Sagen wir’s doch, wie es ist: Unsere Krankenhäuser sind marode, schon jetzt kann niemand Pause machen. Wenn dann auch noch die Doku-Pflicht wächst, ist das politisches Versagen. Ein typischer Sommertag auf Intensiv.
38 Grad draußen. Über 30 Grad auf der Intensivstation. Und trotzdem erwartet man, dass wir einfach funktionieren. Während draußen über Freibäder und Hitzefrei gesprochen wird, kämpfen wir drinnen um Menschenleben.
Die Schiebetür zur Intensivstation öffnet sich. Warme Luft schlägt einem entgegen. Beatmungsgeräte laufen ununterbrochen. Monitore piepen. Menschen ringen um jeden Atemzug. Die Hitze macht nicht nur müde – sie bringt Menschen auf die Intensivstation. Dehydrierung. Herzversagen. Atemnot. Kreislaufzusammenbrüche.
Und wir? Wir laufen. Seit Stunden. Nicht, weil wir keine Pause wollen. Sondern weil wir keine machen können. Wer übernimmt meinen beatmeten Patienten? Wer reagiert auf den Alarm? Wer ist da, wenn plötzlich jemand reanimationspflichtig wird? Also trinken wir den Kaffee kalt. Essen irgendwann zwischen zwei Notfällen. Oder eben gar nicht.
Wir sollen Menschen gesund machen, während wir unsere eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Und dann schaut man sich viele Krankenhäuser an. Keine vernünftige Klimatisierung. Veraltete Gebäude. Defekte Lüftungsanlagen. Sanierungsstau seit Jahren. Nicht, weil niemand die Probleme kennt. Sondern weil gespart wird. Die Sommer werden heißer. Das wissen wir seit Jahren. Unsere Gesellschaft wird älter. Auch das weiß jeder. Trotzdem wurde viel zu wenig investiert – sowohl in moderne Krankenhäuser als auch in ausreichend Personal.
Stattdessen gibt es immer neue Dokumentationspflichten, Sparprogramme und Reformen, die auf dem Papier gut aussehen. Auf der Intensivstation merken wir davon wenig. Dort kommt nur eines an: Noch mehr Arbeit, noch mehr Verantwortung, noch weniger Zeit.
Pflegekräfte versorgen heute mehr Patienten als je zuvor. Viele verlassen den Beruf, weil sie körperlich und psychisch nicht mehr können. Und trotzdem wundert man sich über den Fachkräftemangel. Wenn Pflegekräfte zwölf Stunden keine richtige Pause schaffen, ist das kein Organisationsproblem – es ist politisches Versagen. Wenn notwendige Sanierungen aus Kostengründen verschoben werden, ist das politisches Versagen. Wenn Krankenhäuser dauerhaft am Limit arbeiten müssen, ist das politisches Versagen.
Wir brauchen keine Dankesreden, keine warmen Worte. Wir brauchen endlich Entscheidungen, die dort ankommen, wo Menschen um ihr Leben kämpfen. Denn die nächste Hitzewelle kommt. Die Frage ist nur: Wer wird dann noch da sein, um diese Menschen zu versorgen?
Den Beitrag von Christian Fuchs, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie, findet ihr auch hier.
Bildquelle: Alex Shuper, Unsplash