Anti-Amyloid-Antikörper sind in der Therapie von Alzheimer nichts Neues, ihre Nebenwirkungen leider auch nicht. Forscher möchten das Problem jetzt mit einem Kombinations-Ansatz lösen – und bedienen sich hierfür in der Küche.
Wenn bei Alzheimer-Patienten Anti-Amyloid-Antikörper zum Einsatz kommen, ist das Ziel klar: die toxischen Amyloid-Proteine im Gehirn zu adressieren. Gleichzeitig stehen Risiken wie Hirnschwellungen und Blutungen im Raum. Eine neue Arbeit beschreibt nun einen Ansatz, der genau an dieser Stelle ansetzt – und Antikörper mit amyloid-zerstörenden kleinen Molekülen kombiniert.
Forscher an der University of Waterloo kombinierten Anti-Amyloid-Antikörper, die bereits in der Alzheimer-Therapie eingesetzt werden, mit kleinen Molekülen aus Mikronährstoffen, die in Trauben, Beeren, Erdnüssen und Kurkuma vorkommen. In der Studie neutralisierte die Kombination die Verklumpung der Proteine, die sich im Gehirn anreichern. Als zwei der eingesetzten kleinen Moleküle nennt das Team Resveratrol und Curcumin. „Wir wissen bereits, dass die kleinen Moleküle Resveratrol oder Curcumin, die in einigen gängigen Lebensmitteln vorkommen, die Anhäufung von Amyloid blockieren“, sagte Dr. Praveen Nekkar Rao, Professor an der School of Pharmacy in Waterloo. „Neu und aufregend ist unsere Kombination dieser Moleküle mit den Anti-Amyloid-Antikörpern. Dieser Ansatz könnte es Kliniken ermöglichen, niedrigere Dosen von Antikörpern zu verwenden und damit potenziell das Risiko schwerer behandlungsbedingter Nebenwirkungen zu senken.“
Alzheimer wird als Hauptursache von Demenz beschrieben. In Kanada sind nahezu 750.000 Menschen von Demenz betroffen, bis 2030 werden eine Million Fälle erwartet. Eine Heilung gibt es bisher nicht; aktuelle Medikamente lindern nur Symptome. Anti-Amyloid-Antikörpertherapien können die Erkrankung zwar verlangsamen, gehen aber mit Risiken einher, die tödlich sein können – darunter Hirnschwellungen und Blutungen.
Vor dem Hintergrund weniger wirksamer Therapieoptionen untersuchten die Forscher, ob zwei Behandlungsansätze zusammen besser wirken als einer allein. Ausgewählt wurden Resveratrol und Curcumin, weil sie als natürliche Verbindungen beschrieben werden, die Amyloid-Anhäufung und Entzündung reduzieren.
Nekkar Rao begründet den Ansatz mit einem Blick in die Onkologie: „Ich wurde von der Chemotherapie inspiriert, bei der mehrere Medikamente für eine wirksame Behandlung eingesetzt werden“, sagte er. „Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung, aber es gibt nur sehr wenige Ansätze für Kombinationstherapien. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Weg nach vorn definitiv Kombinationstherapie ist.“
Die Forscher betonen, dass die Studie nicht nahelegt, Resveratrol oder Curcumin zu konsumieren, um Demenz zu verhindern oder zu behandeln. Welche Menge aufgenommen werden müsste, um das Gehirn zu erreichen, ist noch unbekannt. In der nächsten Forschungsphase soll es daher um die Entwicklung einer „nächsten Generation“ von Wirkstoffen gehen, die das Gehirn effektiver erreichen, günstig mit Amyloiden interagieren und sich mit Antikörperbehandlungen kombinieren lassen.
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