Während deines Notarztdienstes wirst du zum 5-jährigen Finn gerufen. Er hat über Kopfschmerzen geklagt und ist jetzt nicht mehr ansprechbar. Kannst du ihm helfen?
Die Fremdanamnese erfolgt durch die Mutter. Sie berichtet, dass Finn aus dem Kindergarten nach Hause gekommen sei und zu Mittag gegessen hätte. Er sei dann ins Badezimmer gegangen und nach einigen Minuten weinend wieder herausgekommen. Dabei hielt er sich die Hand an die Stirn und sagte immer wieder "Aua Kopf". Innerhalb weniger Minuten wurde er dann zunehmend schläfrig und sprach nur noch unverständliche Worte. Außerdem habe er plötzlich schwallartig erbrochen und ist seitdem nicht mehr ansprechbar. Vorerkrankungen oder Allergien sind nicht bekannt.
Während der Vorbereitungen für die Atemwegssicherung legt ihr einen venösen Zugang am Handrücken (20 G) und infundiert 200 ml kristalloide Infusionslösung. Zudem bittet ihr die Leitstelle darum, den nächstgelegenen Rettungshubschrauber zu alarmieren. Dieser ist einsatzbereit und hat eine Anflugzeit von ca. 15 Minuten.
Während der Vorbereitungen erbricht das Kind ein weiteres mal. Eine Atemwegsverlegung, Aspiration oder andere Atmungs-/ oder Kreislaufstörungen ergeben sich hieraus nicht. Allerdings zeigt sich nach dem Erbrechen folgender Pupillenstatus:
Alle Vorbereitungen zur Atemwegssicherung sind getroffen. Da du in der Atemwegssicherung von Kindern erfahren bist, entscheidet ihr euch im Team primär für eine endotracheale Intubation. Nach Präoxygenierung nutzt ihr zur Narkoseeinleitung mit 50 µg Fentanyl, 80 mg Propofol und 20 mg Rocuronium.
Die Intubation gelingt im ersten Versuch ohne Probleme. Die Kreislaufsituation zeigt sich stabil. Während ihr den Tubus fixiert, trifft das Team des Rettungshubschraubers ein. Ihr übergebt den Patienten und der luftgebundene Transport erfolgt innerhalb weniger Minuten in den Schockraum des nächstgelegenen Maximalversorgers.
In Rahmen der Schockraumdiagnostik erfolgt eine cCT. Hier zeigt sich eine große intrakranielle Blutung mit Ventrikeleinbruch und beginnender Mittellinienverlagerung auf Basis einer arteriovenösen Malformation (AVM).
Aufgrund des Hirndrucks wird notfallmäßig eine dekompressive Hemikraniektomie durchgeführt und eine externe Ventrikeldrainage eingelegt. Finn wird auf die Kinder-Intensivstation aufgenommen und kann nach einigen Tagen extubiert werden. Aufgrund subarachnoidaler Blutungsanteile wird eine Vasospasmus-Prophylaxe durchgeführt. Die weiteren Therapiemöglichkeiten werden interdisziplinär durch ein Team aus Neuroradiologen, Neurochirurgen und Kinderneurologen diskutiert. Nachdem die neurologischen Defizitie in der neurologischen Frührehabilitation intensiv behandelt wurden, kann Finn schließlich nach Hause entlassen werden.
Take-Home Messages:
- Patientenbilder, Befundbilder und Stimme KI-generiert- Die Auskultationsbefunde wurden freundlicherweise von 3M Littmann zur Verfügung gestellt