Wenn Immunzellen Witterung aufnehmen
Forscher von Stanford Medicine haben Immunzellen so verändert, dass sie nicht mehr nur Proteine auf der Tumoroberfläche erkennen, sondern auf diffusere, vom Tumor freigesetzte Stoffwechselprodukte (Metabolite) reagieren – ähnlich wie Bluthunde. Im Gegensatz zur klassischen CAR-T-Therapie, die an Oberflächenproteine gebunden ist, nutzen die Wissenschaftler G‑Protein‑gekoppelte Rezeptoren (thGPRs), die chemoattraktive Metabolite wie bestimmte Phospholipide, Fettsäuren oder oxidierte Cholesterinderivate erkennen. Ziel ist es, die Migration und Infiltration von NK‑ und T‑Zellen in solide Tumore zu verbessern – ein bekanntes Hindernis für die Wirksamkeit der Immuntherapie bei solchen Tumoren. Mithilfe von Expressionsanalysen und CRISPR‑Screens konnten mehrere thGPR‑Gene identifiziert werden, deren Expression NK‑Zellen in Mäusemodellen von Brust‑ und Eierstockkrebs deutlich bessere Tumorinfiltration ermöglichte. Besonders GPR183 (ein Rezeptor für oxidierte Cholesterinmetabolite) steigerte die Tumorwanderung und verbesserte in Kombination mit CAR‑Modifikationen die Tumorkontrolle. „Wir beobachteten eine mehr als doppelte Anzahl vollständiger Remissionen bei den Tieren“, so Dr. Livnat Jerby vom Stanford Cancer Institute. Die modifizierten Zellen eliminierten in vielen Fällen aggressive Tumoren und führten zu deutlich verbessertem Überleben. Die Autoren prüfen nun, ob sich weitere thGPRs für andere Tumormetabolite nutzen lassen und ob Metabolit‑Signale Immunzellen spezifisch im Tumor aktivieren können. Geplant sind weitere präklinische Tests sowie erste klinische Studien mit GPR183‑modifizierten Zellen. Die Studie weist darauf hin, dass der tumorspezifische Stoffwechsel als Navigationssignal für krebsabtötende Immunzellen in Zukunft von therapeutischem Nutzen sein könnte. |