Mit zentraler Wirkung und ohne gefäßverengende Effekte erweitert Lasmiditan die Migränetherapie. Schmerzfreiheit nach zwei Stunden ist möglich, doch es gibt klare Einschränkungen. Bei welchen Patienten lohnt sich der Einsatz?
Lasmiditan ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Akutbehandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura bei Erwachsenen. In Deutschland sind Filmtabletten mit 50 und 100 Milligramm erhältlich.
Die empfohlene Anfangsdosis bei Erwachsenen beträgt 100 Milligramm. Je nach Verträglichkeit und Wirkung kann die Dosis vom Arzt auf 50 Milligramm gesenkt oder auf 200 Milligramm erhöht werden. Mehr als 200 Milligramm innerhalb von 24 Stunden dürfen nicht eingenommen werden. Für Deutschland gilt: Werden die Kopfschmerzen nach 50 oder 100 Milligramm Lasmiditan zunächst besser und kommen innerhalb von 24 Stunden zurück, kann die gleiche Dosis einmal wiederholt werden, frühestens aber zwei Stunden nach der ersten Einnahme. Bemerkt man nach der ersten Dosis keine Besserung, sollte bei derselben Attacke keine zweite Dosis eingenommen werden. Bei älteren Menschen, eingeschränkter Nierenfunktion und leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Leberfunktionsstörung wird die Anwendung jedoch nicht empfohlen.
Sehr wichtig ist auch der Einfluss von Lasmiditan auf die Reaktionsfähigkeit. In Fahrsimulatorstudien war die Fahrleistung 90 Minuten nach einer Dosis von 50, 100 oder 200 Milligramm deutlich schlechter als die unter einem Placebo. Acht Stunden oder später konnte in Studien dann keine relevante Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit mehr gemessen werden. Deshalb gilt, dass nach jeder Einnahme von Lasmiditan für mindestens acht Stunden kein Fahrzeug geführt und keine Maschinen bedient werden sollen, selbst wenn man glaubt, dass man das problemlos kann. Sehr häufig führt die Einnahme zu einer Benommenheit. Auch Schwindel, Schläfrigkeit, Erschöpfung, Kribbeln oder Taubheitsgefühle der Haut, Übelkeit, Muskelschwäche und allgemein ein Gefühl von Unwohlsein wurden häufig berichtet. Diese Beschwerden – besonders Benommenheit und Schwindel – können bereits innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme beginnen. Sie halten im Durchschnitt nur wenige Stunden an. Gelegentlich wurden auch Sehstörungen, Herzklopfen, Angstgefühle, Schlafstörungen oder vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen beschrieben.
Es kann allerdings auch zum Serotoninsyndrom kommen, vor allem dann, wenn Lasmiditan zusammen mit anderen Wirkstoffen eingenommen wird, die ebenfalls den Serotoninspiegel erhöhen. Serotonin ist ein Botenstoff im Nervensystem, der viele verschiedene Funktionen hat und unter anderem an der Schmerzweiterleitung sowie an Gefäßreaktionen beteiligt ist. Das Serotoninsyndrom ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung von Substanzen, die den Serotoninspiegel im Körper stark erhöhen. Es tritt auf, wenn zu viel Serotonin im Körper vorhanden ist und dadurch das Nervensystem überstimuliert wird. Hinweise darauf sind Unruhe, Halluzinationen, stark schwankender Blutdruck, Fieber, Muskelzucken und Durchfall. In einem solchen Fall muss sofort ärztliche Hilfe eingeholt und Lasmiditan abgesetzt werden.
Lasmiditan kann auch den Puls und den Blutdruck beeinflussen. In Studien kam es zu einer leichten Senkung der Herzfrequenz, und es konnte zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg kommen. Beides war in Studien jedoch nur vorübergehend, und der Blutdruckanstieg zeigte sich vor allem bei der 200-Milligramm-Dosis. Bei Patienten, die bereits Arzneimittel erhalten, die den Puls senken oder bestimmte Herzerkrankungen haben, muss daher besonders vorsichtig vorgegangen werden. Es wurden außerdem Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Schwellungen oder eine Lichtempfindlichkeit der Haut beschrieben. Treten Atemnot, starke Schwellungen im Gesicht oder andere schwere allergische Reaktionen auf, handelt es sich um einen Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Achtung: Bei zu häufiger Einnahme kann Lasmiditan einen sogenannten Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch auslösen, also Kopfschmerzen, die durch den regelmäßigen Einsatz von Schmerz- bzw. Migräne-Arzneimitteln häufiger und oft auch chronisch werden. Als grober Anhaltspunkt gilt daher, dass Akuttherapien bei Migräne nicht an zehn oder mehr Tagen pro Monat eingesetzt werden sollten.
In mehreren großen Studien erreichten nach 2 Stunden rund 28 bis 39 Prozent der Menschen unter 100 oder 200 Milligramm Lasmiditan Schmerzfreiheit, während es unter Placebo nur 15 bis 21 Prozent waren. Zusätzliche belastende Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Übelkeit verschwanden bei etwa 41 bis 49 Prozent der Behandelten, unter Placebo waren es lediglich etwa 30 bis 34 Prozent. 14 bis 24 Prozent der Behandelten mit mehreren Anfällen berichteten, bei mindestens 2 von 3 Attacken nach 2 Stunden schmerzfrei zu sein, gegenüber 4 Prozent unter Placebo. Gleichzeitig gab es aber auch etwa 20 Prozent der Teilnehmer, bei denen Lasmiditan in sechs Wochen bei keiner Attacke den gewünschten Behandlungserfolg brachte.
Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen laut der Fachinformation nur begrenzte Erfahrungen mit Lasmiditan beim Menschen vor. In Tierversuchen wurden bei hohen Dosen Entwicklungsstörungen der Jungen und eine erhöhte Sterblichkeit beobachtet. Welche Auswirkungen Lasmiditan beim Menschen auf das ungeborene Kind hat, ist nicht bekannt, weshalb die Einnahme in der Schwangerschaft nicht empfohlen wird. Wenn ein Migräneanfall während der Schwangerschaft behandelt werden muss, gelten besser untersuchte Arzneimittel wie Paracetamol und je nach Schwangerschaftsphase auch Ibuprofen als Optionen. Daten zur Stillzeit beim Menschen gibt es für Lasmiditan bisher noch nicht. In Tierstudien stellte man fest, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Die Fachinformation empfiehlt daher, dass man zwischen dem Nutzen der Behandlung und dem Nutzen des Stillens abwägt. Ist die Einnahme von Lasmiditan in der Stillzeit unverzichtbar, sollte der Säugling 24 Stunden lang nicht gestillt werden.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sah in seiner Nutzenbewertung keinen belegten Zusatznutzen von Lasmiditan, weil dafür keine geeigneten Vergleichsdaten vorlagen. Die aktuellen deutschen Leitlinien sehen Triptane und NSAR daher weiterhin als den Standard der Akuttherapie. Lasmiditan hingegen wird eher als Alternative betrachtet, zum Beispiel dann, wenn Triptane nicht wirken oder wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht infrage kommen.
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