Wenn Medikamente Mangelware sind, merken das nicht nur Patienten, sondern auch Praxen. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Für Arztpraxen gilt einmal mehr: Vorsorge ist die beste Medizin.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte spricht von einem Lieferengpass, wenn ein Arzneimittel mehr als zwei Wochen nicht oder kaum erhältlich ist. Und genau das passiert häufig: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 1.514 Lieferengpassmeldungen aufgeführt. Zum Jahreswechsel 2026 lag die Zahl der Engpasspräparate bei knapp 550.
Besonders schlecht erhältlich waren 2025 Antipsychotika mit einer durchschnittlichen Engpassdauer von 230 Tagen und Antidepressiva mit rund 107 Tagen. Das sind Präparate, bei denen ein sprunghafter Wechsel des Wirkstoffs therapeutisch problematisch sein kann. Was lange als apothekeninternes Problem galt, ist längst in den Praxen angekommen. Bei einer Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin gaben im Jahr 2023 bereits 82 Prozent der befragten Praxen an, dass ihre Patienten nicht alle benötigten Arzneimittel bekommen.
Wie lange sich die Unterversorgung noch hinziehen wird, ist nicht bekannt. Doch immerhin ist das Problem klar benannt: Der Fokus der Wirkstoffproduktion auf wenige Hersteller, überwiegend in China und Indien, macht das System anfällig. Das in 2023 verabschiedete Gesetz (ALBVVG) zur Beseitigung der Lieferengpässe hat nach Auskunft der gesetzlichen Krankenkassen übrigens keine nennenswerten Erleichterungen gebracht. Der Zusatzaufwand, der durch Lieferengpässe entsteht, wird zum Großteil Leistungserbringern zugeschoben, also auch Arztpraxen. Ohne extra Vergütung informieren Mediziner Patienten über alternative Wirkstoffe, reduzieren Unsicherheiten und stellen neue Rezepte aus. Natürlich sind sie auch für Rückfragen aus der Apotheke erreichbar und für Versicherte, die das neue Präparat nicht vertragen.
Immerhin: Die Europäische Union arbeitet an Strategien gegen den Medikamentenmangel, etwa zur Stärkung der Lieferketten, zur besseren Koordination und auch zur teilweisen Rückverlagerung der Produktion. Spürbare Ergebnisse sind jedoch eher erst in den kommenden Jahren zu erwarten.
Folgende Kompensationsstrategien können euch, euren Mitarbeitern und vor allem euren Patienten helfen:
Lieferkettenprobleme und Medikamentenengpässe sind kritisch – aber mit ausreichend Weitblick durchaus vorhersehbar. Doch in diesen Fällen gilt: Gute Vorsorge ist die beste Medizin.
Pressemitteilung: Grafik des Monats Januar. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, 2026. Online
dpa: Lieferprobleme in Apotheken: Was fehlt – und was verfügbar ist. Thieme – Onko-Community, 2025. Online
Umfrage der KV Berlin: Medikamentenengpässe. Erfahrung und Einschätzung der Berliner Praxen. KV Berlin, 2023. Online
Pressemitteilung: EU-Strategien für die Bevorratung und medizinische Gegenmaßnahmen zur Stärkung der Krisenbereitschaft und der Gesundheitssicherheit. Europäische Kommission, 2025. Online
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