Ob bei der Erstdiagnostik oder in der Verlaufskontrolle: Das fäkale Calprotectin (FC) ist ein häufig eingesetzter Biomarker bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED).
Calprotectin ist ein heterodimeres, calcium- und zinkbindendes Protein, das vorwiegend im Zytosol von neutrophilen Granulozyten vorkommt, aber auch in geringeren Mengen in Monozyten/Makrophagen zu finden ist. Es verfügt über direkte antimikrobielle Effekte und moduliert die angeborene Immunantwort. Durch die Akkumulation von neutrophilen Zellen in entzündeten Schleimhäuten wird Calprotectin bei mukosalen Entzündungsprozessen freigesetzt und im Stuhl nachweisbar.1
Fäkales Calprotectin (FC) dient als Marker für intestinale Entzündungsaktivität (neutrophilengetrieben), ist jedoch nicht krankheitsspezifisch und kann auch bei anderen entzündlichen Darmerkrankungen erhöht sein.1
FC hat sich als sensitiver und ausreichend spezifischer Marker etabliert, um eine organische entzündliche Darmerkrankung von funktionellen Abdominalbeschwerden, z. B. dem Reizdarmsyndrom, abzugrenzen.1,2 Dies kann, insbesondere in der Primärversorgung, die Notwendigkeit einer sofortiger koloskopischer Abklärung bei ausgewählten Patient:innen reduzieren.1 Die isolierte Betrachtung des FC-Wertes vermag zwar keine Diagnose von CED zu leisten, die Erhebung des fäkalen Markers im Rahmen einer ausführlichen Primärdiagnostik kann jedoch Hinweise auf die intestinale Entzündungsaktivität liefern.3,4
Obwohl die Diagnose von CED weiterhin komplex bleibt und eine Kombination aus ausführlicher Anamnese sowie endoskopischen, histologischen und bildgebenden Verfahren zur Sicherung erfordert,3,4 korreliert FC als Teil der laborchemischen Diagnostik gut mit endoskopischen Aktivitätsparametern und gilt als verlässlicher Surrogatmarker für intestinale/mukosale Entzündungsaktivität.5
So empfehlen auch die aktuellen Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn (MC) die quantitative Bestimmung von FC in der klinischen Differentialdiagnostik. Des Weiteren kann FC in der Verlaufsdiagnostik bei Patient:innen in Remission zum Einsatz kommen. Nach dem Beginn oder dem Wechsel einer Therapie sollten zur Evaluation des Therapieansprechens innerhalb der ersten drei Monate biochemische Marker wie FC erhoben und in Kombination mit klinischem Bild und einer Darmsonographie interpretiert werden.3
Auch bei Colitis ulcerosa (CU) empfehlen die entsprechenden Leitlinien die Erhebung fäkaler Neutrophilenmarker im Rahmen der laborchemischen Befundung. Zwar kann die Bestimmung des FC-Wertes keine Aussage zur Ursache intestinaler Entzündung liefern und ist so primärdiagnostisch von limitiertem Nutzen, doch insbesondere in der Differentialdiagnostik zur Abgrenzung einer CU von einer Reizdarmsymptomatik sollte die Bestimmung von FC genutzt werden.4
Wichtig: Fäkales Calprotectin ist nicht geeignet, die Primärdiagnose von MC oder CU alleine zu sichern. Die Bestimmung des FC-Wertes kann im Rahmen einer umfassenden anamnestischen, laborchemischen, endoskopischen und histologischen Diagnostik jedoch eine Diagnosestellung unterstützen.3,4
Es besteht eine robuste Korrelation zwischen fäkalen Calprotectin-Konzentrationen und klinischer, endoskopischer sowie histologischer Entzündungsaktivität bei MC und CU. Höhere Werte spiegeln in der Regel höhere neutrophile Infiltrate und damit aktive mukosale Entzündung wider.5 Wie auch in der CED-Diagnostik ist eine isolierte Betrachtung des FC-Wertes zur Verlaufskontrolle nicht geeignet, die Erhebung kann jedoch in Verbindung mit klinischen Parametern, weiteren laborchemischen Ergebnissen und bildgebenden Verfahren sinnvoll sein.3,4
FC wird im klinischen Alltag genutzt zur:
Nicht-invasive FC-Messungen erlauben eine engmaschigere Überwachung, insbesondere wenn wiederholte Endoskopien nicht praktikabel sind.1 Dabei sollte FC stets im Kontext des klinischen Bildes und weiterer Untersuchungsergebnisse interpretiert werden.
Fäkales Calprotectin hat sich als zentraler nicht-invasiver Biomarker in der Versorgung von Patienten mit CED etabliert. Seine klinische Relevanz umfasst die:
In Kombination mit klinischen und endoskopischen Daten unterstützt FC eine datenbasierte und patientenzentrierte Therapieführung in der modernen CED-Versorgung.
EXA/DE/ENTY/2016