Katzen sind für ihr wählerisches Fressverhalten bekannt: Oft wenden sie sich ab, bevor sie satt sind. Was dahinter steckt, hat weniger mit Hunger zu tun als mit einem unterschätzten Reiz.
Die Szene ist im Alltag vieler Tierhalter bekannt: Die Katze frisst zunächst mit Appetit, wendet sich dann aber scheinbar grundlos vom Napf ab. Dass dahinter nicht zwangsläufig ein Sättigungsgefühl steckt, legt nun eine experimentelle Untersuchung nahe. Vielmehr scheint die Gewöhnung an sensorische Reize – insbesondere Gerüche – eine zentrale Rolle für die Futteraufnahme zu spielen.
In einer Studie erhielten Katzen in kontrollierten Fütterungsversuchen ihr Futter in sechs aufeinanderfolgenden Zyklen. Jeder Zyklus bestand aus einer 10-minütigen Fütterungsphase und einer anschließenden 10-minütigen Pause. Wurde dabei wiederholt dasselbe Futter angeboten, reduzierte sich die aufgenommene Menge schrittweise über die einzelnen Durchgänge hinweg. Anders verhielt es sich, wenn unterschiedliche Futtersorten nacheinander präsentiert wurden: In diesem Fall fiel die Abnahme der Futteraufnahme deutlich geringer aus.
Um zu prüfen, ob sich dieser Effekt umkehren lässt, variierten die Forscher im nächsten Schritt die Futterabfolge. Katzen erhielten in fünf aufeinanderfolgenden Durchgängen dasselbe Futter, im sechsten Durchgang wurde ein anderes angeboten. Während die Futteraufnahme von der ersten bis zur fünften Runde signifikant abnahm, stieg sie im sechsten Durchgang erneut an – unabhängig davon, ob das neue Futter als schmackhafter oder weniger schmackhaft galt.
Ein besonders auffälliger Befund ergab sich aus weiteren Versuchen: Selbst ohne Wechsel des Futters führte bereits der Geruch eines anderen Futters zu einer erneuten Steigerung der Nahrungsaufnahme. Umgekehrt verstärkte eine kontinuierliche Exposition gegenüber demselben Futtergeruch in den Pausen die Abnahme der Futteraufnahme in den folgenden Zyklen. Wurde hingegen während dieser Intervalle ein anderer Geruch präsentiert, ließ sich dieser Effekt abschwächen.
„Diese Ergebnisse legen nahe, dass Katzen nicht einfach aufhören zu fressen, weil sie satt sind. Vielmehr nimmt ihre Fressmotivation ab, wenn sie sich an den Geruch des Futters gewöhnen, und sie kann durch einen neuen Geruch wiederhergestellt werden. Sensorische Neuheit, insbesondere olfaktorische, kann die Fressmotivation bei Katzen reaktivieren“, erklärt Professor Miyazaki.
Die Daten liefern damit erstmals experimentelle Hinweise darauf, dass geruchsabhängige Gewöhnungs- und Entwöhnungsprozesse das typische Fressverhalten von Hauskatzen mit häufigen, kleinen Mahlzeiten erklären könnten. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse praktische Relevanz haben, etwa für Fütterungsstrategien bei Katzen mit reduziertem Appetit, für das Ernährungsmanagement älterer oder kranker Tiere sowie für die Entwicklung von Futtermitteln mit gezielter olfaktorischer Variation.
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Bildquelle: Mathieu Odin, Unsplash