Kurz und intensiv, lang und moderat oder im Intervall: Dass Herzpatienten trainieren müssen, ist klar. Aber von welcher Form profitieren die Gefäße wirklich? So wird die Endothelfunktion auf Trab gehalten.
Für Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder chronischer Herzinsuffizienz ist die Endothelfunktion ein zentraler Baustein der Gefäßgesundheit. Also wird in der Behandlung auf Reha-Sport gesetzt. Während moderates Ausdauertraining den meisten Patienten wahrscheinlich eher taugt und bisher verbreitet ist, weist eine Studie aus Alicante jetzt darauf hin, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) die wirksamste und evidenzbasierteste Strategie zur Verbesserung der Endothelfunktion bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Die Studie hat unterschiedliche Trainingsformen direkt gegenüberstellt.
In einer Metaanalyse von 37 Studien wurden insgesamt 6.818 erwachsene Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder chronischer Herzinsuffizienz untersucht. Verglichen wurden verschiedene Trainingsmodalitäten und Intensitäten: moderat intensives aerobes Training (MAE), hochintensives Intervalltraining (HIIT), Krafttraining (RE) sowie kombinierte Programme.
Die Kernaussage: Alle Trainingsformen – mit Ausnahme von moderat intensivem Krafttraining allein – verbesserten die Endothelfunktion im Vergleich zur üblichen Versorgung. Die Stärke des Effekts variierte jedoch je nach Intensität und Struktur. Als „am konsistentesten und effektivsten“ stach hochintensives Intervalltraining heraus. Gegenüber moderatem kontinuierlichem Ausdauertraining führte HIIT zu größeren Verbesserungen der flussvermittelten Dilatation (FMD). Auf Basis der aktuellen Evidenz erscheint HIIT als robusteste Option, da sie moderat intensives kontinuierliches Training in der Verbesserung der Gefäßfunktion übertreffe, erklärt Studien-Co-Leiter José Manuel Sarabia.
Das Intervallprinzip erzeugt wiederholte Schwankungen von Blutfluss und Scherstress, welche als zentrale Stimuli für endotheliale Anpassungen gelten. Ein gesteigerter Scherstress erhöhe die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO), einem wichtigen Mediator der Vasodilatation und vaskulären Gesundheit. Die Analyse deutet zudem an, dass längere hochintensive Intervalle wirksamer sein könnten als kürzere – für eine Bestätigung seien jedoch weitere direkte Vergleichsstudien nötig.
Auch kombinierte hochintensive Programme (aerob plus Krafttraining) wurden verglichen. Sie zeigten die größten geschätzten Effekte auf die Endothelfunktion. Die Forscher betonen jedoch, dass diese Ergebnisse auf begrenzter Evidenz aus nur einer Interventionsgruppe beruhen und daher vorsichtig zu interpretieren seien. Der bisherige Klassiker des moderaten Ausdauertrainings verbesserte die Gefäßfunktion ebenfalls, allerdings in geringerem Ausmaß als die hochintensive-Intervall-Variante. Krafttraining allein zeigte keine signifikanten Effekte; als mögliche Gründe werden kürzere Interventionsdauern und begrenzte Daten genannt.
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursache weltweit. Eine bessere Endothelfunktion ist laut Mitteilung mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko und besseren klinischen Outcomes assoziiert. „Diese Ergebnisse helfen dabei, Trainingsverordnungen in der kardiologischen Rehabilitation zu präzisieren“, sagt Erstautorin Laura Fuertes Kenneally. „Sie unterstützen den Schritt hin zu personalisierteren und effektiveren Trainingsprogrammen.“
Die Autoren leiten aus den Ergebnissen ab, dass HIIT als primäre oder ergänzende Strategie in Reha-Programmen integriert werden könnte – vorausgesetzt, das Training erfolgt unter angemessener klinischer Überwachung. Außerdem hebt die Forschergruppe hervor: Die trainingsbedingten Verbesserungen waren spezifisch für die Endothelfunktion – bei der endothelium-unabhängigen Vasodilatation wurden keine signifikanten Veränderungen beobachtet. Das deute darauf hin, dass die Anpassungen vor allem auf Endothelebene stattfinden und nicht primär in der glatten Gefäßmuskulatur.
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