Weltweit steigen die Masernfälle – und ein Land nach dem anderen verliert seinen masernfreien Status. Dabei ist das erklärte Ziel der WHO, die Erkrankung bis 2030 auszurotten. Was dafür passieren muss.
Weltweit werden aktuell so viele Masernfälle registriert wie seit Jahren nicht mehr. Zahlreiche Staaten melden größere Ausbrüche und mehrere Länder haben den von der WHO verliehenen masernfreien Status verloren. Als Hauptursache gelten Impflücken, die sich in den vergangenen Jahren gebildet haben — ein Problem, das besonders seit der COVID-19-Pandemie an Bedeutung gewonnen hat.
„Die Covid-19-Pandemie hat in vielen Ländern dazu geführt, dass Routineimpfungen gegen Masern zurückgegangen sind“, erklärt Prof. Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) und wissenschaftlicher Leiter des Düsseldorfer Centrums für Reisemedizin (CRM). „Entgegen der landläufigen Meinung sind Masern keine harmlose Kinderkrankheit. Schwere Verläufe sind vergleichsweise häufig, auch bei Erwachsenen. Viele der derzeit beobachteten Ausbrüche wären vermeidbar, wenn die empfohlenen Impfungen rechtzeitig wahrgenommen würden.“
Die WHO strebt eigentlich eine Maserneliminierung bis 2030 an; dafür müssten mindestens 95 % der Bevölkerung gegen Masern geimpft sein. 2024 erreichten nur vier EU-/EWR-Staaten diese Impfquote für die zweite Impfung. Sechs Länder in der europäischen Region verloren inzwischen ihren masernfreien Status, weil dort über zwölf Monate anhaltende endemische Übertragungen dokumentiert wurden.
Besonders auffällig sind Großbritannien, Spanien und Österreich. Großbritannien verzeichnete 2024 mit 2.911 bestätigten Infektionen die höchste Fallzahl seit 2012; auch 2025 kamen weitere Fälle hinzu. Österreich und Spanien meldeten ebenfalls gesteigerte Fallzahlen. Deutschland gilt derzeit ebenfalls nicht als masernfrei; die gemeldeten Erkrankungen steigen seit 2024. „Das zeigt, dass das von der WHO formulierte Eliminationsziel ohne gezielte Nachholimpfungen kaum erreichbar sein wird“, so Jelinek.
Auch außerhalb Europas sind deutliche Ausbrüche zu beobachten: Kanada, die USA, Mexiko, Guatemala und die Mongolei meldeten teils deutlich gestiegene Fallzahlen. Dabei spielen oft Reisen und Veranstaltungen eine Rolle: In Guatemala folgten nach einer religiösen Großveranstaltung lokale Übertragungen; in der Mongolei wurden Infektionen vermutlich durch einen Reisenden eingeschleppt. „Diese Fälle verdeutlichen, dass wenige importierte Infektionen bei bestehenden Impflücken schon ausreichen können, um neue Übertragungsketten zu starten“, so Prof. Jelinek.
Das Masernvirus gehört zu den ansteckendsten Viren, eine Infektion lässt sich aber durch Impfung gut verhindern. Die Erkrankung beginnt meist mit Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung und einem Enanthem der Mundschleimhaut; nach etwa acht bis zwölf Tagen folgt der fleckige Hautausschlag. Die Erregerübertragung erfolgt durch Tröpfchen — bereits vor dem Ausschlag können Infizierte andere anstecken. Zu ernsten Komplikationen zählen Lungenentzündungen, Gehirnentzündungen und als seltene Spätfolge die stets tödlich verlaufende subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) – zuletzt wurde 2025 ein Fall in Kalifornien bekannt, bei dem ein ehemals an Masern erkranktes Schulkind später an einer SSPE verstarb.
„Die Masern-Impfung ist in der Regel gut verträglich und bietet einen langanhaltenden, zuverlässigen Schutz“, erklärt Jelinek. Üblich ist die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) oder zusätzlich gegen Windpocken (MMRV). Das BCRT betont: „Es sind Nachholimpfungen notwendig, um bestehende Immunitätslücken zu schließen.“ Nur bei sehr hoher Durchimpfung lassen sich größere Ausbrüche verhindern.
Das BCRT ruft dazu auf, den Standardimpfschutz zu überprüfen und offene Impflücken zu schließen. Eine vollständige Immunisierung schützt nicht nur die geimpfte Person, sondern reduziert die Weiterverbreitung in Gruppen mit niedrigerer Impfquote. Für Reisende gehört die Masernimpfung in die gleiche Kategorie wie andere empfohlene Reiseimpfungen. Bei Unsicherheit über den eigenen Schutz sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.Die Pressemitteilung liegt der Redaktion vor.
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