Ceylon ist nicht gleich Cassia! Die gängigen Zimtsorten unterscheiden sich nicht nur in Geschmack und Aussehen. Warum das im Alltag eine Rolle spielt, zeigt der Blick auf einen oft übersehenen Inhaltsstoff.
Zimt wird aus der getrockneten inneren Rinde von Zimtbäumen gewonnen. Neben seiner Würze hat Zimt auch traditionelle medizinische Anwendungsmöglichkeiten. Ursprünglich stammt der echte Zimtbaum aus Sri Lanka. Heute wird Zimt aber auch in anderen tropischen Gebieten angebaut. Man unterscheidet vor allem zwei wichtige Zimtsorten: Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) und Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia). Wenig überraschend gilt Cinnamomum verum dabei als der „echte“ Zimt.
Bei Zimtstangen kann man den Unterschied zwischen beiden Sorten in der Regel gut erkennen: Ceylon-Zimt hat meist dünne, mehrfach ineinandergeschobene Rindenröllchen und eine hellere Farbe. Cassia-Zimt hingegen besitzt meist dickere Rindenschichten und eine dunklere Farbe. Ist der Zimt gemahlen, lässt er sich deutlich schwerer unterscheiden. Die Verpackung hilft meistens auch nicht weiter, denn die Zimtsorte muss in der Regel nicht angegeben werden. Meistens handelt es sich aber um Cassia-Zimt, einfach weil er günstiger ist. Vom Geschmack her hat Ceylon-Zimt ein feineres, eher mildes Aroma und Cassia-Zimt ein kräftigeres, herberes Aroma.
Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Zimtsorten ist aber der Cumarin-Gehalt. In Cassia-Zimt steckt wesentlich mehr Cumarin als in Ceylon-Zimt. Bei empfindlichen Personen können sogar schon geringere Mengen problematisch sein. Außerdem gilt Cumarin als bedenklich, weil es in Tierversuchen in hohen Dosen krebserregend wirkte. Für den Menschen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko bisher aber nicht nachgewiesen. Als Orientierung gilt eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Erwachsener mit 60 Kilogramm Körpergewicht sollte auf Dauer also nicht mehr als etwa 6 Milligramm Cumarin pro Tag aufnehmen.
Ceylon-Zimt enthält nur sehr wenig Cumarin. Als Richtwert werden weniger als 8 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Zimt genannt. Das entspricht weniger als 0,008 Milligramm Cumarin pro Gramm Zimt. Ein Erwachsener mit 60 Kilogramm Körpergewicht würde die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge damit rechnerisch erst bei mehr als 750 Gramm Ceylon-Zimt pro Tag erreichen. Guten Appetit. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, kurz AGES, fand in Untersuchungen bei Ceylon-Zimt allerdings als höchsten Wert 185 Milligramm Cumarin pro Kilogramm. Aber selbst damit wäre die Grenze bei einem Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht rechnerisch erst bei etwa 32 Gramm Ceylon-Zimt pro Tag erreicht. Ja, das ist viel weniger als 750 Gramm. Fair. Aber auch 32 Gramm Zimt isst praktisch kein Mensch pro Tag.
Zum Vergleich: Cassia-Zimt enthält durchschnittlich etwa 3.000 Milligramm Cumarin pro Kilogramm, also etwa 3 Milligramm pro Gramm. Bei einem Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht kann die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge damit schon mit etwa 2 Gramm Cassia-Zimt erreicht sein. Das entspricht ungefähr einem gestrichenen Teelöffel – und das ist durchaus eine Menge, die man sich schnell mal in den Joghurt oder Skyr schüttet.
Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten, weil sie wegen ihres geringeren Körpergewichts entsprechend weniger Cumarin aufnehmen sollten. Wer nur gelegentlich zimthaltige Lebensmittel isst, muss sich in der Regel auch keine Sorgen machen. Wer aber häufig größere Mengen Zimt verwendet, sollte besser Ceylon-Zimt nehmen. Personen mit Lebererkrankungen sollten ohnehin mit Cassia-Zimt besonders vorsichtig sein.
Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Zimt ist grundsätzlich Vorsicht geboten, weil sie je nach Produkt viel Cumarin enthalten können. Schwangere und Stillende müssen kleine Mengen Zimt als Gewürz nicht meiden, sollten jedoch auf Zimtkapseln und größere Mengen Cassia-Zimt sicherheitshalber verzichten. Medizinisch wird Zimtrinde traditionell bei Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Dafür wird vor allem die getrocknete Zimtrinde verwendet. Sie enthält unter anderem ätherisches Öl mit Zimtaldehyd als wichtigen Bestandteil.
Zimt werden antibakterielle, pilzhemmende, blähungstreibende, verdauungsfördernde, entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben. Das heißt aber nicht, dass Zimt automatisch für jeden und in jeder Menge unproblematisch ist, auch abgesehen vom Cumaringehalt. Wer allergisch auf Zimt reagiert, sollte Zimtkapseln oder medizinisch verwendete Zimtzubereitungen nicht einnehmen. Auch bei Magen- oder Darmgeschwüren sind solche Präparate nicht geeignet. Möglich sind außerdem allergische Reaktionen an Haut oder Schleimhäuten. Bei hoher Dosierung können Herzrasen, eine verstärkte Atmung, eine stärkere Darmtätigkeit und Schweißausbruch auftreten.
Außerdem gibt es immer wieder die Diskussion, ob Zimt den Blutzucker senken kann und man ihn bei Diabetes mellitus einsetzen könnte. Für diese Anwendung ist Zimt aber nicht als Arzneimittel zugelassen. Die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien zeigen jedoch, dass Zimt den HbA1c-Wert wahrscheinlich nicht senkt. Der HbA1c-Wert, kurz für Hämoglobin-A1c, zeigt vereinfacht gesagt, wie hoch der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zwölf Wochen war. Zimtpräparate werden deshalb von Fachgesellschaften nicht zur Blutzuckerkontrolle empfohlen.
Bildquelle: Imad 786, Unsplash