Ohne Personal läuft in der Praxis nichts. Verlässt jemand das Team, muss also schleunigst nachbesetzt werden. Wo ihr passende Bewerber findet – und wie ihr eure Praxis auf dem Stellenmarkt hervorhebt.
Jeder Praxisinhaber kennt das Problem: Eine Stelle wird unerwartet frei und plötzlich ist man Arbeitgeber, Personalchef und Ausschreibungsredaktion in Personalunion – neben dem laufenden Betrieb. Mit diesen Tipps klappt die Gewinnung neuer Mitarbeiter auch ohne HR-Abteilung und großes Marketingbudget.
Laut Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit zählen medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte zu den am stärksten betroffenen Engpassberufen in Deutschland; ZFA belegen dabei sogar Platz eins des gesamten Rankings. In der Pflege und Physiotherapie sieht es nicht besser aus. Kleine Praxen haben dabei strukturell das Nachsehen: Sie konkurrieren mit Versorgungszentren, Krankenhäusern und größeren Einrichtungen, die Karriereprogramme, Weiterbildungsbudgets und HR-Teams auffahren können. Was kleine Praxen dagegen haben – und was sie oft unterschätzen – ist Nähe, Flexibilität und echte Mitsprache. Genau das können sie als Argument nutzen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen; dazu später mehr.
Viele Praxen schalten eine Anzeige, wenn eine Stelle frei ist. Das scheint logisch, ist aber deutlich zu spät. Die Kunst ist, als Arbeitgeber dauerhaft attraktiv und sichtbar zu sein, selbst dann, wenn gerade kein Bedarf besteht. Doch was bedeutet das im Alltag? Praxen haben im besten Fall ein gepflegtes Google-Profil mit echten Bewertungen, eine Karriereseite im Internetauftritt und eine aktive Präsenz dort, wo Bewerber heute tatsächlich schauen.
Jobportale waren lange das Nonplusultra, mittlerweile halten Interessierte auch in sozialen Netzwerken nach passenden Arbeitgebern Ausschau. Hier gibt es kostenpflichtige Werbeanzeigen, aber auch Gratis-Werbung: Wie wäre es mit einem Post in einer entsprechenden Gruppe, über die Praxis-„Fanseite“ oder im eigenen Feed? Haltet eure Leserschaft auf dem Laufenden, nicht nur über die Personalstruktur, sondern über das, was euch als Arbeitgeber ausmacht, etwa Vorzüge wie Bonuszahlungen, einen modernen Pausenraum, Parkplätze direkt vor der Tür oder einen strukturierten Arbeitsalltag mit festem Feierabend.
Der Arbeitsmarkt ist schnelllebig, das merken Praxen meist schon im Bewerbungsprozess. Wer sich bewirbt und zwei Wochen nichts hört, hat sich längst woanders vorgestellt. Auch, wenn es ohne Personalabteilung zeitlich schwerfällt: Gebt dem Bewerber innerhalb von 48 Stunden eine Eingangsbestätigung, eine Rückmeldung innerhalb von drei Tagen und plant das erste Gespräch in der kommenden Woche ein. Das ist exakt das, was viele große Einrichtungen nicht schaffen und was kleine Praxen, die schnell entscheiden dürfen, als echten Wettbewerbsvorteil nutzen können.
Bildquelle: Getty Images, Unsplash