Fressen Katzen schlecht, schmatzen oder haben Schmerzen im Maulbereich, sind häufig feline odontoklastische resorptive Läsionen, kurz FORL, schuld. Diese Beschwerden zeigen sich jedoch oft erst spät – und dann muss es schnell gehen.
Unheilbar, äußerst schmerzhaft und lange Zeit kaum erkennbar – die Zahnerkrankung FORL (Feline odontoklastische resorptive Läsion) stellt Tierärzte und Forscher seit Jahrzehnten vor ein Rätsel. Bei der Krankheit wird die Zahnsubstanz schrittweise zerstört: Für betroffene Katzen bedeutet das oft massive Schmerzen – auch wenn sie sich diese kaum anmerken lassen.
FORL betrifft vor allem Schneide- und Backenzähne der Tiere. Auslöser sind fehlgesteuerte, überaktive Odontoklasten – Zellen, die eigentlich für den natürlichen Abbau von Zahnsubstanz zuständig sind. Durch ihre Überaktivität entstehen Löcher an Zahnwurzel oder Zahnkrone. Fressen und Fellpflege werden dadurch zunehmend erschwert. „Eine ursächliche Therapie gibt es bislang nicht. Tierärzte können nur die betroffenen Zähne entfernen, um die Tiere von ihren Schmerzen zu befreien und ihre Lebensqualität wiederherzustellen“, erklärt Dr. med. vet. Anna Magdalena Naderer.
Das Tückische an FORL: In frühen Stadien bleibt die Erkrankung meist unentdeckt. Selbst bei stark geschädigter Zahnsubstanz zeigen viele Katzen kaum sichtbare Verhaltensänderungen. Erst, wenn sie das Futter verweigern oder deutlich an Gewicht verlieren, werden Halter aufmerksam. „Zu diesem Zeitpunkt haben die Tiere häufig schon einen langen Leidensweg hinter sich“, so Naderer. Dabei zählt FORL – auch als Resorptive Läsionen (RL) bezeichnet – zu den häufigsten Zahnerkrankungen bei Katzen. Studien gehen davon aus, dass zwischen 20 und 70 Prozent aller Katzen betroffen sind. Eine israelische Untersuchung zeigte, dass rund ein Drittel klinisch gesunder Katzen Anzeichen der Erkrankung aufwies – bei Katzen mit bestehenden Zahnproblemen waren es sogar zwei Drittel. Eine finnische Umfrage unter Katzenhaltern ergab zudem, dass etwa ein Viertel der Tiere mit diagnostizierten Zahnproblemen an FORL litt.
Die Diagnose ist aufwändig. Da die Erkrankung ihren Ursprung an der Zahnwurzel hat, ist ein Dentalröntgen unerlässlich. „Nicht jede Tierarztpraxis verfügt über die notwendige Ausstattung, und verbindliche Leitlinien für regelmäßige Dentalröntgen-Untersuchungen fehlen bislang“, kritisiert Naderer. Auch die Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden Faktoren wie Alter, Rasse, bestehende Maul- und Zahnerkrankungen sowie Umwelteinflüsse. Neuere Studien weisen auf mögliche Korrelationen mit der Zusammensetzung der oralen Bakterienflora hin. Ebenso werden der Vitamin-D3-Spiegel, systemische Entzündungen und Stress als Risikofaktoren untersucht. Besonders anfällig scheinen Siam- und Maine-Coon-Katzen zu sein; generell steigt das Risiko mit zunehmendem Alter.
Resorptive Läsionen im Dentalröntgen, Quelle: Svenja Kasselmann
Resorptive Zahnläsionen kommen übrigens nicht nur bei Katzen vor. Auch Hunde können betroffen sein – allerdings seltener und meist mit abweichendem Krankheitsverlauf. Während bei Katzen von FORL gesprochen wird, verwenden Tierärzte beim Hund die Begriffe Zahnresorption oder resorptive Läsionen; im Englischen ist von Tooth Resorption (TR) oder Canine Tooth Resorption die Rede.
Angesichts der ungeklärten Ursachen bleibt Katzenhaltern vor allem Prävention. „Es gibt viele Theorien, aber keine endgültige Erklärung. Deshalb sind sorgfältige Zahnpflege zu Hause und regelmäßige professionelle Kontrollen inklusive Röntgen entscheidend“, betont Naderer. Sie empfiehlt tägliches Zähneputzen mit spezieller Katzenzahnpasta, mindestens jedoch drei Mal pro Woche. Zahnfreundliche Ernährung, Dentalspielzeug und spezielle Leckerlis können zusätzlich unterstützen. Mit vergleichsweise geringem Aufwand lässt sich so viel bewirken – damit Katzen nicht still und unbemerkt leiden müssen.
Cohen-Mivtach: Prevalence of Tooth Resorptive Lesions in 120 Feline Dental Patients in Israel. J Vet Dent., 2024. doi: 10.1177/08987564231226082
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Thomas et al.: Microbiome analysis of feline odontoclastic resorptive lesion (FORL) and feline oral health, J Med Microbiol., 2021. doi: 10.1099/jmm.0.001353
Girard et al.: Tooth resorption and vitamin D3 status in cats fed premium dry diets, J Vet Dent, 2010. doi: 10.1177/089875641002700301
Moosavian et al.: Moderate to advanced periodontitis contributes to increased oxidative stress in cats: a case-control study, BMC Veterinary research, 2024. doi: https://doi.org/10.1186/s12917-024-04110-y
O’Neill et al.: Periodontal disease in cats under primary veterinary care in the UK: frequency and risk factors, SAGE Journals, 2023. doi: https://doi.org/10.1177/1098612X231158
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