Immer mehr tropische Infektionskrankheiten schaffen es nach Mitteleuropa. Jüngst im Angebot: das Dengue-Virus. Wie Forscher eine Ausbreitung mithilfe von Bakterien und Bestrahlung verhindern wollen.
Im Kampf Mensch gegen Dengue können aktuell beide Seiten einen Erfolg für sich verbuchen: Das ursprünglich tropische Dengue-Virus hat bei seiner Ausbreitung rund um die Welt weiter Boden gutgemacht und konnte nun erstmals in einer Tigermücke (Aedes aegypti) nördlich der Alpen nachgewiesen werden; der Klimawandel macht’s möglich. In Singapur dagegen konnte ein Forscherteam gegen das Virus punkten: Der Gruppe gelang es, sowohl die Vermehrung von Aedes-Mücken, als auch die Übertragung von Dengue-Viren mithilfe von Wolbachia-Bakterien deutlich zu reduzieren.
Dengue ist eine derjenigen Infektionskrankheiten, die sich weltweit am schnellsten ausbreiten. Die WHO schätzt, dass sich pro Jahr 100 bis 400 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren – mit steigender Tendenz und hohen Dunkelziffern, weil leichte Verläufe oft nicht diagnostiziert werden. Das Virus ist heute in allen tropischen und subtropischen Gebieten der Welt verbreitet. Immer wieder kommt es dabei zu größeren Ausbrüchen, aktuell etwa in Mittel- und Südamerika oder auf den Malediven.
Mit der Ausbreitung seiner tropischen Überträgermücken – hauptsächlich der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) und der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) – in gemäßigte Klimazonen hat das Dengue-Virus in den letzten Jahren auch in Südeuropa Fuß gefasst. Infektionen, die nicht bei Reiserückkehrern auftraten, sondern vor Ort erworben wurden, gab es 2025 etwa in Norditalien (4 Infektionen) und Südfrankreich (29 Infektionen).
Wie der Kanton Basel-Stadt nun berichtet, konnte erstmals das Dengue-Virus in einer vor Ort gefangenen Aedes-Mücke nachgewiesen werden. Dem Bericht zufolge wurde das Dengue-Erbgut erst jetzt in einem Pool von Aedes-Mücken nachgewiesen, die bereits 2024 im Rahmen eines Pilotmonitorings gesammelt worden waren. Es handele sich um den ersten Nachweis des Virus in einer Mücke, die nördlich der Alpen gefangen worden sei, betont das zuständige Kantonale Laboratorium Basel-Stadt, das die Analyse in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut vorgenommen hatte. In dem Bericht wird die Bevölkerung erneut dazu aufgerufen, mögliche Mückenbrutstätten wie Pflanzentopfuntersetzer, Regentonnen oder andere Wasseransammlungen – etwa in Gießkannen oder alten Autoreifen –regelmäßig zu leeren und zu trocknen. Denn in jeder noch so kleinen Wasserlache kann im Sommer binnen weniger Tage eine neue Mückengeneration heranwachsen.
Einen weiteren Weg, die Verbreitung von Aedes-Mücken samt den in ihr lauernden Viren einzudämmen, stellt ein Forscherteam aus Singapur nun vor. Wie die Wissenschaftler im New England Journal of Medicine berichten, konnten sie sowohl die Zahl der Mücken, als auch die Zahl der Dengue-Infektionen in ausgewählten Stadtteilen von Singapur deutlich reduzieren. Das gelang durch die Freisetzung männlicher Gelbfiebermücken, die zuvor mit Wolbachia-Bakterien infiziert und bestrahlt worden waren.
Außerdem machten die Forscher sich die Tatsache zunutze, dass infizierte Aedes-Männchen mit nicht-infizierten Aedes-Weibchen keine Nachkommen zeugen können, ein Effekt, der als cytoplasmatische Inkompatibilität bezeichnet wird (mehr dazu hier). Durch die Bestrahlung stellten sie zudem sicher, dass keine fruchtbaren Weibchen mit in die Umwelt entlassen wurden.
Während frühere Versuche mit der Freisetzung von Wolbachia-infizierten Mücken uneinheitliche Ergebnisse brachten, erzielte das Singapurer Forschungsteam nun mit der Kombination aus Bakterium und Bestrahlung einen beachtlichen Erfolg. Am Ende der zweijährigen Versuchsperiode fanden sich in speziellen Aedes-Fallen rund siebenmal weniger Mücken als in Vergleichsregionen ohne Mückenfreisetzung. Die Zahl der registrierten Dengue-Infektionen war gegenüber den Referenzregionen um immerhin 71 bis 72 % verringert.
Die Forscher sehen die Methode als Ergänzung zu bisherigen Versuchen, Aedes-Mücken und die von ihnen übertragenen Krankheitserreger einzudämmen – etwa durch die oben beschriebene Brutstätten-Minimierung, den gezielten Einsatz von Insektiziden und Impfungen. Weil Wolbachia die Virenvermehrung in Mücken generell unterbindet, sei anzunehmen, dass mit dem Verfahren auch die Übertragung anderer Viren gebremst werden könne.
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