Schwellungen, Rötungen und juckende Hautausschläge – das sieht nach allergischer Kontaktdermatitis aus. Habt ihr alle Stoffe in eurer Verdächtigenliste und wisst, was zu tun ist?
Eine Kontaktallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe, die mit der Haut oder der Schleimhaut in Kontakt kommen. Diese Stoffe müssen dabei noch nicht mal besonders aggressiv sein. Viele Kontaktallergene sind sehr kleine Stoffe, die sich in der Haut mit körpereigenen Strukturen verbinden können. Dadurch kann das Immunsystem sie plötzlich als fremd einordnen. Beim ersten Kontakt entstehen meist noch keine Beschwerden, aber das Immunsystem wird sensibilisiert. Bei einem späteren Kontakt erkennt es den Stoff wieder und löst eine verzögerte Entzündungsreaktion in der Haut aus. Deshalb treten die Beschwerden in der Regel nicht sofort, sondern oft erst nach ein bis drei Tagen auf.
Typisch sind Hautausschläge mit Juckreiz, Schwellungen und trockener Haut. Auf heller Haut sieht man häufig einen rötlichen Ausschlag. Auf dunkler Haut können hingegen eher dunkelviolette bis dunkelgraue Verfärbungen, Knötchen und eine verdickte, gröbere Haut auftreten. Bei stärkeren Reaktionen kann die Haut spannen, schmerzen, Bläschen bilden, nässen, verkrusten und später schuppen.
Meist beginnt das Ganze dort, wo der auslösende Stoff Kontakt zur Haut hatte. Es kann aber auch zu einer Streureaktion kommen; dann tauchen die Beschwerden später an Hautstellen auf, die gar keinen direkten Kontakt mit dem Auslöser hatten. Häufige Auslöser für Kontaktallergien sind Nickel und Kobalt, Latex, Klebstoffe, Pflaster, Duftstoffe, ätherische Öle, Reinigungs- und Lösungsmittel sowie topische Arzneimittel. Auch Pflanzen wie Kamille oder Arnika können zu Kontaktallergien führen, was man bedenken sollte, wenn man lieber auf Naturkosmetik setzt. Die Auslöser ändern sich auch immer wieder, weil sich die Produkte, die Gewohnheiten sowie die Vorschriften ändern.
Ein Beispiel ist Benzylalkohol, der 2026 von der American Contact Dermatitis Society zum Allergen des Jahres gekürt wurde. Herzlichen Glückwunsch.
Benzylalkohol wird nämlich von vielen Standard-Patch-Tests nicht erfasst und ist in Inhaltsstofflisten unter verschiedenen Namen zu finden: Phenylmethanol, Phenylcarbinol, Alcohol benzylicus PhEur, BnOH, Benzenmethanol oder Hydroxymethylbenzol.
Neben Benzylalkohol sind weitere Kontaktallergene relevant oder gewinnen an Bedeutung. Isothiazolinone bleiben ebenfalls ein Problem. Zwar haben strengere Regeln bei Kosmetika dazu geführt, dass Allergien dagegen seltener geworden sind, dafür tauchen bestimmte Isothiazolinone weiterhin in anderen Bereichen auf. Zum Beispiel im beruflichen Umfeld; bei industriellen Anwendungen, bei Maler- und Lackierarbeiten, in Lederprodukten wie Sofas, Autositzen oder Schuhen und sogar in Over-Ear-Kopfhörern.
Schutzhandschuhe können helfen, den Kontakt mit Auslösern zu vermeiden. Manche reagieren allerdings auch allergisch auf Inhaltsstoffe solcher Handschuhe. Wir erinnern uns: Latex kann selbst eine Kontaktallergie auslösen. Bei Latex- oder Nitrilhandschuhen können außerdem Vulkanisationsbeschleuniger wie Thiurame und Dithiocarbamate zum Problem werden. Auch sie können allergische Kontaktekzeme auslösen.
Acrylate und Methacrylate sind weitere Beispiele. Sie können unter anderem bei Nagelkosmetik, Wearables, Klebstoffen, Elektroden, kontinuierlichen Glukosemesssystemen und sogar bei Displayschutzfolien eine Rolle spielen.
Die Diagnose einer Kontaktallergie läuft vor allem über die Vorgeschichte, das Hautbild und den Kontakt zu möglichen Auslösern. Der Epikutantest, auch Patch-Test oder Pflastertest genannt, gilt bei Verdacht auf eine Kontaktallergie als Goldstandard. Dabei werden verdächtige Stoffe auf dem Rücken getestet und die Reaktion der Haut darauf später beurteilt. Wichtig ist aber immer der Zusammenhang: Ein positiver Test allein reicht noch nicht aus, wenn der Stoff im Alltag gar nicht zur betroffenen Hautstelle passt.
Behandeln lassen sich allergische Hautreaktionen meist mit kortisonhaltigen Cremes, Salben oder Lösungen. Bei Juckreiz können zusätzlich Antihistaminika oder andere juckreizlindernde Mittel infrage kommen. Die wichtigste Maßnahme ist aber, den Auslöser zu finden und zu meiden.
Wenn der Kontakt beruflich kaum zu vermeiden ist, muss man schauen, ob Schutzmaßnahmen helfen oder ob notgedrungen eine andere Tätigkeit nötig wird. Bei Verdacht auf eine beruflich bedingte Kontaktallergie ist eine Abklärung über Haut- oder Betriebsarzt und Berufsgenossenschaft sinnvoll.
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