Thrombozytenreiches Plasma soll für vieles gut sein – auch bei der Behandlung atrophischer Schleimhäute. Ließe sich so die Sexualfunktion verbessern? Für wen dieser Ansatz hilfreich sein könnte.
Nahezu jede Körperfunktion wird mittlerweile mit Hilfe von Scores beurteilt. Das mag für die meisten Bereiche in der Medizin nötig sein. Für die weibliche Sexualität gibt es den sogenannter Female Sexual Function Index (FSFI-Score), der auch bei der Eigenblutspende zur Optimierung weiblicher Sexualität eine Rolle spielt.
Der Female Sexual Function Index (FSFI) ist ein validierter Fragebogen zur Erfassung der weiblichen Sexualfunktionen, unter anderem für Studienzwecke und in der sexualmedizinischen Diagnostik. In der Standardversion werden 19 Items aus sechs Bereichen ausgewertet: Libido, Erregung, Lubrikation, Orgasmus, Zufriedenheit und Schmerzen. Das Ergebnis kann zwischen 2 und 36 Punkten liegen, wobei kleine Zahlenwerte auf eine niedrigere sexuelle Funktion hinweisen. Das sexuelle Aktivitätsniveau der letzten 4 Wochen geht ebenfalls in die Auswertung ein. Der FSFI-Score ist ein Screening- und Verlaufsinstrument, ersetzt aber nicht die klinische Anamnese und die Abklärung somatischer, psychischer oder partnerschaftlicher Faktoren.
Thrombozytenreiches Plasma (Platelet-rich plasma: PRP) ist körpereigenes Blutplasma, das durch Plasmapherese aus autologem Patientenvollblut gewonnen wird. Dabei wirkt die hohe Dichte von Wachstumsfaktoren und Zytokinen im PRP regenerationsfördernd auf das applizierte Gewebe und regt die Synthese von Kollagen und Elastin an.
Zu den Indikationen zählen Therapie und Prophylaxe von Wundheilungsstörungen, sowie der Einsatz bei Frakturen, Sportverletzungen und Arthropathien. PRP wird unter anderem in der Orthopädie, Chirurgie, Dermatologie, Zahnmedizin und neuerdings Gynäkologie genutzt.
Vaginalatrophien kommen häufig durch den physiologischen Hormonmangel in der Postmenopause vor, aber auch unter bestimmten Therapien (z. B. Tamoxifen, Strahlentherapie oder langjähriger hormoneller Kontrazeption). Die Patientinnen geben Beschwerden wie rezidivierende Harnwegsinfekte, Befindlichkeitsstörungen, aber auch sexuelle Dysfunktionen an. Hierzu wird PRP in der Gynäkologie zur sogenannten vaginalen „Verjüngung“ eingesetzt: Mittels PRP wird die Regeneration und Hydratation des vulnerablen, dünnen Vaginalgewebes bewirkt. Dadurch wird das atrophische Gewebe regeneriert und die Vaginalhaut wieder weicher. Das wirkt einer Dyspareunie entgegen und erhöht als Sekundärgewinn die Libido.
Ähnliche positive Effekte lassen sich mit einer vaginalen Lasertherapie oder einer lokalen Östrogentherapie erzielen.
Die Wirkung einer PRP-Therapie bei prämenopausalen Frauen wurde in einer US-amerikanischen Studie untersucht. Hierfür wurden von Juni 2023 bis September 2024 in einer uro-gynäkologischen Klinik 52 sexuell aktive Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren in eine randomisierte, placebokontrollierte Untersuchung einbezogen. Keine Teilnehmerin litt unter schweren sexuellen Dysfunktionen. Die Verteilung auf die beiden Gruppen, entweder PRP (2–4 ml) oder Kochsalz-Placebo (4 ml), erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Die Injektionen wurden in die distale vordere Vaginalwand appliziert, wobei jeweils an drei Stellen injiziert wurde: 3 cm von der Harnröhrenöffnung entfernt an der Mittellinie und 1–2 cm rechts und links parallel zur Mittellinie. Ausgewertet wurde der FSFI-Score zu Beginn, 6 Wochen später und nach 6 Monaten. Im Ergebnis hatten Frauen, die mit PRP behandelt wurden, nach 6 Wochen höhere FSFI-Werte als diejenigen in der Placebogruppe.
Es gab in beiden Gruppen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, in der Verum-Gruppe wurden etwas häufiger über Schmerzen berichtet. Limitierend ist die kleine Stichprobengröße zu sehen, sowie der Ausschluss von postmenopausalen Frauen und Patientinnen mit sexuellen Dysfunktionen. Alle Injektionen wurden im selben Zentrum mit gleicher PRP-Vorbereitungsmethode durchgeführt und das Personal war über den Behandlungsarm informiert, was möglicherweise zu einer eingeschränkten Aussagekraft führt. Die Autoren stellten fest, dass der Gesamtwert des FSFI-Score nach 6 Wochen seinen Höchstwert erreichte, nach 6 Monaten war er wieder niedriger. Das würde darauf hindeuten, dass PRP möglicherweise eine temporäre Therapie darstellt, die nach mehreren Monaten eine Wiederholung erfordert, um die Wirkung aufrechtzuerhalten.
Eine Vaginalatrophie hat unter anderem einen negativen Einfluss auf die Sexualität. Die übliche Standardtherapie besteht aus einer vaginalen Östrogenbehandlung. Mittlerweile existieren neuere Methoden, wie die vaginale Injektion von PRP. Eine Studie hat sich der Behandlung bei prämenopausalen Frauen angenommen und eine positive Wirkung nach 6 Wochen ermittelt, die nach 6 Monaten wieder abklingt. Allerdings handelte es sich um ein überschaubares Kollektiv ohne nennenswerte sexuelle Dysfunktion. Vielleicht bringen größer angelegte Studien vertrauenswürdigere Ergebnisse bei einem interessanten Therapieansatz.
Die Frage, ob man sensiblen Bereichen – wie etwa der weiblichen Sexualität – tatsächlich gerecht wird, indem man sie in Scores einordnet und unter Optimierungsdruck stellt, muss individuell beantwortet werden.
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