In einer normalen Schwangerschaft wird Sport empfohlen – denn Mutter und Kind profitieren davon. Unter welchen Umständen Training unheilsschwanger werden kann.
Dass die meisten sich zu wenig körperlich bewegen, liegt auf der Hand, etwa durch lange Bildschirmzeiten und sitzende Mobilität im Auto oder in der Bahn. Davon sind auch Schwangere nicht ausgenommen, obwohl gerade für sie Bewegung und Sport einen nachweislichen Benefit haben.
In der Schwangerschaft adaptiert sich der weibliche Körper an die veränderte Situation, indem einzelne Körperfunktionen neu austariert werden. Dabei nehmen Herzzeit- und Atemvolumen zu, renal steigt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und hämatologisch kommt es zu einer physiologischen Anämie und Hyperkoagulabilität. Das Risiko für thromboembolische Komplikationen erhöht sich. Gastrointestinal ist die Motilität verlangsamt, was zu Reflux und Obstipation führen kann, metabolisch nimmt die Insulinresistenz zu. Hormonelle Einflüsse und Gewichtszunahme beeinträchtigen Bewegungsapparat und Beckenboden, sodass orthopädische und urogynäkologische Probleme folgen können. Unter diesen physiologischen Veränderungen wäre Bewegungsarmut eher kontraproduktiv für eine Schwangere und ihr Kind.
Der neu gewählte Präsident des BVF (Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V.), Markus Haist, bringt die Rolle von Sport in der Schwangerschaft auf den Punkt:
„Sport gehört mit zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Gesundheit, das gilt ausdrücklich auch in der Schwangerschaft. Regelmäßige Bewegung stärkt Ausdauer, Muskeln und den Kreislauf und kann typische Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Wassereinlagerungen spürbar lindern. Zudem senkt Sport das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck. Und auch die mentale Gesundheit profitiert: Bewegung hebt die Stimmung, baut Stress ab und verbessert den Schlaf.“
Die Sorge, ob moderater Sport einer normalen Schwangerschaft schaden könnte, ist demnach unbegründet. Abgesehen von einzelnen nicht empfehlenswerten Sportarten, überwiegen die Vorteile für beide – Mutter und Kind. Körperlich aktive Schwangere haben ein geringeres Risiko für Komplikationen wie Gestationsdiabetes, hypertensive Erkrankungen und übermäßige Gewichtszunahme. Sie klagen seltener über Rückenschmerzen, Ödeme oder Inkontinenz. Bewegung vermindert die Thrombosegefahr und beugt Obstipation vor. Sport steigert das psychosoziale Wohlbefinden durch Freisetzung von Endorphinen. Von Seiten der Kinder werden in aktiven Schwangerschaften adäquatere Geburtsgewichte und weniger Frühgeburtlichkeit verzeichnet. Bei Risikoschwangerschaften wird aus medizinischer Sicht Sport eher eingeschränkt oder gar nicht empfohlen.
Eine Ausnahme bildet das Risiko Adipositas. Ein Problem, das immer häufiger im Fokus steht. Laut Leitlinie gilt hier das Gegenteil: „Adipösen Schwangeren soll empfohlen werden, sich in der Schwangerschaft vermehrt und regelmäßig zu bewegen und die Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung umzustellen.“
Folgende Warnsignale sollten in der Sprechstunde thematisiert werden, damit eine Schwangere erkennt, wann Sport eher kontraproduktiv ist und eine umgehende ärztliche Abklärung nötig ist:
Bei Risikoschwangerschaften ist eine individuelle ärztliche Beratung erforderlich, um zu klären, ob und welche Sportarten möglich sind:
Ideale Sportarten, besonders für sportliche Einsteigerinnen in der Schwangerschaft, sind gelenkschonende Bewegungsformen wie Walken, Schwimmen, Radfahren in der Ebene, sanftes Yoga oder Pilates. Erfahrene Sportlerinnen können ihr gewohntes Programm in modifizierter Form weiterführen, dabei sind persönliches Wohlbefinden und jeweiliges Schwangerschaftsalter maßgebend. Vermieden werden sollen Sportarten mit erhöhtem Sturz- oder Verletzungsrisiko wie Reiten, Mountainbiken, Ski- und Snowboardfahren, aber auch Kontaktsportarten wie Ball- oder Kampfsport. Bei schwerem Krafttraining mit Pressatmung fürchtet man den Druck im Bauchraum. Bei ruckartigen, schnellen Bewegungen und bei ungewohnten Sportarten können die hormonell veränderten Bänder und Sehnen gefährdet sein. Auch ungünstige Höhen- und Druckunterschiede (Tauchen, alpines Bergsteigen, Fallschirmspringen) sollten lieber auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben werden.
Im Schwangerschaftsverlauf ist im ersten Trimenon großzügiger Sport möglich, außer den genannten Extrem- und Kampfsportarten. Ab dem zweiten Trimenon wird allgemein von einer Rückenlage (Vena-cava-Syndrom) abgeraten, im dritten Trimenon ist eine allmähliche Reduktion der sportlichen Intensität geboten. Empfohlen werden 150 Minuten pro Woche (etwa 30 Minuten an mindestens fünf Tagen) einer moderat-intensiven Aktivität in Freizeit, Sport und Alltag, bei der man sich körperlich anstrengt.
Ist unter Belastung noch eine normale Unterhaltung möglich (Talk-Test), liegt die Anstrengung im grünen Bereich. Bezüglich der Herzfrequenz gilt: < 30 Jahre als Limit 169 Schläge/Minute, mit ≥ 30 Jahren sollte bei intensiver Belastung eine Frequenz von 162 Schlägen/Minute nicht überschritten werden.
Sportliche Einsteigerinnen kommen während der Schwangerschaft in Bewegung und sollten das Ausmaß langsam erhöhen. Erfahrene Sportlerinnen müssen nicht pausieren. Setzen sie den Fokus darauf fit zu bleiben und nicht auf Leistungssteigerung, liegen die Patientinnen hier genau richtig.
Als einfache Faustregel für die Beratung gilt: Schwangere mit normalem Verlauf und ohne Risikofaktoren sollen großzügig zu Bewegung und Sport animiert werden. Risikoschwangerschaften gilt es rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu beraten. Generell auf Sport in der Schwangerschaft zu verzichten, ist allerdings kontraproduktiv.
BVF: Fit mit Babybauch: Der BVF erklärt, warum Schwangere unbedingt aktiv bleiben sollten und gibt 7 Tipps, worauf es beim Sport ankommt. BVF, 2026. Online
Fenner und Cremer: Ist Sport in der Schwangerschaft erlaubt? Gesund-ins-leben, 2020. Online
Leitlinienprogramm DGGG/OEGGG/SGGG: Adipositas und Schwangerschaft, 2019. Online
Ferrari und Graf: Körperliche Aktivität in der Schwangerschaft, Präventives Potential, Die Gynäkologie, 2016. Online
Kramarz: Risikosportarten in der Schwangerschaft. Die Gynäkologie, 2016. Online
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