Mikronährstoffe sind Substanzen, die für zahlreiche biochemische und physiologische Prozesse im menschlichen Organismus unerlässlich sind.1
Sie stellen somit einen präventiven und unterstützenden Bestandteil körperlicher und psychischer Gesundheit dar.
Die Zufuhr von Mikronährstoffen erfolgt primär über eine bedarfsgerechte Ernährung oder bei nachgewiesenem Defizit, durch eine gezielte Supplementierung. Dabei ist eine evidenzbasierte und indikationsbezogene Anwendung klar von dem Prinzip „viel hilft viel“ abzugrenzen.2
Zu Mikronährstoffen gehören Vitamine, Mineralstoffe und im weiteren Sinne andere bioaktive Substanzen, die für die Aufrechterhaltung zentraler physiologischer Funktionen unverzichtbar sind. Sie liefern keine Energie, sind jedoch essenziell für zahlreiche Stoffwechsel- und Regulationsprozesse. Eine endogene Synthese ist vielfach nur eingeschränkt möglich.1 Mikronährstoffe übernehmen zentrale Funktionen in zellulären Abläufen und sind maßgeblich an der Immunfunktion, an neuronalen Signalwegen sowie an antioxidativen Schutzmechanismen beteiligt.
Anschaulich wird dies an folgenden Beispielen:
Im Arbeitsalltag begegnen Ärzte, Apotheker sowie weitere Gesundheitsfachberufe regelmäßig Patienten mit potenziellem oder manifestem Mikronährstoffmangel.
Die individuelle Versorgungslage dieser Patienten kann dabei von vielfältigen Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten, Gesundheitszustand, Alter sowie der Einnahme bestimmter Medikamente beeinflusst werden.
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Vitamin-D-Mangel. Insbesondere in den Wintermonaten ist aufgrund einer reduzierten UV-B-Strahlung eine ausreichende kutane Synthese von Vitamin D nicht immer gegeben.2,4
Eine langfristig verminderte Vitamin-D-Versorgung kann den Calcium- und Phosphathaushalt beeinflussen, was zu einer verminderten Knochenmineralisation führen kann. In der Folge kann sich über Jahre eine Osteoporose entwickeln, die mit einem erhöhten Frakturrisiko einhergehen kann.4,5 Doch nicht nur Vitamin D spielt bei der Entstehung von Osteoporose eine wichtige Rolle: Auch Magnesium ist wichtig für eine gesunde Differenzierung von Osteoblasten und bei der Suppression von Osteoklasten.6 Im Gegenzug gibt es Belege dafür, dass Vitamin-D-Mangel auch in der Pathogenese mehrerer Autoimmunerkrankungen involviert ist.7
Daran wird deutlich, dass Mikronährstoffe ihre Wirkung nicht nur isoliert entfalten, sondern im Zusammenspiel komplexer metabolischer und regulatorischer Netzwerke, in denen vielfältige Wechselwirkungen bestehen.5,8 Veränderungen in der Mikronährstoffversorgung können somit komplexe Folgeprozesse nach sich ziehen.
Zur Erfassung eines möglichen Mikronährstoffmangels und eines individuellen Bedarfs stehen verschiedene diagnostische Ansätze zur Verfügung, darunter labordiagnostische Analysen relevanter Parameter (z. B. Magnesium, Eisen, Vitamine) oder auch strukturierte Ernährungsanalysen (etwa durch die Auswertung von Ernährungsgewohnheiten).2
Eine gezielte Berücksichtigung des Mikronährstoffstatus kann die körperliche Gesundheit effektiv unterstützen. Um das Potenzial von Mikronährstoffen auszuschöpfen, lohnt es sich, den individuellen Bedarf von Patienten im Praxisalltag häufiger mitzudenken und gezielt zu prüfen. Dies kann einen wertvollen Beitrag zu einer ganzheitlichen und individuell ausgerichteten Patientenbetreuung leisten.
Auch in Ihrer Praxis gibt es sicher Patienten, bei denen sich eine gezielte Mikronährstoffversorgung positiv auswirken kann.
Referenzen:
1. Shergill-Bonner, R. (2017): Micronutritions. Paediatrics and Child Health. 27(8):357-362. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1751722217300926
2. Formmed. Mikronährstoffwissen, online abrufbar: https://formmed.de/wissen/mikronaehrstoffwissen/mikronaehrstoffmedizin/orthomolekulare-medizin-und-mikronaehrstoffmedizin (zuletzt aufgerufen Mai 2026).
3. Deutsche Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention e.V. Glossar, online abrufbar: https://www.dgnp.de/patienten/medizinlexikon/mikronaehrstoffe (zuletzt aufgerufen Mai 2026).
4. Berger, M. et al. (2022): ESPEN micronutrient guidline. Clinical Nutrition. 41(6):1357-1424. https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(22)00066-8/fulltext
5. Zmijewsi, A. (2019): Vitamin D and Human Health. 20(1):145. https://www.mdpi.com/1422-0067/20/1/145
6. Xing, W. et al. (2026): Magnesium metabolism: A potential breakthrough in osteoporosis intervention. 29(1):114437. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2589004225026987
7. Vincenzi, F. et al. (2026): The Role of Vitamin D in Autoimmune Diseases. Int. J. Mol. Sci. 27(1):555. https://www.mdpi.com/1422-0067/27/1/555
8. Turnham,D. (2004): An overview of interactions between micronutrients and of micronutrients with drugs, genes and immune mechanisms.Nutr Res Rev. 17(2):211-240. https://www.cambridge.org/core/journals/nutrition-research-reviews/article/an-overview-of-interactions-between-micronutrients-and-of-micronutrients-with-drugs-genes-and-immune-mechanisms/1859C713F84E7D055DD796C076C18C35
Bildquelle: KI-generiert