Organoide als Testlabor: Neue Einsichten zu EPEC und Helicobacter
Ein Team um Prof. Sina Bartfeld hat ein Darm-Organoid-Modell entwickelt, mit dem sich der Infektionsweg des diarrhoeverursachenden Erregers EPEC (enteropathogene Escherichia coli) untersuchen lässt. Die im Labor aus gewebsresidenten Stammzellen gezüchteten, dreidimensionalen Mini-Gewebe bilden eine einlagige Zellschicht mit Hohlraum und reproduzieren zentrale Merkmale der Schleimhaut. Erste Ergebnisse zeigen, dass die von den Organoid-Zellen produzierte Schleimschicht eine wirksame, natürliche Barriere gegen EPEC darstellt. „Die Schleimschicht, die die Darmzellen produzieren, scheint dafür entscheidend zu sein. Wie sie genau aufgebaut ist und gebildet wird, das wollen wir in weiterführenden Arbeiten untersuchen“, sagt Bartfeld. Mit Organoiden aus Stammzellen verschiedener Altersgruppen wollen die Forscher außerdem klären, warum besonders junge Kinder von EPEC-Infektionen betroffen sind.
Auch für andere Erreger liefern Organoide neue Erkenntnisse: Magen-Organoide zeigten, dass Helicobacter pylori gezielt Grübchenzellen der Magenschleimhaut ansteuert; diese Zellen könnten dem Bakterium als bevorzugte Andockstelle dienen. Künftig sollen die Modelle bei der Untersuchung von Medikamentenstoffwechsel helfen und natürliche Mikrobiota im Darm-Organoid nachbilden können. Schon jetzt unterstützen sie dabei, Infektionsmechanismen besser zu verstehen und Anwendungen in personalisierter Medizin sowie Medikamententests zu ermöglichen. |