Kognitive Beeinträchtigungen und mentale Erschöpfung zählen zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Sport könnte dem entgegenwirken. Wozu ihr Patienten raten könnt.
Kognitive Beeinträchtigungen während oder nach Chemotherapie sind ein häufiges Problem. Nun liegen Daten einer in JNCCN veröffentlichten Studie vor, die den Einfluss eines strukturierten Bewegungsprogramms während der Chemotherapie untersuchen.
In einer multizentrischen Phase‑III‑Studie wurden 687 Patienten, die erstmals eine Chemotherapie erhielten, untersucht. Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich zur üblichen Chemotherapie das Programm „Exercise for Cancer Patients (EXCAP©®)“ mit individuell angepassten Gehprogrammen und Widerstandsbandübungen. Die Anleitung erfolgte im „Teach‑back“‑Verfahren zur Sicherung der korrekten Ausführung. Teilnehmer dokumentierten tägliche Schritte mit einem Schrittzähler und führten ein Tagebuch über die Dauer der Widerstandsbandübungen. Eingeschlossen waren vorwiegend Frauen, viele mit Brustkrebs. Die Rekrutierung fand landesweit von 2009 bis 2014 in 20 regionalen onkologischen Versorgungszentren des US-amerikanischen Forschungsnetzwerkes „URCC NCORP Research Base“ statt.
Primäre Ergebnisse betrafen die selbstberichtete kognitive Funktion (wahrgenommene kognitive Beeinträchtigung) und mentale Fatigue während der Chemotherapie. Verglichen wurden EXCAP©® in Kombination mit der üblichen Versorgung gegenüber der alleinigen üblichen Versorgung.
Patienten mit zweiwöchigen Chemotherapiezyklen, die das EXCAP©®‑Programm durchführten, berichteten gegenüber der Standardversorgung:
Zudem konnten diese Patienten ihr tägliches Gehen während der Chemotherapie aufrechterhalten. Patienten ohne Trainingsprogramm reduzierten ihre Gehaktivität um 53 %.
Bei Patienten mit drei‑ bis vierwöchigen Chemotherapiezyklen zeigten sich keine vergleichbaren signifikanten Effekte. Die Gründe hierfür sind bislang unklar. Diskutiert werden unter anderem Unterschiede im Krankheitsverlauf, in der Belastung durch die Therapie oder ein möglicherweise höherer Trainingsbedarf.
Die Autoren weisen darauf hin, dass Patienten unter Chemotherapie häufig weniger laufen wegen Erschöpfung, Muskelschwäche, Übelkeit oder anderer Nebenwirkungen. Möglicherweise ist der Zwei‑Wochen‑Rhythmus ein „sweet spot“, der genügend Erholungszeit bietet, um an einem Heim‑Übungsprogramm teilzunehmen. Po‑Ju Lin, einer der Erstautoren, erklärt:
„Nicht‑pharmakologische Interventionen wie Bewegung, kognitives Training und Achtsamkeit sind wichtig für den Umgang mit kognitiven Beeinträchtigungen während der Chemotherapie, da sie sicher, zugänglich und oft kostengünstig oder sogar zu Hause durchführbar und damit im Vergleich zu teuren oder klinikbasierten Behandlungen leichter nutzbar sind.“
Weitere Studien sind nötig, um die Ergebnisse auf breitere Patientengruppen und unterschiedliche Therapiepläne zu übertragen.
Für Betroffene und Behandler ist die Botschaft praktisch und unmittelbar: Ein einfaches, zu Hause durchführbares Bewegungsprogramm (Gehen und Widerstandsbandübungen) kann die Wahrscheinlichkeit von Chemotherapie‑bedingten kognitiven Problemen senken — besonders bei 14‑Tage‑Chemotherapien. Die Studie liefert damit Hinweise, dass Ärzte ein solches kostengünstiges Interventionsangebot in die unterstützende Versorgung integrieren sollten. Bei Bedarf soll an spezialisierte Angebote der onkologischen Bewegungstherapie verwiesen werden.
Mustian et al.: Effects of Exercise on Cognitive Impairment in Patients Receiving Chemotherapy: A Multicenter Phase III Randomized Controlled Trial. JNCCN, 2026.doi: https://doi.org/10.6004/jnccn.2025.7118
Bildquelle: Lindsay Henwood, Unsplash