Weniger Geld für gleiche Leistung: Das droht den Arztpraxen mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Der Virchowbund informiert, was Ärztinnen und Ärzte jetzt tun können, um auf die Einsparungen zu reagieren.
Die geplanten Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spargesetz) sorgen für große Unsicherheit in den Praxen. Viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte stehen vor konkreten wirtschaftlichen Risiken. Umso wichtiger ist es, strukturiert zu reagieren und die eigene Praxis auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie als Arzt bzw. Praxisinhaberin jetzt vorgehen können.
In der Praxisberatung des Virchowbundes häufen sich die Anfragen: Wie lassen sich drohende Honorareinbußen kompensieren? Vor allem junge Praxisinhaber und frisch Niedergelassene sind verunsichert, ob sich eine Vertragsarztpraxis in Zukunft noch lohnt. Viele fragen sich, ob ihr Businessplan für die Arztpraxis noch tragfähig ist.
Beinahe jede Vertragsarztpraxis ist von der GKV-Honorarkürzung betroffen. Wer frühzeitig handelt, kann den Schaden begrenzen.
Besonders wichtig ist das für:
Die Virchowbund-Praxisberatung und die Rechtsberatung helfen dabei, einen klaren Blick auf die wirtschaftliche Situation Ihrer Arztpraxis zu erhalten. Wir identifizieren Einsparpotenziale, analysieren Ihre KV-Abrechnung und entwickeln gemeinsam den Businessplan Ihrer Arztpraxis weiter.
Der erste und zugleich wichtigste Schritt ist, Transparenz über die eigene wirtschaftliche Situation herzustellen. Konkret bedeutet das, Umsätze und Kosten zu kennen, regelmäßig zu prüfen und die Abhängigkeit von GKV-Honoraren zu beziffern. „Nur wer die eigenen Zahlen kennt, kann fundierte Entscheidungen treffen“, weiß Margaret Plückhahn aus der Virchowbund-Praxisberatung.
Das GKV-Spargesetz reißt eine wirtschaftliche Lücke in die Praxisfinanzen. Die Praxisberaterin Margaret Plückhahn analysiert gemeinsam mit den Praxen individuell: „Wie hoch ist der Verlust für meine Praxis?“ Dafür ist ein genauer Blick auf die KV-Abrechnung notwendig:
Wer die finanzielle Situation der eigenen Praxis kennt, kann im nächsten Schritt die Kostenstruktur auf den Prüfstand stellen. Die größten Stellschrauben liegen leider bei den Personalkosten. Relevant wird auch das Verhältnis Fixkosten vs. variable Kosten.
„Gerade beim Personal werden viele Praxen zu schwierigen Entscheidungen gezwungen sein“, sagt Margaret Plückhahn voraus. Manche Praxen werden es sich nicht mehr leisten können, freie Stellen im Praxisteam nachzubesetzen. Praxisinhaber sollten prüfen, ob sie durch digitale Lösungen (z. B. KI-Telefonassistenten) oder Quereinsteiger ihr Praxisteam entlasten können. Auch wird sich die eine oder andere Praxis „gesundschrumpfen“ müssen. Die Praxisberatung unterstützt auch dabei, Einsparpotenziale in der Organisation zu ermitteln.
Falls Personalveränderungen (z. B. eine MFA-Kündigung oder Änderungen der vereinbarten Arbeitszeiten) notwendig werden, hilft die Rechtsberatung des Virchowbundes weiter.
Einige KVen antworten mit einem sogenannten „Not-Honorarverteilungsmaßstab“ (Not-HVM) auf das GKV-Spargesetz. Der Not-HVM soll Praxen helfen, ihre Leistungen strikt innerhalb des Budgets zu halten.
Das bedeutet aber nicht, dass die Praxis dadurch gleich viel Honorar erhält wie in den Quartalen zuvor. Denn es fließt kein zusätzliches Geld ins System. Der Not-HVM der KVen dient vor allem der politischen Positionierung. Er soll transparent machen, für wieviel ambulante Versorgung das Geld ausreicht, und wann das Budget der Krankenkassen erschöpft ist. Es bleibt abzuwarten, ob das überhaupt gelingt. Denn verschiedene Entscheidungen zur Leistungsvergütung werden wohl erst 2027 getroffen.
Der Not-HVM kann Ihnen helfen zu verstehen, ab wann Ihre ärztliche Leistung nicht mehr vergütet wird. Die Kunst ist es, Ihre vertragsärztliche Pflicht zu erfüllen und die restliche Arbeitszeit zu nutzen, um alternative Honorarquellen auszuschöpfen. Und hierfür gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, über die Sie die Virchowbund-Praxisberatung regelmäßig in Webinaren aufklärt, z. B. über die „Selbstzahlersprechstunde“. Hier können Sie sich für Webinare anmelden.
Welche Honorarkürzungen für Arztpraxen ab 2027 drohen und was Sie tun können, um Verluste zu vermeiden, darüber informieren wir am 29.07.2026 im Webinar. Jetzt anmelden!
Eine stärkere Fokussierung auf Privatleistungen kann eine Option sein – aber nicht für jede Praxis. Arztpraxen, die stärker auf Privatmedizin und Selbstzahlerleistungen setzen möchten, sollten sich deshalb fragen: Passt das Leistungsspektrum der Praxis? Ist Ihr Patientenklientel zahlungsfähig? Gibt Ihr Standort zusätzliche Potenziale her?
Die Antworten auf diese Fragen fließen in den Businessplan der Arztpraxis ein. Ob der eigene Praxis-Businessplan tragfähig ist, sollten Praxen gemeinsam mit dem Virchowbund sowie dem Steuerberater und ggfs. der Bank ausloten.
Aber auch wenn ein Neuausrichtung hin zu Privatpatienten und Selbstzahlern nicht möglich erscheint: Gemeinsam mit der Virchowbund-Praxisberatung können Sie andere Möglichkeiten prüfen. Fakt ist: Für alle Patienten wird das Honorar nicht mehr ausreichen. Das Spargesetz verpflichtet fast dazu, das Angebot für GKV-Patienten zu begrenzen.
Dürfen Sie Patienten abweisen?
Patienten grundsätzlich abzuweisen ist nur in Ausnahmen möglich. Die Virchowbund-Rechtsberatung berät beim richtigen Vorgehen:
Wenn Sie GKV-Patienten aus Kapazitätsgründen abweisen, müssen Sie das unbedingt korrekt kommunizieren. Auch dabei hilft der Virchowbund.
Medizinische Notfälle müssen behandelt werden! Lesen Sie mehr unter Diese Patienten dürfen Sie ablehnen.
Der Virchowbund hilft Praxen aber auch dabei, gegen unverhältnismäßige Honorarkürzungen, Rückforderungen und Regresse rechtlich vorzugehen. Vor allem dann, wenn die wirtschaftliche Existenz der Praxis bedroht ist oder strukturelle Ungleichgewichte entstehen, sollte man nicht einfach akzeptieren, dass die KV oder die Krankenkasse Honorar zurückfordern oder Verordnungen regressieren.
Virchowbund-Mitglieder können sich mit ihren entsprechenden Unterlagen (Aufforderungen zur Stellungnahme, Bescheide) an die Rechtsberatung und die Praxisberatung des Verbandes wenden. Wir beraten Sie individuell zu Ihren Optionen.
Egal, welche strategischen Maßnahmen Sie in Ihrer Praxis ergreifen: Kommunizieren Sie offen gegenüber Patienten und auch dem Praxisteam, welche Veränderungen Sie planen. Erklären Sie Ihren Patienten, welche Leistungen künftig eingeschränkt sein könnten. Machen Sie wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich.
Auch wenn das Ihre Patienten verunsichern kann, ist Transparenz wichtig.
Der 6-Punkte-Plan des Virchowbundes für Arztpraxen
Die geplanten GKV-Sparmaßnahmen stellen viele Praxen vor echte Herausforderungen. Untätigkeit ist keine Option. So können Sie aktiv werden:
Je früher Sie handeln, desto mehr Spielraum behalten Sie. Holen Sie sich dafür die Unterstützung des Verbandes der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.
Lassen Sie sich jetzt beraten!
Gut zu wissen: Mit knapp 100 weiteren Checklisten, Musterverträgen, Vorlagen und Praxisinfos sowie unserer persönliche Rechtsberatung und Praxisberatung unterstützt Sie der Virchowbund im Praxisalltag. Hier finden Sie weitere Vorteile für Mitglieder sowie unsere Veranstaltungen für die erfolgreiche Praxisführung.