Erscheint ein Patient zu spät oder gar nicht, ist das mehr als ärgerlich – es bedeutet auch wirtschaftliche Einbußen. Mit welchen Strategien Ärzte unnötigen Terminstress vermeiden können.
Ein Artikel von Jennifer Steinort
Es ist 16:25 Uhr am Donnerstag. Herr Bogner ist schon zehn Minuten überfällig. Leider ist er kein Einzelfall. In dieser Woche haben sich in der hausärztlichen Praxis bereits sechs Patienten um mehr als fünf Minuten verspätet, zwei andere versäumten ihren Termin komplett. Aus organisatorischer Sicht ein Fiasko. Dadurch entsteht eine Lücke, die nicht so schnell zu stopfen ist. Erscheint der Patient doch, rücken andere Termine nach hinten – das Wartezimmer wird immer voller, die Beschwerden häufen sich und das Personal muss unter Umständen länger arbeiten. Aus wirtschaftlicher Perspektive sind vor allem die sogenannten No-Shows, also das Nichterscheinen, problematisch. Schließlich können keine Leistungen für jemanden abgerechnet werden, der sie nicht wahrgenommen hat. Genau darauf fußt allerdings die Kalkulation: auf Patienten, die man terminiert und abrechnungstechnisch erfasst.
Patienten, die gar nicht zu einem Termin auftauchen, belasten mit ihrem Vorgehen nicht nur die Praxis, sondern auch die gesamte Gesundheitsversorgung. Das nicht beanspruchte Zeitfenster verfällt, während andere Patienten dringend auf einen Termin warten. Die kassenärztliche Bundesvereinigung spricht von 10–20 Prozent No-Shows. Eine ältere Untersuchung (Quartal 1/2021 bis 2/2022) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Bremen zeigte, dass jeder fünfte Patient seinen Termin nicht wahrgenommen hat, den er vorher über die Terminservicestelle vereinbarte – abgesagt wurde nicht.
Alleine an das Verantwortungsgefühl der Patienten zu appellieren, reicht in der Regel nicht. Vielmehr braucht es strukturierte und patientenfreundliche Prozesse.
Verspätungen und ein Nichterscheinen sind ärgerlich, keine Frage. Deswegen kommt auch immer wieder die Diskussion um ein Ausfallhonorar auf den Tisch – die rechtlichen Regelungen dafür sind aber hoch. Wohl auch deshalb gibt es darüber noch keine Einigkeit.
Bildquelle: Malcolm Lightbody, Unsplash