Schmerzreduktion beitragen.6Reiben die Knochenenden bei einer fortschreitenden Kniegelenksarthrose aufeinander, klagen Patientinnen und Patienten oft über akute Schmerzen. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind in diesem Fall Wirkstoffe der ersten Wahl.6 Dabei rät die Leitlinie zunächst zu einer topischen Anwendung von NSAR, z. B. Diclofenac, Naproxen oder Ibuprofen, bevor, bei unzureichender Wirkung, eine orale Gabe in Erwägung gezogen werden kann.6 Hierbei sollte jedoch eine gastroprotektive Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (PPI) erfolgen, wenn ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines gastroduodenalen Ulkus bzw. von Ulkuskomplikationen besteht. Dabei gibt es mittlerweile auch Kombinationen aus Diclofenac und Omeprazol, die NSAR und PPI in einem Präparat kombinieren. Opioide sollte nur gelegentlich zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden bei Therapieversagen anderer pharmakologischer Behandlungen, wenn diese kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden.6
Referenzen: