Beim Vergleich von PSA-basiertem Prostatakrebs-Screening und organisiertem Mammographie-Screening fällt auf: Sie scheinen ähnlich effektiv zu sein. Allerdings nur unter einer Bedingung.
Brustkrebs und Prostatakrebs sind in Europa die häufigsten Tumorerkrankungen bei Frauen bzw. Männern – die Früherkennungsprogramme unterscheiden sich jedoch stark. Organisiertes Brustkrebs-Screening existiert seit Jahrzehnten; das Prostatakrebs-Screening erfolgt häufig opportunistisch. Hauptkritikpunkt beim PSA-basierten Screening sind Genauigkeit, Überdiagnosen und Übertherapien.
Das Team des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) verglich Daten aus der PROBASE-Studie (Prostatakrebs) mit Daten aus dem deutschen organisierten Brustkrebs-Screeningprogramm. In die Analyse flossen 39.392 PROBASE-Teilnehmer ein, die im Alter von 45 oder 50 Jahren einen ersten PSA-Bluttest hatten. Dem gegenüber standen Daten von mehr als 2,8 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, die an dem Mammographie-Programm teilgenommen hatten.
Die PROBASE-Autoren heben hervor, dass bei Prostatakrebs die Option der „aktiven Überwachung“ gut etabliert sei und das Risiko einer Überbehandlung begrenze. Bei dieser Strategie würden niedriggradige, langsam wachsende Krebserkrankungen kontinuierlich beobachtet und erst bei Progress behandelt.
Erstautorin Sigrid Carlsson vom DKFZ sagt: „Solange wir kein bevölkerungsbasiertes Screening-Programm für Prostatakrebs haben, können wir keinen exakten Vergleich mit Brustkrebs anstellen. Aber auf der Grundlage unserer aktuellen Analyse können wir begründet annehmen, dass die Ergebnisse wahrscheinlich sehr ähnlich wie bei Brustkrebs wären, wenn das Prostatakrebs-Screening mittels PSA auf die Bevölkerung ausgeweitet würde. Wir gehen auch davon aus, dass unsere deutschen Daten auch auf andere Länder übertragbar sind.“ Sie ergänzt: „Als nächstes wollen wir die Kosten für ein bevölkerungsbezogenes Screening mit denen des opportunistischen PSA-Screenings vergleichen.“
Tobias Nordström, Karolinska-Institut: „Beim Prostatakrebs-Screening können wir viel vom Brustkrebsscreening lernen, und deshalb ist diese Analyse eine wichtige Ergänzung unserer Wissensbasis. Da solche Vergleiche sehr schwierig sind, müssen die Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Dennoch zeigen die deutlichen Ähnlichkeiten zwischen den Ergebnissen des Brust- und Prostatakrebs-Screenings, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und sicherstellen, dass das PSA-Screening den Männern mehr nützt als schadet.“
Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung. Wir haben sie euch hier und im Text verlinkt.
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