Um Rezidive beim Prostatakarzinom zu verhindern, werden in der Regel mittels Spritze Androgene supprimiert. Jetzt zeigt sich: Das geht auch per Östrogen-Pflaster – und mit weniger Nebenwirkungen. Doch ein Haken bleibt.
Eine große klinische Studie aus Großbritannien liefert Hinweise darauf, dass transdermale Hormonpflaster eine gleichwertige Alternative zur etablierten Injektion beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom sein könnten – bei gleichzeitig günstigerem Nebenwirkungsprofil.
Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht metastasiertem Prostatakarzinom gehört die Androgendeprivationstherapie (ADT) zum Standard. Üblicherweise erfolgt diese über LHRH-Agonisten, die per Injektion verabreicht werden und die Testosteronproduktion unterdrücken. Ein Forscherteam des University College London hat nun eine alternative Strategie untersucht: transdermale Estradiol-Pflaster. Diese senken den Testosteronspiegel indirekt durch die Gabe von Östrogen über die Haut.
In die randomisierte Studie wurden 1.360 Patienten eingeschlossen. Sie erhielten entweder Estradiol-Pflaster oder die Standardtherapie mit LHRH-Agonisten. Nach mindestens drei Jahren war zu sehen: 87 % der Patienten in der Pflastergruppe zeigten progressionsfreies Überleben, 86 % in der Injektionsgruppe. Damit erwiesen sich beide Therapieformen als vergleichbar effektiv hinsichtlich der Tumorkontrolle.
Unterschiede zeigten sich hingegen bei den Nebenwirkungen: Unter Estradiol-Pflastern traten deutlich weniger Hitzewallungen auf (44 % vs. 89 %), zudem war das Risiko für kardiometabolische Veränderungen geringer und es kam seltener zu Problemen mit der Knochendichte sowie zu Frakturen (2,8 % vs. 5,8 %). Allerdings wurde deutlich häufiger eine Gynäkomastie beobachtet (85 % vs. 42 %). Der Vorteil der Pflaster liegt vermutlich darin, dass sie den Östrogenspiegel nicht senken – im Gegensatz zur klassischen ADT, bei der durch Testosteronreduktion auch weniger Östrogen gebildet wird. Ein weiterer praktischer Vorteil: Während LHRH-Agonisten regelmäßige Arztbesuche erfordern, können Pflaster von den Patienten selbst zu Hause angewendet werden. Das macht die Therapie weniger invasiv und potenziell alltagstauglicher.
Ein Haken bleibt aber: Estradiol-Pflaster sind derzeit nicht zur Behandlung des Prostatakarzinoms zugelassen und werden – wenn überhaupt – off-label eingesetzt. Für eine breite Anwendung wäre eine entsprechende Zulassung erforderlich. Ob sich die Pflaster in der klinischen Praxis durchsetzen, hängt nun maßgeblich von regulatorischen Entscheidungen ab.
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