Fast Food, Softdrinks, Prädiabetes – und Jahre später Parkinson? Metabolische und neurologische Prozesse sind eng verknüpft. Warum wir Blutzucker als neuroprotektiven Stellhebel berücksichtigen sollten.
Dass Ernährung bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle spielt, ist nicht neu. Neuere Forschungsansätze deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet. Chronische Verstopfung und Veränderungen des Darmmikrobioms gelten als mögliche Frühzeichen – oft Jahre vor den ersten motorischen Symptomen.
Belastbarer wird das Bild durch eine Metaanalyse von 15 Kohortenstudien mit knapp 30 Millionen Teilnehmern: Menschen mit Diabetes mellitus haben demnach ein rund 27 Prozent höheres relatives Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bemerkenswert: Selbst bei Prädiabetes zeigte sich ein messbarer Risikoanstieg.
Privatdozentin Eva Schäffer, Sprecherin der DGN-Taskforce Prävention, verweist auf eine spanische Kohortenstudie, die diesen Befund stützt: „Das Parkinson-Risiko ist bereits bei Prädiabetes erhöht.“
In Anbetracht von rund 450.000 Neuerkrankungen pro Jahr und geschätzten 12,3 Millionen Betroffenen bis 2040 ist die Tragweite erheblich. DGN-Präsidentin Prof. Daniela Berg bringt es auf den Punkt: „Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention.“ Das zentrale Instrument: Ernährung. Eine mediterrane Kost – reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und Fisch, arm an Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln – schützt nachweislich vor Typ-2-Diabetes und ist gleichzeitig mit einem geringeren Parkinson-Risiko assoziiert (siehe hier und hier).
Für das Patientengespräch liefert Berg ein pragmatisches Argument: Viele Patienten unterschätzen, wie viel Zucker und gesättigte Fette sie täglich über Fast Food oder Softdrinks zu sich nehmen – ohne es zu bemerken.
Auf politischer Ebene fordert Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), über Aufklärung hinaus konkrete Maßnahmen: „Wir brauchen eine verantwortungsvolle Präventionspolitik, die mutig und unideologisch Reformen anpackt“ – darunter eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer nach britischem Vorbild.
Die Botschaft für klinisch tätige Ärzte ist klar: Wer Patienten mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes berät, sollte das erhöhte Parkinson-Risiko explizit ansprechen. Ernährungsumstellung ist hier kein weicher Lifestyle-Ratschlag, sondern evidenzbasierte Neuroprotektion.
Seelarbokus et al.: Mediterranean Diet Adherence, Gut Microbiota and Parkinson's Disease: A Systematic Review. Nutrients, 2024, doi: 10.3390/nu16142181.
Solch et al.: Mediterranean diet adherence, gut microbiota, and Alzheimer's or Parkinson's disease risk: A systematic review. J Neurol Sci., 2022, doi: 10.1016/j.jns.2022.120166.
Aune et al.: Diabetes mellitus, prediabetes and the risk of Parkinson's disease: a systematic review and meta-analysis of 15 cohort studies with 29.9 million participants and 86,345 cases. Eur J Epidemiol., 2023, doi: 10.1007/s10654-023-00970-0.
Sánchez-Gómez et al.: Prediabetes, type 2 diabetes mellitus and risk of Parkinson's disease: A population-based cohort study. Parkinsonism Relat Disord. 2021, doi: 10.1016/j.parkreldis.2021.06.002.
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