Nicht nur im professionellen Setting, sondern auch in der Bevölkerung sind Vitamin D, Magnesium und Omega-3 bekannte Begriffe. Was jedoch genau dahinter steckt und welche Aufgaben diese drei Mikronährstoffe erfüllen, ist nicht jedem bewusst. Alle drei sind regelmäßiger Bestandteil von Beratungen im klinischen Alltag und gefragte Themen in den Medien. Werfen wir einen genaueren Blick auf diese drei Mikronährstoffe.
Im Knochenstoffwechsel spielt Vitamin D eine zentrale und unverzichtbare Rolle. Zwar kann ein geringer Anteil über die Nahrung aufgenommen werden, der Großteil wird jedoch durch die Einwirkung von UVB-Strahlen der Sonne in der Haut synthetisiert.1 Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass insbesondere in nördlichen Breitengraden und während der Wintermonate ein Vitamin-D-Mangel entstehen kann. Darüber hinaus haben auch Menschen mit dunkler Hautfarbe sowie ältere Personen und Kleinkinder ein erhöhtes Risiko für einen solchen Mangel.1
Verschiedene Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, wann und wie eine Supplementierung notwendig sein kann. Darunter die Jahreszeit, der individuelle Lebensstil sowie die jeweilige Lebensphase.2 Aktuellen Schätzungen zufolge weisen bis zu 40 % der Europäer einen Vitamin-D-Mangel auf, etwa 13 % sogar einen schweren Mangel.3
Zur Diagnostik eines Vitamin-D-Mangels hat sich der Serum-25(OH)D-Spiegel als geeigneter Biomarker etabliert. Als angemessener Serumspiegel bei gesunden Erwachsenen gilt ein Wert von 30 ng/ml.4 Die Endocrine Society, eine internationale Fachgruppe aus den Fachbereichen Endokrinologie und Metabolismus, empfiehlt sogar einen Zielbereich von 40 – 60 ng/ml.4 Ein schwerer Mangel von unter 12 ng/ml kann mit einer erhöhten Mortalität sowie einem gesteigerten Risiko für Infektionen und weitere Erkrankungen einher gehen. 3
Eine angemessene Vitamin-D-Supplementierung ist daher entscheidend. Zwar gibt es für den europäischen Raum pauschale Richtwerte von 1.000 I.E.5 diese Dosierungen sind aber nicht auf alle Patienten einheitlich anwendbar, weshalb eine Supplementierung immer im Rahmen einer individuellen Serumspiegelbestimmung erfolgen sollte und in vielen therapeutischen Protokollen heutzutage auch schon erfolgt.
Weil Vitamin D einen so wichtigen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit des Menschen hat,5 kann vor allem bei Verdacht auf einen möglichen Mangel eine labordiagnostische Abklärung und entsprechende Supplementierung sinnvoll sein.
Magnesium kann vom Körper selbst nicht hergestellt werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen oder kann supplementiert werden. Als Cofaktor von mehr als 6006 Enzymen ist Magnesium ein vielgefragter Mikronährstoff im Körper. Er ist unter anderem an Muskelkontraktionen, der Reizweiterleitung in Neuronen und auch dem Knochenumsatz beteiligt.6
Ein Magnesiummangel ist in der Bevölkerung keine Seltenheit. Etwa 60 % der Erwachsenen (in den USA) erreichen keine ausreichende Zufuhr von Magnesium und 45 % haben einen ausgeprägten Magnesiummangel.7 Und das, obwohl Magnesium über viele alltägliche Nahrungsmittel aufgenommen werden kann, die das ganze Jahr verfügbar sind. Besonders reich an Magnesium sind z. B. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse und auch – je nach Anbieter – Mineralwasser.6
Zu einem Mangel kommt es daher vor allem sekundär zum Beispiel durch beeinträchtige intestinale Magnesiumresorption oder erhöhte renale Ausscheidung aufgrund der Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Antibiotika, orale Kontrazeptiva, Diuretika oder bestimmter gastrointestinaler Erkrankungen.6 Eine laborchemische Diagnostik kann hier genauere Auskunft geben, ob Patienten an einem Magnesiummangel leiden. Da Magnesium überwiegend intrazellulär gespeichert ist,6,8 gibt der Serumspiegel nicht unbedingt den tatsächlichen Versorgungsstatus der Patienten wieder. Eine Vollblutmineralanalyse, eingebettet in den klinischen Kontext, kann hier mehr Auskunft geben, wenn man auch individuelle Faktoren wie Risikofaktoren, Ernährungsgewohnheiten oder Medikation mit einbezieht.9 Bei identifiziertem Risiko, kann die Supplementierung mit Magnesium sinnvoll sein.
Dies ist auch im Kontext aktueller Forschungsansätze interessant, die untersuchen, inwieweit eine ausreichende Magnesiumzufuhr mit der Regulation des Gefäßtonus in Zusammenhang steht und möglicherweise zur Modulation von Blutdruck und hypertonieassoziierten Prozessen beitragen könnte.8
Unter Omega-3-Fettsäuren versammeln sich verschiedene mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Drei der bekanntesten Vertreter sind Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).10 ALA gehört zu den essenziellen Fettsäuren, was bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst herstellen kann und diese deshalb über die Nahrung aufgenommen werden müssen.10
Omega-3-Fettsäuren erfüllen im Organismus wichtige Funktionen. Sie sind unter anderem an der Bildung von Zellmembranen beteiligt und sind Baustein von Eicosanoiden, einem Gewebsmediator der an einer ganzen Reihe von physiologischen aber auch pathologischen Prozessen beteiligt ist.11 Omega-3-Fettsäuren kompetieren mit Omega-6-Fettsäuren um dieselben Enzyme in der Synthese von Eicosanoiden, wobei Eicosanoide aus Omega-3-Fettsäuren weniger an proinflammatorischen Prozessen im Körper beteiligt sind.11 Die Zufuhr von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sollte ausgewogen etwa im Verhältnis von 1:3 erfolgen, wobei die Ernährungsweise der westlichen Welt ein deutlichen Überschuss an Omega-6-Fettsäuren beinhaltet.12
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine Empfehlung von ungefähr 1.300 mg ALA-Zufuhr pro Tag gegeben, was über die Ernährung mit Leinsamen oder Omega-3-reichem Speiseöl aufgenommen werden kann.10 DHA und EPA können, laut BfR, über den Verzehr von fettreichem Fisch oder Algenprodukten (1-2 Portionen wöchentlich) gedeckt werden, was aber für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren oder aber auf ihre Jodzufuhr achten sollten, schwierig sein kann.10
Hinzu kommt, dass die körpereigene Umwandlungsrate von ALA zu DHA und EPA insgesamt sehr gering ausfällt, was eine ausreichende Zufuhr dieser Fettsäuren vor allem bei vegetarischen und veganen Ernährungsgewohnheiten erschwert. Darüber hinaus kann die Schwermetallbelastung von Fischen vor allem für Schwangere ein Problem darstellen.10 Hier bietet Algenöl eine wichtige und sichere Alternative als Omega-3-Quelle.
Daher kann die Supplementierung von Omega-3 besonders in der Schwangerschaft, hier vor allem DHA10, aber auch allgemein für Menschen mit Ernährungseinschränkungen durchaus sinnvoll sein. Als klinischer Marker zur Einschätzung des individuellen Versorgungsstatus hat sich der Omega-3-Index etabliert. Er gibt den Anteil von EPA und DHA an den Gesamtfettsäuren der Erythrozytenmembran an, wobei ein Wert von 8 - 11 % als wünschenswert gilt und mit einer Reduktion für das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert ist.13 Die meisten Erwachsenen in westlichen Ländern liegen deutlich darunter.
Bei der Supplementierung ist die Produktqualität entscheidend. Ein relevanter Marker für die Produktqualität ist ein niedriger TOTOX-Wert, der für einen geringen Grad an Oxidierung spricht und somit die Frische der Fisch- oder Algenöle widerspiegelt. Ebenso kann die Wahl der Bindungsform Einfluss auf die Bioverfügbarkeit von Omega-3-Fettsäure haben. So ist die Bioverfügbarkeit in der Triglyceridform am höchsten,14 was bei einer gezielten Supplementierung zu berücksichtigen ist, um einen möglichst großen Nutzen zu erzielen.
Vitamin D, Magnesium und Omega-3 sind drei bekannte Mikronährstoffe mit breiter physiologischer Wirkung. Es kommt jedoch immer wieder zu Mangelerscheinungen in der Bevölkerung, weshalb die Mikronährstoffe auch im Praxisalltag immer wieder relevant sind.
Wann und ob eine gezielte Supplementierung notwendig ist, hängt von individuellen Faktoren ab, welche im Rahmen einer Behandlung eruiert werden können.
Hier gilt: gezielte Laboranalysen helfen dabei, betroffene Personen zu identifizieren, um eine fundierte Entscheidung über Supplementierung oder Ernährungsumstellung zu treffen und auf diese Weise Mangelerscheinungen gezielt zu begegnen.
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