Die Klimatherapie ist ein Heilverfahren, bei dem sich Betroffene eine bestimmte Zeit in einer Region mit spezifischen klimatischen Bedingungen aufhalten. Das sogenannte Heilklima dieser Regionen ist definiert als ein Klima, bei dem stimulierende Reize bzw. Schonfaktoren überwiegen und die Belastungsfaktoren minimal sind. Differenziert wird in Meeresklima, Mittelgebirgsklima und Hochgebirgsklima. Das Mittelgebirgsklima beginnt ab einer Höhe von 500 bis 1200 Metern, das Hochgebirgsklima umfasst alpine Höhen darüber hinaus. Zur Therapie im Heilklima werden daher, je nach Krankheit und individueller Konstitution, die stimulierenden oder schonenden Faktoren genutzt. Zu den klimatische Reizen zählen Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Windstärke und UV-Strahlung sowie Meeresluft und ergänzend Meerwasser. Als besonders entlastend gelten Klimakuren im Hochgebirge, da dort meist allergenarme, reine Luft und ein angenehm kühles Klima vorherrschen. Die Therapien umfassen Bewegung im Freien, Sonnenexposition, das Einatmen natürlicher Aerosole im Rahmen einer Aerosoltherapie mit Meeresluft oder auch Bäder im Meerwasser.
Die Klimatherapie wird seit langer Zeit zur Behandlung zahlreicher Krankheitsbilder, insbesondere von Haut- und Atemwegserkrankungen, eingesetzt. In vielen Studien wurde eine Evidenz der einzelnen Wirkfaktoren der Klimatherapie festgestellt. Die erzielten Verbesserungen des Krankheitsbildes sind dabei teilweise von langfristiger Dauer.
Die Datenlage
Für die Klimatherapie von atopischen Erkrankungen (Neurodermitis, Asthma bronchiale) im Hochgebirge und Meeresklima sind eindeutige Daten über akute und langfristige Erfolge vorhanden. Bei der Psoriasis ist die größte Evidenz für die Therapie im Hochgebirgsklima sowie für die Klima- und Thalassotherapie am Toten Meer gegeben. Auch bei weiteren Indikationen der Klimatherapie, wie den funktionellen Störungen des Herz-Kreislaufsystems, sprechen die Studienergebnisse für eine anhaltende Reduzierung der Symptome, vor allem im Bereich des Hochgebirgsklimas und für Terrainkuren ab einer Höhe von ca. 700 Höhenmetern. Die Terrainkur wird vor allem in der Prävention sowie in der kardialen Rehabilitation eingesetzt. Positive Effekte zeigen sich auch für Diabetes und Adipositas mit einer entsprechenden multimodalen Therapie sowie für COPD im Hochgebirge.
Zusammenfassung
Die physiologischen Wirkprinzipien der Klimatherapie sind gut verstanden und für mehrere Indikationen klinische Verbesserungen belegt. Nicht zu unterschätzen sind sicherlich auch die positiven psychologischen Effekte einer Symptomverbesserung und Schmerzreduktion im Rahmen einer Klimatherapie, auch wenn diese bisher nicht in Studien bezogen auf spezifische Klimatherapien belegt wurden. Insgesamt sollte Klimatherapie als ergänzende interventionelle Maßnahme gesehen werden, die funktionelle und immunologische Vorteile bieten kann, wenn sie sorgfältig auf die klinische Situation des Patienten abgestimmt ist und eine Aufenthaltsdauer von mehreren Wochen im Rahmen von Rehabilitation oder ambulanten Vorsorgekuren für nachhaltige Effekte ermöglicht werden.
Quellen:
Die Evidenz der Klima- und Thalassotherapie. Ein Review, Open Access LMU
The Effects of Climate Therapy on Cardiorespiratory Fitness and Exercise-Induced Bronchoconstriction in Children with Asthma, MDPI
Studie zu alpiner Höhenklima-Behandlung bei Asthma, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35113452/
Studie zu Höhenklimatherapie bei Atemwegsentzündungen,https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16623931/
Studie zu Bewegung & Klimatherapie bei Diabetes und Adipositas, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7324455/
[Atopic neurodermatitis--therapy in high altitude climate] - PubMed
Psychosocial impact of climatotherapy in young patients with psoriasis: a 3-month cohort study - PubMed
Positive changes in self-management and disease severity following climate therapy in people with psoriasis - PubMed
The Effect of Pulmonary Rehabilitation in Mountain Environment on Exercise Capacity and Quality of Life in Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) and Chronic Bronchitis - PubMed
Welche Effekte haben naturbasierte Therapien, Carstens Stiftung