Sexistische Kommentare, unerwünschte Berührungen und Einladungen aufs Hotelzimmer: Medizinstudentinnen haben beim Deutschen Ärztetag öffentlich von übergriffigem Verhalten berichtet. Wie gängig ist das Problem unter Kollegen in der Medizin?
Beim 130. Deutschen Ärztetag in Hannover berichteten fünf Studentinnen auf der Bühne von übergriffigem Verhalten ihnen gegenüber auf dem Event. Es sei zu Kommentaren über ihr Aussehen und ihren Ausschnitt gekommen, zu unerwünschten Berührungen an Rücken und Gesäß sowie Einladungen auf Hotelzimmer und sexistischen Gesprächssituationen. Die Betroffenen betonten, dass es sich hierbei aber nicht um Einzelfälle handle, sondern eher um das Symptom eines „systemischen Problems“, dass sie ansprechen möchten.
Präsident Klaus Reinhardt sprach von „zutiefst verstörenden“ Berichten und kündigte Aufklärung sowie Schutzkonzepte, Selbstverpflichtungen und Compliance-Regeln an. Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt seien mit den Werten des ärztlichen Berufs nicht vereinbar. Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich „tief erschüttert und sprachlos“. Bereits im Vorfeld hatte eine Umfrage des Marburger Bundes Aufmerksamkeit erregt: Dreizehn Prozent der befragten Ärztinnen und -ärzte gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt zu haben.
Kurzerhand wurde beschlossen: Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung sollen ein Kernthema des kommenden Ärztetags werden.
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