Wir hatten nach euren Erfahrungen zu Krankmeldungen in der Prüfungszeit gefragt. Akuter Infekt, pure Angst oder nur eine AU-srede? Ärzte und Studenten packen aus.
Ein Student schlottert vor Prüfungsangst, ein anderer braucht etwas Aufschub zum Lernen und ein weiterer möchte lieber direkt in den Skiurlaub fahren. Eins haben sie gemeinsam: Sie sitzen im Wartezimmer eines Arztes, um sich krankschreiben zu lassen, statt in der Prüfung. Eine Krankmeldung ist die Ultima Ratio für Prüfungssituationen, die nicht so gut in den Plan passen – augenscheinlich „krank“ sind aber die wenigsten. Wir haben uns für euch umgehört und nachgeforscht, wie oft das tatsächlich vorkommt.
79 % der befragten Studenten und des Universitätspersonals gaben an, mitbekommen zu haben, dass sich in letzter Zeit Studenten vermehrt krankgemeldet haben. Die Gründe hierfür waren verschieden. Viele Studenten gaben an, aus Prüfungs- oder Versagensangst nicht wie geplant an den Prüfungen teilzunehmen. So schrieb eine PJlerin, dass sie aus „Angst vor Durchfallen und daraus entstehendem Fehlversuch“ der Prüfung fernblieb. Ebenso berichtet eine weitere Studentin aus dem klinischen Abschnitt von einem „Gefühl von ‚das schaffe ich eh nicht‘“.
Klar, die Prüfungsangst begleitet viele Studenten. Als weiteren Grund nannten viele Umfrageteilnehmer, dass sie schlecht gelernt hatten, nicht ausreichend vorbereitet waren oder Prüfungen schieben wollten. Eine Studentin aus der Vorklinik teilte mit uns, dass sie „mit dem Lernstoff nicht durchgekommen [war]“. Ebenso hat uns eine Studentin aus der Klinik verraten, dass sie sich für die „Neuverteilung der Prüfungen, wie es einem besser passt“ krankschreiben ließ.
Wer jetzt denkt, das wären kuriose Gründe für Krankmeldungen, irrt sich. Eine Studentin aus der Klinik verriet uns, dass sie sich krankschreiben ließ, weil sie schlicht „kein[en] Bock“ hatte. Ein weiterer, oft genannter Grund für Krankmeldungen war die „Teilnahme an den Medi-Meisterschaften“. Eine Studentin aus der Vorklinik erzählte uns, dass sie dies bei mehreren Kommilitonen beobachtet hat. Mehrere Studenten teilten außerdem mit uns, dass ihre Kommilitonen sich krankmeldeten, um verreisen zu können. Für einige scheint die Krankmeldung einfach nur die Abkürzung in den Urlaub zu sein.
Wie nehmen Professoren und Dozenten die Lage wahr? Ein Anatomiedozent teilte uns mit, dass durch die vermehrten Krankmeldungen ein „erhöhter Aufwand durch Nachholprüfungen“ entstehe. Das sei eine Arbeitslast, die man lieber vermeiden würde. Ein Psychiater meinte, dass er „mehr Arbeitszeit darauf verwenden [muss], die Prüfungsabmeldungen zu bearbeiten“. Die unerwartete Flut von Kranmeldungen schränkt auch die Arbeit von Sekretariaten ein. Die Klausurergebnisse werden später als angekündigt veröffentlicht. Und darüber ärgern sich dann am Ende vor allem – die Studenten.
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