Duschen, Klimaanlagen, Warmwassersysteme: Legionellen lauern vielerorts. Gerade bei der Behandlung schwerer Pneumonien kann ihr Nachweis entscheidend sein – doch dafür müssen Ärzte (sie) mitdenken.
Der mutmaßliche Zusammenhang zwischen Legionellen und zwei Todesfällen in einem Friseursalon in Rheinland-Pfalz hat zuletzt bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Medienberichten zufolge stand zeitweise der Verdacht im Raum, dass eine Belastung der Wasserinstallation ursächlich für die Erkrankungen gewesen sein könnte. Auch wenn die genauen Zusammenhänge bislang nicht abschließend geklärt sind und die Betreiberin laut Berichterstattung entlastet wurde, macht der Fall deutlich: Legionellen sind keineswegs ein seltenes oder rein theoretisches Problem.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher, Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen oder immunsupprimierte Personen. Typisch für die Legionärskrankheit sind hohes Fieber, trockener Husten und nicht selten auch Symptome außerhalb der Lunge wie Diarrhö, neurologische Auffälligkeiten oder Hyponatriämie. Gerade schwere Verläufe mit intensivmedizinischer Behandlungspflicht gehören dabei keineswegs zu den Ausnahmen.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden in Deutschland jährlich mehrere tausend Legionellosen registriert. Gleichzeitig ist von einer erheblichen Unterdiagnostik auszugehen. Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Man muss an Legionellen denken, um sie diagnostizieren zu können. Die aktuelle S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie empfiehlt bei stationär behandelten Patienten ausdrücklich eine Legionellen-Diagnostik mittels Urin-Antigentest. Im klinischen Alltag wird diese Empfehlung jedoch häufig nicht konsequent umgesetzt. Eine Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf konnte zeigen, dass die empfohlene Diagnostik nur bei einem Teil der Patienten tatsächlich durchgeführt wurde. Dadurch bleiben Fälle unerkannt – mit Konsequenzen für Therapie, Antibiotic Stewardship und epidemiologische Erfassung. Dabei ist die Diagnostik vergleichsweise unkompliziert: Der Legionellen-Urinantigentest liefert rasch Ergebnisse und erfasst insbesondere Legionella pneumophila Serogruppe 1, die für den Großteil schwerer Erkrankungen verantwortlich ist. Ergänzend kommen PCR-basierte Verfahren oder Kulturen aus respiratorischem Material zum Einsatz.
Mindestens ebenso wichtig wie die Diagnostik ist die Prävention. Die Trinkwasserverordnung regelt in Deutschland die Untersuchungspflicht größerer Warmwassersysteme auf Legionellen. Betroffen sind insbesondere Anlagen in Wohngebäuden, Hotels, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Eine Untersuchungspflicht besteht unter anderem bei zentralen Warmwasserspeichern mit mehr als 400 Litern Inhalt oder bei Leitungssystemen mit mehr als drei Litern Wasser zwischen Speicher und Entnahmestelle.
Wird dabei der technische Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 ml erreicht, müssen Betreiber reagieren. Dazu gehören technische Überprüfungen, Risikoabschätzungen und gegebenenfalls Sanierungsmaßnahmen. Gleichzeitig darf man sich von Grenzwerten nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen: Auch niedrigere Konzentrationen können bei Vorliegen virulenter Legionellenstämme und entsprechender Exposition Erkrankungen verursachen. Besonders relevant ist dies in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Dort treffen komplexe Wasserinstallationen auf vulnerable Patienten mit erhöhter Infektionsanfälligkeit. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Prävention und technische Überwachung.
Legionellen sind damit weit mehr als ein hygienetechnisches Randthema. Sie gehören zu den wichtigen, wahrscheinlich weiterhin unterschätzten Ursachen schwerer Pneumonien. Die entscheidende Voraussetzung für die Diagnose bleibt dabei oft erstaunlich simpel: überhaupt an Legionellen zu denken.
Zwei Tote nach Legionellen in Salon – Betreiberin entlastet. Zeit, 2026. Online
Legionellose. RKI Ratgeber, 2021. Online
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Ettemeyer et al.: High burden of RSV and influenza in patients presenting with suspected pneumonia in the emergency room of a German tertiary hospital in fall of 2022. INFECTION, 2023. doi: 10.1007/s15010-023-02069-w
Sicherung der hygienischen Qualität von untersuchungspflichtigen Trinkwasserinstallationen durch die Trinkwasserverordnung. RKI, 2024. Online
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