Regelmäßiger Nusskonsum wirkt sich positiv auf die Spermien aus. Besonders auffällig: Schon eine Portion täglich kann den Unterschied machen – aber nicht jede Nuss hat den gleichen Effekt.
Weltweit ist etwa jedes sechste Paar von Unfruchtbarkeit betroffen. In schätzungsweise 30 bis 50 Prozent aller Fälle liegt es am Mann. Neben genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen rücken zunehmend modifizierbare Lebensstilfaktoren in den Fokus der Forschung – allen voran die Ernährung, die Bewegung und die metabolische Gesundheit. Das führt zur Frage, ob bestimmte Nahrungsmittel die Spermatogenese beeinflussen. Während die mediterrane Ernährung bereits mit besseren Samenparametern in Verbindung gebracht wurde, fehlten bislang belastbare Daten aus der Allgemeinbevölkerung zu einzelnen Lebensmittelgruppen. Genau hier setzt eine aktuelle Auswertung der Led-Fertyl-Studie an, publiziert in Andrology. Das Akronym „Led-Fertyl“ steht für „Lifestyle and environmental determinants associated with the seminogram and other parameters related to male fertility“.
Die Untersuchung basiert auf Daten von 222 gesunden Männern zwischen 18 und 40 Jahren. Entscheidend ist: Anders als viele frühere Studien haben die Forscher keine Patienten aus Kinderwunschzentren untersucht, sondern Probanden aus der Allgemeinbevölkerung ohne bekannte Fertilitätsprobleme. Die Ernährung wurde mittels validierten Food-Frequency-Fragebögen erfasst. Bei der Auswertung haben die Autoren alle Teilnehmer anhand ihres Nusskonsums in drei Gruppen eingeteilt:
Eine Portion entsprach dabei 30 Gramm. Parallel dazu analysierten Wissenschaftler klassische Spermiogramm-Parameter gemäß der WHO-Kriterien, darunter die Spermienkonzentration, ihre Gesamtzahl, Motilität, Vitalität und ihre Morphologie.
Die Ergebnisse zeigen: Männer mit einem hohen Nusskonsum von sieben oder mehr Portionen pro Woche wiesen eine signifikant höhere Gesamtzahl und Konzentration der Spermien auf als Probanden in der Gruppe mit dem geringsten Konsum. Absolut waren es 210,3 Millionen versus 135,5 Millionen Spermien pro Ejakulat. Bemerkenswert ist die lineare Beziehung, die als Dosis-Wirkungs-Beziehung interpretiert werden kann: Mit jeder zusätzlichen Nussportion pro Tag stiegen sowohl die Spermienzahl als auch die Spermienkonzentration im Ejakulat weiter an. Diese Assoziation blieb auch nach Adjustierung für zahlreiche Einflussfaktoren bestehen, etwa dem Body-Mass-Index, dem Tabakkonsum, der körperliche Aktivität und der Gesamtenergiezufuhr.
Außerdem zeigte sich ein klinisch relevanter Effekt auf die Funktionalität: Männer mit hohem Nusskonsum hatten ein um 75 Prozent geringeres Risiko für eine eingeschränkte Spermienmotilität sowie ein um 69 Prozent verringertes Risiko für pathologische Spermiogramme. Bei anderen Parametern, etwa der Morphologie, zeigten sich hingegen keine signifikanten Unterschiede zu Probanden, die weniger Nüsse auf dem Speiseplan hatten.
Ein praxisrelevanter Aspekt der Studie ist die Simulation typischer Situationen im Alltag. Anhand ihrer Daten haben die Autoren modelliert, wie sich der Ersatz einer Portion Nüsse pro Tag durch andere Snacks auswirkt. Wer alternativ Chips oder industriell hergestellte Backwaren verspeist, hatte eine niedrigere Spermienzahl und Spermienkonzentration.
Interessanterweise zeigte sich dieser negative Effekt nicht beim Ersatz von Nüssen durch Joghurt. Dies deute darauf hin, dass nicht allein der Verzicht auf Nüsse, sondern vor allem die Qualität der Ernährung entscheidend sei, schreiben die Autoren. Wissenschaftlich ist also noch viel zu tun.
Die biologischen Mechanismen hinter den Beobachtungen decken sich mit früheren experimentellen Daten: Nüsse sind reich an antioxidativen Substanzen wie Vitamin E, Vitamin C, Selen und Polyphenolen sowie an ungesättigten Fettsäuren. Oxidativer Stress gilt als zentraler Pathomechanismus männlicher Infertilität. Reaktive Sauerstoffspezies können die DNA-Integrität der Spermien beeinträchtigen und deren Funktion einschränken. Antioxidantien aus der Nahrung wirken diesem Prozess entgegen.
Dabei waren nicht alle Nusssorten gleich stark mit positiven Effekten assoziiert. Während es bei Mandeln und Pistazien deutliche Zusammenhänge gab, blieben diese bei Walnüssen in der vorliegenden Analyse aus – möglicherweise aufgrund unterschiedlicher Mikronährstoffe, vermuten die Autoren.
Trotz der überzeugenden Ergebnisse hat die Arbeit Limitationen. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie, sodass keine kausalen Schlüsse gezogen werden können. Zudem basiert die Ernährungsanalyse auf Selbstauskünften, was zu Verzerrungen führen kann. Auch die Analyse eines einzelnen Ejakulats pro Teilnehmer berücksichtigt nicht die individuelle Variabilität der Spermiogramm-Parameter. Offen bleibt darüber hinaus, inwieweit die beobachteten Effekte die Fertilität wirklich beeinflussen.
Trotz dieser Einschränkungen liefern die Daten einen wichtigen Impuls für die andrologische Beratung. Sie zeigen einmal mehr, dass die Ernährung ein relevanter, modifizierbarer Faktor der männlichen Fertilität ist. Die Empfehlung, regelmäßig Nüsse zu konsumieren, lässt sich also nicht nur – wie bekannt – aus Sicht der Kardiologie, sondern ebenfalls aus dem Blickwinkel der Fertilitätsmedizin begründen. Ob sich diese Effekte in prospektiven Studien mit harten klinischen Endpunkten wie Schwangerschaftsraten bestätigen, bleibt abzuwarten.
Quelle
Dávila-Córdova et al.: Nut consumption and sperm quality in healthy men: Results from the Led-Fertyl study. Andrology, 2026. Doi: 10.1111/andr.70204
Bildquelle: NorWood Teams, Unsplash